Grafik: Testlabor Anders UscholdFoto der SLT-A77 von Sony24 Megapixel auf einem APS-C-großen Sensor – das ist Bestmarke. Aber kann das auch gutgehen? Und falls das mit dem Sensor klappt – kann das Objektiv das leisten? Wir haben Sonys alpha 77 (SLT-A77V) samt Zoomobjektiv DT 2,8/16-50 mm SSM (SAL1650) getestet:

 
Und, soviel sei vorweggenommen: Sony ist da ein großer Wurf gelungen.
 
 

Grafik – Geisterbild der SLT-A77 von Sony

 
Nachdem wir zur Vorstellung der Kamera Technik und Philosophie der alpha 77 diskutiert haben und dem auch bald einen Ersteindruck nachreichen konnten, soll jetzt, noch bevor die Kamera im Handel ist, der gründliche Test folgen.

Was die praktische Handhabung der SLT-A77V angeht, so bleibt es bei den im August gewonnenen Erkenntnissen des Ersteindrucks (sehr gut verarbeitet, liegt gut in der Hand, flott, ...), wobei hier ergänzend nochmals auf die Bildergebnisse aufmerksam gemacht sei:
 

Foto: thoMas Foto: thoMas Foto: thoMas

Flott ist sie (8 B/s bei kontinuierlichem Autofokus) ...
 
 
Foto: thoMas

... und belichtet und zeichnet erstaunlich gut: Die Aufnahme entstand im Hochsommer, im Süden, und das frühnachmittags bei hochstehender Sonne, und auch noch mit Motiv im Wasser (bei automatischer Mehrfeld-Belichtungsmessung)

 
Auch, was den Sucher angeht, bleibt es bei der damaligen Einschätzung: Wirklich sehr gut. Für einen elektronischen Sucher – die Einschränkung muss sein, denn die besten optischen Sucher – etwa der hervorragende der just aus der Produktion genommenen alpha 900 – sind immer noch sichtlich besser. Aber die elektronischen sind auf dem Vormarsch, sie werden immer besser, und sie bieten durchaus Vorteile. Neben den vielfältigen Anzeige- und Einblendmöglichkeiten (Gitter, Wasserwaage, Schärfeindikator, Überbelichtung, Histogramm ...) zeigen sie das Bild in etwa so, wie es aufgezeichnet wird, und nicht vor allem so, wie sich der Fotograf wünscht bzw. denkt, dass es aussehen möge (so hat es mal ein kluger Kollege ganz richtig formuliert).

Wobei, das zeigen Diskussionen on- wie offline, es wohl insbesonders der Sucher der alpha 77 ist, der die Meinungen entzweit. Eine „Optik-Fraktion“ glaubt fest, das könne alles nichts sein und nichts werden. Da aber davon auszugehen ist, dass mangels Anschauungsobjekt (die SLT-A77V ist ja noch nicht im Handel) die allermeisten bislang nur mutmaßen, sei hier der Rat gegeben, sich diesen Knackpunkt dann vor Ort anzuschauen.
 

Foto der SLT-A77 mit Handgriff VG-C77AM von Sony    Foto der Rückseite der SLT-A77 mit Handgriff VG-C77AM von Sony

 
Doch nun zum Labortest. Getestet wurde die SLT-A77 mit dem Zoomobjektiv DT 2,8/16-50 SSM (SAL1650); die im Set 1899  Euro (UVP) kosten sollen.

Hinweis: Die folgenden Aussagen und Auswertungen beziehen sich auf die in der Kamera entwickelten JPEG-Fotos – für RAW-Aufnahme und -Verarbeitung sind sie Anhaltspunkte, wobei die Werte dort etwas besser ausfallen können. Einige Hinweise zur möglichen Eignung der Fotos („... Reproduktion ...“) gelten deshalb nur (!) für die kamerainternen JPEGs; nicht für selbstenwickelte RAW-Dateien.

Digitale Revolution und Evolution

Die digitale Revolution der Fotografie begann, als sich die Wiedergabe der Bilder von Papier und Projektor auf Monitore verlagerte (Bildausgabe). Im zweiten Schritt wurde die Bilderfassung digital; sie hat sich mittlerweile in Form der Digitalkameras etabliert (Bilderfassung). In einem dritten Schritt schickt sich die digitale Evolution nun an, die letzte analoge Komponente im digitalen Bildschaffungsprozess abzuschaffen: die Bildvorschau vor der Aufnahme, bzw. den Sucher. Während Kompaktkameras schon seit vielen Jahren elektronische Sucher bieten, reichte deren Qualität lange nicht für hochwertige Systemkameras. Sony hat nun das dritte Kameramodell mit elektronischem Sucher und feststehendem, teildurchlässigen Spiegel herausgebracht.

