Grafik: Testlabor Anders UscholdFoto der SLT-A77 von Sony24 Mega­pi­xel auf einem APS-C-großen Sensor – das ist Best­marke. Aber kann das auch gut­ge­hen? Und falls das mit dem Sensor klappt – kann das Objek­tiv das leis­ten? Wir haben Sonys alpha 77 (SLT-A77V) samt Zoom­ob­jek­tiv DT 2,8/16–50 mm SSM (SAL1650) getes­tet:

 
Und, soviel sei vor­weg­ge­nom­men: Sony ist da ein großer Wurf gelun­gen.
 
 

Grafik – Geisterbild der SLT-A77 von Sony

 
Nach­dem wir zur Vor­stel­lung der Kamera Technik und Philosophie der alpha 77 dis­ku­tiert haben und dem auch bald einen Ersteindruck nach­rei­chen konn­ten, soll jetzt, noch bevor die Kamera im Handel ist, der gründ­li­che Test folgen.

Was die prak­ti­sche Hand­ha­bung der SLT-A77V angeht, so bleibt es bei den im August gewon­ne­nen Erkennt­nis­sen des Erstein­drucks (sehr gut ver­ar­bei­tet, liegt gut in der Hand, flott, …), wobei hier ergän­zend noch­mals auf die Bil­d­er­geb­nisse auf­merk­sam gemacht sei:
 

Foto: thoMas Foto: thoMas Foto: thoMas

Flott ist sie (8 B/s bei kon­ti­nu­ier­li­chem Auto­fo­kus) …
 
 
Foto: thoMas

… und belich­tet und zeich­net erstaun­lich gut: Die Auf­nahme ent­stand im Hoch­som­mer, im Süden, und das früh­nach­mit­tags bei hoch­ste­hen­der Sonne, und auch noch mit Motiv im Wasser (bei auto­ma­ti­scher Mehr­feld-Belich­tungs­mes­sung)

 
Auch, was den Sucher angeht, bleibt es bei der dama­li­gen Ein­schät­zung: Wirk­lich sehr gut. Für einen elek­tro­ni­schen Sucher – die Ein­schrän­kung muss sein, denn die besten opti­schen Sucher – etwa der her­vor­ra­gende der just aus der Pro­duk­tion genom­me­nen alpha 900 – sind immer noch sicht­lich besser. Aber die elek­tro­ni­schen sind auf dem Vor­mar­sch, sie werden immer besser, und sie bieten durch­aus Vor­teile. Neben den viel­fäl­ti­gen Anzeige- und Ein­blend­mög­lich­kei­ten (Gitter, Was­ser­waage, Schär­fein­di­ka­tor, Über­be­lich­tung, His­to­gramm …) zeigen sie das Bild in etwa so, wie es auf­ge­zeich­net wird, und nicht vor allem so, wie sich der Foto­graf wünscht bzw. denkt, dass es aus­se­hen möge (so hat es mal ein kluger Kol­lege ganz rich­tig for­mu­liert).

Wobei, das zeigen Dis­kus­sio­nen on- wie off­line, es wohl ins­be­son­ders der Sucher der alpha 77 ist, der die Mei­nun­gen ent­zweit. Eine „Optik-Frak­tion“ glaubt fest, das könne alles nichts sein und nichts werden. Da aber davon aus­zu­ge­hen ist, dass man­gels Anschau­ungs­ob­jekt (die SLT-A77V ist ja noch nicht im Handel) die aller­meis­ten bis­lang nur mut­ma­ßen, sei hier der Rat gege­ben, sich diesen Knack­punkt dann vor Ort anzu­schauen.
 

Foto der SLT-A77 mit Handgriff VG-C77AM von Sony    Foto der Rückseite der SLT-A77 mit Handgriff VG-C77AM von Sony

 
Doch nun zum Labor­test. Getes­tet wurde die SLT-A77 mit dem Zoom­ob­jek­tiv DT 2,8/16–50 SSM (SAL1650); die im Set 1899  Euro (UVP) kosten sollen.

