Foto Robert Lebeck, Romy Schneider mit Robert Lebecks Mütze, Berlin 1976Anläss­lich des 30. Todes­ta­ges von Romy Schnei­der ehrt die Bun­des­kunst­halle die Schau­spie­le­rin mit einer Aus­stel­lung, die Ori­gi­nal­kos­tüme, unbe­kannte Foto­gra­fien, Pla­kate, Doku­mente, Film­aus­schnitte und per­sön­li­che Gegen­stände aus dem Nach­lass ver­sam­melt:

 
 
 
 

Foto Kurt Will, Romy Schneider

Kurt Will, Romy Schnei­der
Deut­sche Kine­ma­thek – Museum für Film und Fern­se­hen, Berlin

 
Infor­ma­tion der Kunst- und Aus­stel­lungs­halle der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land:

Romy Schnei­der

5. April bis 24. Juni 2012

Zum 30. Mal jährt sich 2012 der Todes­tag von Romy Schnei­der, die als deut­scher Welt­star in die Film­ge­schichte ein­ge­gan­gen ist. Die Bun­des­kunst­halle ehrt die Schau­spie­le­rin mit einer Aus­stel­lung in Zusam­men­ar­beit mit der Deut­schen Kine­ma­thek, Berlin, und Akouna, Paris. Die Aus­stel­lung widmet sich dem umfang­rei­chen Werk Romy Schnei­ders, das durch ein hohes Maß an Pro­fes­sio­na­li­tät und ihren Auf­stieg zu einem der größ­ten Stars des fran­zö­si­schen Kinos geprägt ist. Ori­gi­nal­kos­tüme, unbe­kannte Foto­gra­fien, Pla­kate, Doku­mente, Film­aus­schnitte und per­sön­li­che Gegen­stände aus dem Nach­lass der Schau­spie­le­rin doku­men­tie­ren nicht nur eine inter­na­tio­nale Kar­riere, son­dern drei Deka­den euro­päi­scher Film­ge­schichte.
 

Foto Robert Lebeck, Romy Schneider mit Robert Lebecks Mütze, Berlin 1976

Robert Lebeck, Romy Schnei­der mit Robert Lebecks Mütze, Berlin 1976
Sil­ber­ge­la­tine auf Baryt­pa­pier, Modern Print, 30x40 cm
© R. Lebeck / Stern / Pic­ture

 
Romy Schnei­der, am 23. Sep­tem­ber 1938 als Toch­ter des Schau­spie­ler­paars Wolf Albach-Retty und Magda Schnei­der gebo­ren, war die ideale Inkar­na­tion eines unschul­di­gen Teen­agers: frisch, munter, naiv und ein wenig kokett. Mit den in den Jahren 1955 bis 1957 ent­stan­de­nen drei Sissi-Filmen des öster­rei­chi­schen Regie-Rou­ti­niers Ernst Marischka wurde dieses Image Romy Schnei­ders eta­bliert und bis zum Ende der Dekade häufig gefor­dert. Die Sissi-Tri­lo­gie wurde in alle euro­päi­schen und einige außer­eu­ro­päi­sche Länder expor­tiert und zählt mit rund 25 Mil­lio­nen Zuschau­ern bis heute zu den kom­mer­zi­ell erfolg­reichs­ten deutsch­spra­chi­gen Filmen aller Zeiten. Für das natio­nale und inter­na­tio­nale Publi­kum ver­schmolz die Dar­stel­le­rin mit ihrer Rolle. Sie konnte sich vor Film­an­ge­bo­ten kaum retten, steckte aber fest in der Schub­lade »unschul­di­ger Teen­ager«.
 

Romy Schneider in der Wiener Hofburg vor einem Bildnis der Kaiserin Elisabeth von Österreich, 1958

Romy Schnei­der in der Wiener Hof­burg vor einem Bild­nis der Kai­se­rin Eli­sa­beth von Öster­reich, 1958
Deut­sche Kine­ma­thek – Museum für Film und Fern­se­hen, Berlin

 
Dass die Schau­spie­le­rin bereits am Ende der fünf­zi­ger Jahre öffent­lich wie­der­holt andere Ansprü­che for­mu­lierte, wurde von Pro­du­zen­ten und ihrem Mil­lio­nen­pu­bli­kum über­hört. Eine vierte Sissi-Folge war bereits geplant, aber Romy Schnei­der stand nicht mehr zur Ver­fü­gung, son­dern ging 1958 nach Paris, um mit Alain Delon Chris­tine zu drehen und – zum Ent­set­zen der meis­ten Deut­schen – auch eine pri­vate Bezie­hung ein­zu­ge­hen. 1962 sorgte Romy Schnei­der als sich pro­sti­tu­ie­rende Ehe­frau in dem von Luchino Vis­conti insze­nier­ten Teil des Epi­so­den-Films Boc­cac­cio ‘70 für noch grö­ßere Ent­rüs­tung in der bun­des­deut­schen Heimat, wäh­rend sie inter­na­tio­nal erst­mals als ernst­hafte Schau­spie­le­rin wahr­ge­nom­men wurde. Auf die fran­zö­si­sch-deut­sch-ita­lie­ni­sche Kafka-Adap­tion Le Procès (Der Prozeß, 1962) unter der Regie von Orson Welles folg­ten Enga­ge­ments in Eng­land, den USA und wie­derum in Frank­reich, wo sie sich 1968 mit La Piscine (Der Swim­ming­pool), erneut als Part­ne­rin Alain Delons, end­gül­tig auch als fran­zö­si­sche Schau­spie­le­rin durch­setzte.

Anfang der sieb­zi­ger Jahre ließ sich Romy Schnei­der dau­er­haft in Frank­reich nieder und erar­bei­tete sich beson­ders in den Filmen Claude Sau­tets, mit dem sie zwi­schen 1969 (Les Choses de la Vie/Die Dinge des Lebens) und 1978 (Une His­toire Simple/Eine ein­fa­che Geschichte) fünf­mal zusam­men­ar­bei­tete, ein neues Rol­len­bild: Sie spielte moderne, selbst­be­wusste Frauen, die sich und andere in emo­tio­nale Ver­wir­rung stür­zen. Immer wieder beschäf­tig­ten sich ihre fran­zö­si­schen Filme auch mit der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen deut­schen Ver­gan­gen­heit, die im eige­nen Land damals weni­ger the­ma­ti­siert wurde, so Le Train (Le Train – Nur ein Hauch von Glück, 1973), Le Vieux Fusil (Das alte Gewehr, 1975) oder auch ihr letz­ter Film La pas­sante du Sans-Souci (Die Spa­zier­gän­ge­rin von Sans-Souci, 1982).

Am 29. Mai 1982 starb Romy Schnei­der in Paris. Bis heute zählt sie zu den Welt­stars des Kinos und wird von Mil­lio­nen Fans in aller Welt ver­ehrt.
 

Foto Eva Sereny, Romy Schneider, 1972

Eva Sereny, Romy Schnei­der, 1972
© Eva Sereny / Camer­a­Press / Gamma-Rapho

 
Aus­stel­lung
Romy Schnei­der
5. April bis 24. Juni 2012

Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland
Muse­ums­meile
Bonn Fried­rich-Ebert-Allee 4
53113 Bonn

Foto­buch zur Aus­stel­lung
Romy Schnei­der
Format ca. 17cm x 24 cm
118 Seiten mit ca. 90 Abbil­dun­gen
Muse­ums­aus­gabe: 11,90 Euro
 

 
(thoMas)