Die alpha 77 bewegt sich auf semiprofessionellem bis professionellem Niveau und will höchste Anforderungen bedienen. Wir wollen untersuchen, ob dieser letzte digitale Schritt in ein adäquates Kameragehäuse gebettet wurde.

Der Sensor

Erstaunliche 24 Megapixel hat die alpha 77 – und ist damit mit aktuellen professionellen Spiegelreflexkameras im Kleinbild-Vollformat (24x36 mm) auf Augenhöhe; wobei die Pixel hier auf knapp die Hälfte der Fläche, nämlich auf einen kleineren APS-C-Sensor (ca. 15,6x23,4 mm) gepackt werden mussten. Deshalb steht einerseits zu erwarten, dass die Kamera ernsthafte Probleme beim Signal-Rausch-Verhältnis bekommt, und auch, dass die Beugungsbegrenzung die Auflösung beeinflusst. Andererseits haben Sensortechnologie und Signalverarbeitung während der vergangenen 10 Jahre erstaunliche Fortschritte gemacht. Die spannende Frage ist nun: Was überwiegt, die Beschränkungen oder die Verbesserungen?
 

Grafik: Testlabor Anders Uschold

 
Der visuelle Bildeindruck hängt von technischen Aspekten und von der Bildbalance ab. Die tonale Wiedergabe OECF (opto-electronic conversion function) zeigt eine moderne, sichtlich verstärkte, inverse S-Form. Um plötzliche Signalabbrüche zu vermeiden, sind die Lichter und Schatten ziemlich weich gehalten, wohingegen die Bildbereiche im Helligkeitsbereich von 60 bis 200 verstärkten Kontrast zeigen. So werden die Fotos tonal kräftig; sie sind für die unmittelbare Ausgabe und das finale Ergebnis aufbereitet Presse-, Action- und Amateurfotografen weden diesen kräftigen Charakter mögen; für die technische Reproduktion oder die Table-Top-Fotografie allerdings sind die JPEGs aus der Kamera keine gute Wahl. Hier ist eine neutralere und genauere Abstimmung verlangt.

Vorsicht ist bei ISO 50 geboten. Der Kontrast ist hier nochmals höher, was deutlich zeigt, dass der Sensor übersättigt ist. Diese Empfindlichkeitseinstellung mag für Studiofotografen nützlich sein, deren Blitzgeräte nicht weit genug heruntergeregelt werden können, und die bei Offenblende fotografieren wollen. Ansonsten sollten Sie diese Einstellung meiden.

Auch die Schärfung neigt ein wenig zur starken Seite. Die Kantensymmetrie ist gut, aber nicht perfekt. Die hellen Kantenseiten zeigen höhere Verstärkung, die sich oft als weiße Geisterlinie bemerkbar macht. Erfreulicherweise ist die Schärfung nicht richtungsabhängig. Kanten und Ränder zeigen in jeder Ausrichtung dieselbe Kantenaufbereitung, die Bilder wirken homogen.
 

Grafik: Anders Uschold

ISO 50 - 100 - 200 - 400 - 800 - 1600 - 3200 - 6400 - 12.800 - 16.000

 
„Sein oder Nichtsein“, das ist auch beim Rauschen von 24 Megapixeln auf APS-C großem Sensor die Frage. Die Antwort ist ein klares „Sein“ (bzw. „Nichtsein“, was das übermäßige Rauschen angeht): Sony beherrscht das Rauschen erstaunlich gut: bei ISO 50 und ISO 400 ist es extrem gering, was bei ISO 400 in herausragenden Dynamikwerten resultiert. Auch bei ISO 800 und ISO 1600 ist es noch sehr gering. Bis hier bleibt die Rauschcharakteristik sehr glatt und zeigt keine künstlichen Artefakte; trotz der bei diesen Aufnahmen unzweifelhaft verstärkten Rauschreduzierung. Die interne Rausch-Aufbereitung ändert sich von ISO 1600 zu ISO 3200 sichtlich; das Rauschen steigt deutlich an. Bei ISO 12.800 und 16.000 schließlich zeigen sich aufgrund der eingesetzten Rauschreduzierung rechteckige Rausch-Kompensationsmuster; was bei diesen sehr hohen Empfindlichkeiten auch zu erwarten ist.