Hin­weis: Die fol­gen­den Aus­sa­gen und Aus­wer­tun­gen bezie­hen sich auf die in der Kamera ent­wi­ckel­ten JPEG-Fotos – für RAW-Auf­nahme und –Ver­ar­bei­tung sind sie Anhalts­punkte, wobei die Werte dort etwas besser aus­fal­len können. Einige Hin­weise zur mög­li­chen Eig­nung der Fotos („… Repro­duk­tion …“) gelten des­halb nur (!) für die kame­rain­ter­nen JPEGs; nicht für selbst­en­wi­ckelte RAW-Dateien.

Digi­tale Revo­lu­tion und Evo­lu­tion

Die digi­tale Revo­lu­tion der Foto­gra­fie begann, als sich die Wie­der­gabe der Bilder von Papier und Pro­jek­tor auf Moni­tore ver­la­gerte (Bild­aus­gabe). Im zwei­ten Schritt wurde die Bil­der­fas­sung digi­tal; sie hat sich mitt­ler­weile in Form der Digi­tal­ka­me­ras eta­bliert (Bil­der­fas­sung). In einem drit­ten Schritt schickt sich die digi­tale Evo­lu­tion nun an, die letzte ana­loge Kom­po­nente im digi­ta­len Bild­schaf­fungs­pro­zess abzu­schaf­fen: die Bild­vor­schau vor der Auf­nahme, bzw. den Sucher. Wäh­rend Kom­pakt­ka­me­ras schon seit vielen Jahren elek­tro­ni­sche Sucher bieten, reichte deren Qua­li­tät lange nicht für hoch­wer­tige Sys­tem­ka­me­ras. Sony hat nun das dritte Kame­ra­mo­dell mit elek­tro­ni­schem Sucher und fest­ste­hen­dem, teil­durch­läs­si­gen Spie­gel her­aus­ge­bracht.

Die alpha 77 bewegt sich auf semi­pro­fes­sio­nel­lem bis pro­fes­sio­nel­lem Niveau und will höchste Anfor­de­run­gen bedie­nen. Wir wollen unter­su­chen, ob dieser letzte digi­tale Schritt in ein adäqua­tes Kame­ra­ge­häuse gebet­tet wurde.

Der Sensor

Erstaun­li­che 24 Mega­pi­xel hat die alpha 77 – und ist damit mit aktu­el­len pro­fes­sio­nel­len Spie­gel­re­flex­ka­me­ras im Klein­bild-Voll­for­mat (24x36 mm) auf Augen­höhe; wobei die Pixel hier auf knapp die Hälfte der Fläche, näm­lich auf einen klei­ne­ren APS-C-Sensor (ca. 15,6x23,4 mm) gepackt werden muss­ten. Des­halb steht einer­seits zu erwar­ten, dass die Kamera ernst­hafte Pro­bleme beim Signal-Rausch-Ver­hält­nis bekommt, und auch, dass die Beu­gungs­be­gren­zung die Auf­lö­sung beein­flusst. Ande­rer­seits haben Sen­sor­tech­no­lo­gie und Signal­ver­ar­bei­tung wäh­rend der ver­gan­ge­nen 10 Jahre erstaun­li­che Fort­schritte gemacht. Die span­nende Frage ist nun: Was über­wiegt, die Beschrän­kun­gen oder die Ver­bes­se­run­gen?
 

Grafik: Testlabor Anders Uschold

 
Der visu­elle Bild­ein­druck hängt von tech­ni­schen Aspek­ten und von der Bild­ba­lance ab. Die tonale Wie­der­gabe OECF (opto-elec­tro­nic con­ver­sion func­tion) zeigt eine moderne, sicht­lich ver­stärkte, inverse S-Form. Um plötz­li­che Signal­ab­brü­che zu ver­mei­den, sind die Lich­ter und Schat­ten ziem­lich weich gehal­ten, wohin­ge­gen die Bild­be­rei­che im Hel­lig­keits­be­reich von 60 bis 200 ver­stärk­ten Kon­trast zeigen. So werden die Fotos tonal kräf­tig; sie sind für die unmit­tel­bare Aus­gabe und das finale Ergeb­nis auf­be­rei­tet Presse-, Action- und Ama­teur­fo­to­gra­fen weden diesen kräf­ti­gen Cha­rak­ter mögen; für die tech­ni­sche Repro­duk­tion oder die Table-Top-Foto­gra­fie aller­dings sind die JPEGs aus der Kamera keine gute Wahl. Hier ist eine neu­tra­lere und genauere Abstim­mung ver­langt.

Vor­sicht ist bei ISO 50 gebo­ten. Der Kon­trast ist hier noch­mals höher, was deut­lich zeigt, dass der Sensor über­sät­tigt ist. Diese Emp­find­lich­keits­ein­stel­lung mag für Stu­dio­fo­to­gra­fen nütz­lich sein, deren Blitz­ge­räte nicht weit genug her­un­ter­ge­re­gelt werden können, und die bei Offen­blende foto­gra­fie­ren wollen. Ansons­ten soll­ten Sie diese Ein­stel­lung meiden.

Auch die Schär­fung neigt ein wenig zur star­ken Seite. Die Kan­ten­sym­me­trie ist gut, aber nicht per­fekt. Die hellen Kan­ten­sei­ten zeigen höhere Ver­stär­kung, die sich oft als weiße Geis­ter­li­nie bemerk­bar macht. Erfreu­li­cher­weise ist die Schär­fung nicht rich­tungs­ab­hän­gig. Kanten und Ränder zeigen in jeder Aus­rich­tung die­selbe Kan­ten­auf­be­rei­tung, die Bilder wirken homo­gen.
 

Grafik: Anders Uschold

ISO 50 – 100 – 200 – 400 – 800 – 1600 – 3200 – 6400 – 12.800 – 16.000

 
„Sein oder Nicht­s­ein“, das ist auch beim Rau­schen von 24 Mega­pi­xeln auf APS-C großem Sensor die Frage. Die Ant­wort ist ein klares „Sein“ (bzw. „Nicht­s­ein“, was das über­mä­ßige Rau­schen angeht): Sony beherrscht das Rau­schen erstaun­lich gut: bei ISO 50 und ISO 400 ist es extrem gering, was bei ISO 400 in her­aus­ra­gen­den Dyna­mik­wer­ten resul­tiert. Auch bei ISO 800 und ISO 1600 ist es noch sehr gering. Bis hier bleibt die Rausch­cha­rak­te­ris­tik sehr glatt und zeigt keine künst­li­chen Arte­fakte; trotz der bei diesen Auf­nah­men unzwei­fel­haft ver­stärk­ten Rau­sch­re­du­zie­rung. Die interne Rausch-Auf­be­rei­tung ändert sich von ISO 1600 zu ISO 3200 sicht­lich; das Rau­schen steigt deut­lich an. Bei ISO 12.800 und 16.000 schließ­lich zeigen sich auf­grund der ein­ge­setz­ten Rau­sch­re­du­zie­rung recht­eckige Rausch-Kom­pen­sa­ti­ons­mus­ter; was bei diesen sehr hohen Emp­find­lich­kei­ten auch zu erwar­ten ist.

Der Wech­sel der Rau­sch­re­du­zie­rungs-Stra­te­gie von den mitt­le­ren zu den hohen Emp­find­lich­kei­ten beein­flusst auch das Schat­ten­rau­schen. Zwi­schen ISO 50 und ISO 1600 wird das Rau­schen in den Schat­ten nur mode­rat gemin­dert und auch zwi­schen ISO 3200 bis ISO 16.000 ist die antei­lige Kom­pen­sa­tion des Schat­ten­rau­schens nicht über­mä­ßig. Diese Werte sind über­ra­schend und zeigen, dass Sony das Rau­schen nicht exzes­siv schön­rech­net, um – zu Lasten der Bild­ho­mo­ge­niät – bes­sere Test­werte zu erzie­len. Eine Stra­te­gie, die ehr­li­cher ist als die vieler Mitt­be­wer­ber.
 

Grafik: Testlabor Anders Uschold

 
Die Ein­gangs­dy­na­mik bewegt sich zwi­schen gut und exzel­lent und ist von ISO 50 bis ISO 1600 ziem­lich stabil. Das Ver­hält­nis zwi­schen Emp­find­lich­keit und Gesamt­leis­tung ist bei ISO 400 her­aus­ra­gend, was hohe Fle­xi­bi­li­tät bei Avail­able-Light-Auf­nah­men mit hohen Kon­tras­ten bedeu­tet. Ab ISO 3200 führt die bereits erwähnte Ent­schei­dung, auf die Schat­ten­si­gnale keinen über­mä­ßi­gen Wert zu legen, zu einem sicht­ba­ren Dyna­mik­ver­lust. Trotz­dem sind die Werte noch gut. Die Aus­gangs­dy­na­mik ist gut. Die Lich­ter errei­chen ein Maxi­mum von 255, das ist bei den meis­ten Kame­ras so, und die Schat­ten zeigen einen guten Schwar­zan­teil.