Der Wechsel der Rauschreduzierungs-Strategie von den mittleren zu den hohen Empfindlichkeiten beeinflusst auch das Schattenrauschen. Zwischen ISO 50 und ISO 1600 wird das Rauschen in den Schatten nur moderat gemindert und auch zwischen ISO 3200 bis ISO 16.000 ist die anteilige Kompensation des Schattenrauschens nicht übermäßig. Diese Werte sind überraschend und zeigen, dass Sony das Rauschen nicht exzessiv schönrechnet, um – zu Lasten der Bildhomogeniät – bessere Testwerte zu erzielen. Eine Strategie, die ehrlicher ist als die vieler Mittbewerber.
 

Grafik: Testlabor Anders Uschold

 
Die Eingangsdynamik bewegt sich zwischen gut und exzellent und ist von ISO 50 bis ISO 1600 ziemlich stabil. Das Verhältnis zwischen Empfindlichkeit und Gesamtleistung ist bei ISO 400 herausragend, was hohe Flexibilität bei Available-Light-Aufnahmen mit hohen Kontrasten bedeutet. Ab ISO 3200 führt die bereits erwähnte Entscheidung, auf die Schattensignale keinen übermäßigen Wert zu legen, zu einem sichtbaren Dynamikverlust. Trotzdem sind die Werte noch gut. Die Ausgangsdynamik ist gut. Die Lichter erreichen ein Maximum von 255, das ist bei den meisten Kameras so, und die Schatten zeigen einen guten Schwarzanteil.

Die Wiedergabe feiner Details deutet auf ein dünnes Tiefpassfilter hin: Einerseits glättet die Kamera feine Linien und Strukturen nicht sichtbar, weshalb sich Artefakte in vielfältiger Form zeigen: Helligkeitsmoiré und Aliasing bei diagonalen Strukturen, leicht sichtbares Farbmoiré bei orthogonalen Strukturen, etwas weniger bei diagonalen Strukturen. Andererseits werden feine Linien und Details nicht kontrastverstärkt. In der Summe läuft das, was die Detailwiedergabe angeht, auf neutrale, nicht zu intensive Bilder hinaus. Ausgenommen feinste Texturen und Strukturen, die Artefakte aufweisen können.

Sony DT 2,8/16-50 SSM

Passend zum semiprofessionellen Anspruch der Kamera wartet auch das Kitobjektiv mit hohen Leistungsdaten auf. Das Sony DT 2,8/16-50 mm SSM ist ein lichtstarkes Standardzoom, das vom Weitwinkel- bis in den leichten Telebereich reicht.
 

Foto vom Sony DT 2,8/16-50 mm - SAL1650F28

 
Bei allen getesteten Brennweiteneinstellungen zeigen sich bei Offenblende ganz leichte Auflösungsverluste; um eine Stufe abgeblendet bringt es Spitzenleistung. Bei weiterem Abblenden bleibt die Auflösung bis Blende 8 weitgehend erhalten. Ab Blende 11 dann wird die Auflösung sichtlich durch die Beugung gemindert. Insgesamt ermöglicht diese gleichmäßige Leistung viel Flexibilität bei Wahl von Brennweite und Blende, ein wichtiger Aspekt in der anspruchsvollen Fotografie.
 

Grafik: Testlabor Anders Uschold

 
Die Schärfeverteilung im Bildfeld hängt von der Zoomeinstellung ab. Im Weitwinkelbereich ist ein konstanter Abfall von der Mitte zum Rand hin zu beobachten. Bei mittleren Brennweiten fallen die Randbereiche nur wenig ab; bei Telestellung dagegen sehr stark. Interessant ist, dass eine Blendenänderung keine so deutlichen Auswirkungen zeigt. Das weist darauf hin, dass dieses Objektiv so konstruiert wurde, dass es sehr gut mit den Sensorspezifikationen harmoniert. Es wurde wirklich für den digitalen High-End-Einsatz optimiert.

In digitalen Zeiten scheint es nur zu einfach und sehr wirtschaftlich, digitale Methoden nicht nur für die Kameraoptimierung zu nutzen, sondern damit auch an der Objektivleistung zu feilen. Das ist meiner Meinung nach aber ein gefährliches Spiel: Optische Verzeichnung und Vignettierung können so zwar auf den ersten Blick einfach korrigiert werden. Aber auf den zweiten Blick aber zahlt man einen Preis durch den Verlust anderer Qualitätsaspekte. Ich ziehe es vor, wenn bei der Hardware gute Arbeit geleistet wird und die digitale Optimierung nur dem Feintuning dient.
 