Die Wie­der­gabe feiner Details deutet auf ein dünnes Tief­pass­fil­ter hin: Einer­seits glät­tet die Kamera feine Linien und Struk­tu­ren nicht sicht­bar, wes­halb sich Arte­fakte in viel­fäl­ti­ger Form zeigen: Hel­lig­keits­moiré und Alia­sing bei dia­go­na­len Struk­tu­ren, leicht sicht­ba­res Farb­moiré bei ortho­go­na­len Struk­tu­ren, etwas weni­ger bei dia­go­na­len Struk­tu­ren. Ande­rer­seits werden feine Linien und Details nicht kon­trast­ver­stärkt. In der Summe läuft das, was die Detail­wie­der­gabe angeht, auf neu­trale, nicht zu inten­sive Bilder hinaus. Aus­ge­nom­men fein­ste Tex­tu­ren und Struk­tu­ren, die Arte­fakte auf­wei­sen können.

Sony DT 2,8/16–50 SSM

Pas­send zum semi­pro­fes­sio­nel­len Anspruch der Kamera wartet auch das Kit­ob­jek­tiv mit hohen Leis­tungs­da­ten auf. Das Sony DT 2,8/16–50 mm SSM ist ein licht­star­kes Stan­dard­zoom, das vom Weit­win­kel- bis in den leich­ten Tel­ebe­reich reicht.
 

Foto vom Sony DT 2,8/16-50 mm - SAL1650F28

 
Bei allen getes­te­ten Brenn­wei­ten­ein­stel­lun­gen zeigen sich bei Offen­blende ganz leichte Auf­lö­sungs­ver­luste; um eine Stufe abge­blen­det bringt es Spit­zen­leis­tung. Bei wei­te­rem Abblen­den bleibt die Auf­lö­sung bis Blende 8 weit­ge­hend erhal­ten. Ab Blende 11 dann wird die Auf­lö­sung sicht­lich durch die Beu­gung gemin­dert. Ins­ge­samt ermög­licht diese gleich­mä­ßige Leis­tung viel Fle­xi­bi­li­tät bei Wahl von Brenn­weite und Blende, ein wich­ti­ger Aspekt in der anspruchs­vol­len Foto­gra­fie.
 

Grafik: Testlabor Anders Uschold

 
Die Schär­fe­ver­tei­lung im Bild­feld hängt von der Zoom­ein­stel­lung ab. Im Weit­win­kel­be­reich ist ein kon­stan­ter Abfall von der Mitte zum Rand hin zu beob­ach­ten. Bei mitt­le­ren Brenn­wei­ten fallen die Rand­be­rei­che nur wenig ab; bei Tele­stel­lung dage­gen sehr stark. Inter­es­sant ist, dass eine Blen­den­än­de­rung keine so deut­li­chen Aus­wir­kun­gen zeigt. Das weist darauf hin, dass dieses Objek­tiv so kon­stru­iert wurde, dass es sehr gut mit den Sen­sor­spe­zi­fi­ka­tio­nen har­mo­niert. Es wurde wirk­lich für den digi­ta­len High-End-Ein­satz opti­miert.

In digi­ta­len Zeiten scheint es nur zu ein­fach und sehr wirt­schaft­lich, digi­tale Metho­den nicht nur für die Kame­ra­op­ti­mie­rung zu nutzen, son­dern damit auch an der Objek­tiv­leis­tung zu feilen. Das ist meiner Mei­nung nach aber ein gefähr­li­ches Spiel: Opti­sche Ver­zeich­nung und Vignet­tie­rung können so zwar auf den ersten Blick ein­fach kor­ri­giert werden. Aber auf den zwei­ten Blick aber zahlt man einen Preis durch den Ver­lust ande­rer Qua­li­täts­as­pekte. Ich ziehe es vor, wenn bei der Hard­ware gute Arbeit geleis­tet wird und die digi­tale Opti­mie­rung nur dem Fein­tu­ning dient.
 

Grafik: Testlabor Anders Uschold

 
Die opti­schen Werte zeigen, wo die Sony-Kon­struk­teure die Schwer­punkte gesetzt haben: im Weit­win­kel­be­reich ist die Ver­zeich­nung sehr stark (3,2 % Tonne), im mitt­le­ren Brenn­wei­ten­be­reich ist sie leicht ton­nen­för­mig und im Tel­ebe­reich ganz leicht kis­sen­för­mig. Dies macht deut­lich, dass Kamera- und Optik-Kon­struk­teure sich dafür ent­schie­den haben, die Leis­tungs­werte unan­ge­tas­tet (unbe­rech­net) zu lassen bzw. dass sie sich für die Kor­rek­tur per Optik-Kon­struk­tion ent­schie­den haben. Die Kom­pro­misse, die immer ein­zu­ge­hen sind, wurden hier sehr bewusst so gewählt, dass die Leis­tung des Zooms sehr kon­stant ist. Nach­tei­lig ist die ziem­lich hohe ton­nen­för­mige Ver­zeich­nung im Weit­win­kel­be­reich, aber im Gegen­zug wird eine bes­sere Mitte-zu-Rand-Aufllö­sung erzielt, die bei digi­ta­ler Soft­ware-Kor­rek­tur nahezu zwangs­läu­fig stär­ker abfällt. Das licht­starke DT 2,8/16–50 SSM ist damit sehr gut für die Repor­tage- und Avi­alable-Light-Foto­gra­fie geeig­net. Wer auch die ver­zeich­nungs­freie Weit­win­kel­fo­to­gra­fie betrei­ben will, dem emp­fiehlt sich eine Weit­win­kel-Fest­brenn­weite. Oder natür­lich die – qua­li­täts­min­dernde – Soft­ware­kor­rek­tur.
 

Grafik: Testlabor Anders Uschold

 
Die Rand­ab­schat­tung zeigt etwas andere Ergeb­nisse. Der Licht­ver­lust von Bild­mitte zu –rand ist ziem­lich gut für so ein licht­star­kes Objek­tiv. Bei Offen­blende ist der Hel­lig­keits­ab­fall in Weit­win­kel- und Tele­stel­lung sehr gleich­mä­ßig, in Mit­tel­po­si­tion zeigt sich eine plötz­li­che ein­set­zende Vignet­tie­rung. Abge­blen­det ver­bes­sert sich die Vignet­tie­rungs­cha­rak­te­ris­tik nicht allzu sehr, allein die Mit­tel­stel­lung pro­fi­tiert sicht­lich.

Das Rausch­ver­hal­ten von der Mitte zum Rand hin weist auf nach­träg­li­che Kor­rek­tur hin: im Weit­win­kel­be­reich steigt das Rau­schen um 90 % gegen­über der Bild­mitte; Abblen­den ver­bes­sert das. Bei den mitt­le­ren Brenn­wei­ten sind die Werte ab Offen­blende gut und bei den län­ge­ren zeigt sich nur bei Offen­blende eine leichte Zunahme.
 

Grafik: Testlabor Anders Uschold

 
Schließ­lich noch ein Wort zur „Geschwin­dig­keit“ des Objek­tivs. In unse­ren Tests brauchte die Scharf­stel­lung von Unend­lich bis Brust­bild-Größe durch­schnitt­lich 236 ms. Bei hellem Umge­bungs­licht war die Kamera schnel­ler als bei dunklem, und im Weit­win­kel- etwas schnel­ler als im Tel­ebe­reich. Doch in jedem Fall war sie erstaun­lich schnell; dies auch dank der SLT-Archi­tek­tur. Noch schnel­ler geht es bei Vor­fo­kus­sie­rung: nur ca. 56 ms Aus­lö­se­ver­zö­ge­rung. Auch dieser exzel­lente Wert ist mög­lich, weil die Kamera den teil­durch­läs­si­gen Spie­gel nicht bewe­gen muss.

Fazit

Eine moderne Kamera kann nie ganz per­fekt sein, da eine her­aus­ra­gende Eigen­schaft nor­ma­ler­weise mit Ein­bu­ßen in ande­ren Berei­chen ein­her­geht. Am besten, man strebt gar nicht erst nach iso­lier­ten Best­wer­ten, son­dern ver­mei­det die Aus­fälle. Gelingt es dann noch, ein paar sehr gute Werte zu errei­chen, dann hat das Modell beste Aus­sich­ten, ein großer Wurf zu werden.

Foto der SLT-A77 von Sony

So müssen und können die Schwä­chen der SLT-A77V im Inter­esse des bes­se­ren Gesamt-Bil­d­er­geb­nis­ses in Kauf genom­men werden. Das macht die Kamera zur geeig­ne­ten Wahl für die schnelle und bild-leben­dige Foto­gra­fie, schließt sie aber von der exak­ten Motiv­re­pro­duk­tion aus (wir reden hier vom JPEG). Ansons­ten ist die alpha 77 ein großer Wurf, leiden doch weder das Rau­schen noch die Dyna­mik unter der extrem hohen Pixel­in­te­gra­tion. Die Tech­no­lo­gie mit dem teil­durch­läs­si­gen Spie­gel und dem somit mög­li­chen Pha­sen­de­tek­ti­ons-Auto­fo­kus führt zu her­aus­ra­gen­den Werten, was Aus­lö­se­ver­zö­ge­rung und Seri­en­bild­ge­schwin­dig­keit angeht.

Schließ­lich erfüllt auch das DT 2,8/16–50 mm SSM die Anfor­de­run­gen sehr gut. Die Auf­lö­sung bleibt über die Zoom- und Blen­den­be­rei­che sehr gleich­mä­ßig. Der Auf­lö­sungs­ver­lust zu den Bild­rän­dern hin ist die Schwä­che dieses Objek­tivs, das war aber ange­sichts der hohen Auf­lö­sung der Kamera und der Licht­stärke des Objek­tivs zu erwar­ten. Die Vignet­tie­rung hat Sony gut in den Griff bekom­men. Bleibt die opti­sche Ver­zeich­nung, und die geht vor allem die an, die ver­zeich­nungs­freie Weit­win­kel­auf­nah­men wün­schen; in der Archi­tek­tur­fo­to­gra­fie etwa. Ansons­ten ist das Objek­tiv exzel­lent.

Mit der alpha 77 und auch mit dem DT 2,8/16–50 SSM beweist Sony ein­drück­lich, dass sie hoch­wer­tig, und mit rich­ti­gem Augen­maß für das Wünsch- und Mach­bare, kon­stru­ie­ren können. In der Summe ist die alpha 77 eine sehr aus­ge­wo­gene und höchst emp­feh­lens­werte Kamera, auch für den sehr ambi­tio­nier­ten Foto­gra­fen.

(Anders Uschold / thoMas)
 
 
Anmer­kung: Der Test-Teil basiert auf den Erfah­run­gen, Daten, Mes­sun­gen und Aus­füh­run­gen des Test­la­bors Anders Uschold. Dazu wurden ganz viele Mess­werte erfasst, aus­ge­wer­tet und bewer­tet. Auf die Abbil­dung aller Werte-Tabel­len, Aus­wer­tungs-Fotos und –Gra­fi­ken haben wir hier bewusst ver­zich­tet und erläu­tern Ihnen lieber, was diese Werte für die foto­gra­fi­sche Praxis bedeu­ten.

Pro­dukt­fo­tos: Sony
Bei­spiel­fo­tos: thoMas
Gra­fi­ken: Test­la­bor Anders Uschold
 

Nach­trag (12.10.2011): Der Sucher bewegt die Gemü­ter. Des­halb hier der Ver­such, ein paar wei­tere Ein­drü­cke zu schil­dern. Ich per­sön­lich fand ihn, das sei noch­mals gesagt, wirk­lich gut und kam auch gut damit zurecht. Mir war er auch im hellen Süden-Son­nen­schein um die Mit­tags­zeit hell genug, die Bild­be­ur­tei­lung war kein Pro­blem; auch bei flot­ten Moti­ven nicht. Ich hatte die Kamera aller­dings nur ein paar Stun­den in der Hand. Den­noch, grö­ßere „Nerv­fak­to­ren“ wären mir dann doch auf­ge­fal­len. Andere berich­ten von ande­ren Erfah­run­gen. So von einer merk­li­chen Ver­zö­ge­rung, von Motiv-Ver­wi­schun­gen; ja vom „dunk­len Sucherloch“. Hier scheint einer­seits Sony noch zu opti­mie­ren (die ersten Vor­se­ri­en­ex­em­plare waren wohl in Sucherhin­sicht wirk­lich noch „dunkle Löcher“), ande­rer­seits kommt es auf die Erwar­tungs­hal­tung an. An die ver­gleichs­weise sehr lange Dun­kel­phase einer Spie­gel­re­flex­ka­mera wäh­rend der Auf­nahme etwa schei­nen sich die meis­ten ja längst gewöhnt zu haben; das wird nur selten the­ma­ti­siert. Den­noch bleibt: so hell und klar wie gute opti­sche Sucher einer Klein­bild-Voll­for­mat­ka­mera ist der der alpha 77 nicht. Was aller­dings viele opti­sche Sucher von APS-C-Kame­ras angeht, da bin ich mir nicht so sicher, will mich aber man­gels direk­ten Ver­gleichs auch nicht zu weit vor­wa­gen. Die unter­schied­li­chen Anschau­un­gen zeigen aber: Letzt­lich wird sich dann doch jeder selbst in eige­ner Anschau­ung ein Urteil bilden müssen.

Noch etwas sei hier noch einmal auf­ge­grif­fen: Aus dem Gesag­ten und Getes­te­ten ergibt sich natür­lich auch, dass es schon guter Objek­tive bedarf, um die Leis­tung der alpha 77 auch abzu­bil­den. Das preis­wer­tere Kit mit dem 3,5–5,6/18–55 mm ist aus diesem Grund kei­nes­falls zu emp­feh­len – dieses Objek­tiv ist der Leis­tung der alpha 77 nicht annä­hernd gewach­sen.

Wei­ter­hin sei der Hin­weis gege­ben, dass bei der alpha 65 (SLT-A65), die den glei­chen Sensor und Bild­pro­zes­sor hat, aber etwas spar­ta­ni­scher aus­ge­stat­tet ist (Ver­gleich­s­ta­belle siehe hier: Sonys Mittelklasse, neu definiert: alpha 77 und alpha 65), durch­aus ähn­li­che bzw. ver­gleich­bare Bil­d­er­geb­nisse zu erwar­ten sind. Und natür­lich gilt auch bei ihr, dass das preis­wer­tere Kit­ob­jek­tiv 3,5–5,6/18–55 mm keine adäquate Wahl für diese Kamera ist.

Was die Firm­ware der Kamera angeht: Die „Schmuck­bil­der“ ent­stan­den mit Ver­sion 1.00. Ansons­ten schwei­gen wir hier lieber zu diver­sen Firm­ware-Ver­sio­nen und erzäh­len statt­des­sen etwas von Auf­lö­sung, Abbil­dungs­ei­gen­schaf­ten und Cha­rak­te­ris­ti­ken der Kamera, ver­su­chen Ent­wick­lun­gen, Ten­den­zen und Mög­lich­kei­ten auf­zu­zei­gen, auf dass Sie einen Ein­druck gewin­nen und sich ein eige­nes Urteil bilden können. Denn natür­lich kann sich mit einer neuen Firm­ware­ver­sion auch die Bild-Abstim­mung mehr oder weni­ger ändern. Was im Umkehr­schluss auch bedeu­tet: Im Grunde wird jeder Test, der sich allzu tief in die Pixel-Tiefen begibt, mit einer neuen Firm­ware mög­li­cher­weise hin­fäl­lig und müsste wie­der­holt werden. 89 Punkte, 83 %, Test-Karton-Bilder, Farb­wie­der­gabe, Rausch­ver­hal­ten – was da; die Firm­ware in Ver­sion 5.x kann die Gewich­tun­gen der Bild­ba­lance so ver­schie­ben, dass all das Schall und Rauch wird.

Darum bin ich auch ganz froh, dass hier nur rela­tiv wenige Zahlen, aber viele Ein­schät­zun­gen zu lesen sind (denen Sie wie­derum folgen, die Sie aber auch ver­wer­fen können).

Oder, wie Anders Uschold eben so schön for­mu­lierte: „Den Arti­kel bekom­men Sie zwar umsonst, aber Sie müssen ihn sich erar­bei­ten.“

(thoMas)
 

 
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