Grafik: Testlabor Anders Uschold

 
Die optischen Werte zeigen, wo die Sony-Konstrukteure die Schwerpunkte gesetzt haben: im Weitwinkelbereich ist die Verzeichnung sehr stark (3,2 % Tonne), im mittleren Brennweitenbereich ist sie leicht tonnenförmig und im Telebereich ganz leicht kissenförmig. Dies macht deutlich, dass Kamera- und Optik-Konstrukteure sich dafür entschieden haben, die Leistungswerte unangetastet (unberechnet) zu lassen bzw. dass sie sich für die Korrektur per Optik-Konstruktion entschieden haben. Die Kompromisse, die immer einzugehen sind, wurden hier sehr bewusst so gewählt, dass die Leistung des Zooms sehr konstant ist. Nachteilig ist die ziemlich hohe tonnenförmige Verzeichnung im Weitwinkelbereich, aber im Gegenzug wird eine bessere Mitte-zu-Rand-Aufllösung erzielt, die bei digitaler Software-Korrektur nahezu zwangsläufig stärker abfällt. Das lichtstarke DT 2,8/16-50 SSM ist damit sehr gut für die Reportage- und Avialable-Light-Fotografie geeignet. Wer auch die verzeichnungsfreie Weitwinkelfotografie betreiben will, dem empfiehlt sich eine Weitwinkel-Festbrennweite. Oder natürlich die – qualitätsmindernde – Softwarekorrektur.
 

Grafik: Testlabor Anders Uschold

 
Die Randabschattung zeigt etwas andere Ergebnisse. Der Lichtverlust von Bildmitte zu -rand ist ziemlich gut für so ein lichtstarkes Objektiv. Bei Offenblende ist der Helligkeitsabfall in Weitwinkel- und Telestellung sehr gleichmäßig, in Mittelposition zeigt sich eine plötzliche einsetzende Vignettierung. Abgeblendet verbessert sich die Vignettierungscharakteristik nicht allzu sehr, allein die Mittelstellung profitiert sichtlich.

Das Rauschverhalten von der Mitte zum Rand hin weist auf nachträgliche Korrektur hin: im Weitwinkelbereich steigt das Rauschen um 90 % gegenüber der Bildmitte; Abblenden verbessert das. Bei den mittleren Brennweiten sind die Werte ab Offenblende gut und bei den längeren zeigt sich nur bei Offenblende eine leichte Zunahme.
 

Grafik: Testlabor Anders Uschold

 
Schließlich noch ein Wort zur „Geschwindigkeit“ des Objektivs. In unseren Tests brauchte die Scharfstellung von Unendlich bis Brustbild-Größe durchschnittlich 236 ms. Bei hellem Umgebungslicht war die Kamera schneller als bei dunklem, und im Weitwinkel- etwas schneller als im Telebereich. Doch in jedem Fall war sie erstaunlich schnell; dies auch dank der SLT-Architektur. Noch schneller geht es bei Vorfokussierung: nur ca. 56 ms Auslöseverzögerung. Auch dieser exzellente Wert ist möglich, weil die Kamera den teildurchlässigen Spiegel nicht bewegen muss.

Fazit

Eine moderne Kamera kann nie ganz perfekt sein, da eine herausragende Eigenschaft normalerweise mit Einbußen in anderen Bereichen einhergeht. Am besten, man strebt gar nicht erst nach isolierten Bestwerten, sondern vermeidet die Ausfälle. Gelingt es dann noch, ein paar sehr gute Werte zu erreichen, dann hat das Modell beste Aussichten, ein großer Wurf zu werden.

Foto der SLT-A77 von Sony

So müssen und können die Schwächen der SLT-A77V im Interesse des besseren Gesamt-Bildergebnisses in Kauf genommen werden. Das macht die Kamera zur geeigneten Wahl für die schnelle und bild-lebendige Fotografie, schließt sie aber von der exakten Motivreproduktion aus (wir reden hier vom JPEG). Ansonsten ist die alpha 77 ein großer Wurf, leiden doch weder das Rauschen noch die Dynamik unter der extrem hohen Pixelintegration. Die Technologie mit dem teildurchlässigen Spiegel und dem somit möglichen Phasendetektions-Autofokus führt zu herausragenden Werten, was Auslöseverzögerung und Serienbildgeschwindigkeit angeht.

Schließlich erfüllt auch das DT 2,8/16-50 mm SSM die Anforderungen sehr gut. Die Auflösung bleibt über die Zoom- und Blendenbereiche sehr gleichmäßig. Der Auflösungsverlust zu den Bildrändern hin ist die Schwäche dieses Objektivs, das war aber angesichts der hohen Auflösung der Kamera und der Lichtstärke des Objektivs zu erwarten. Die Vignettierung hat Sony gut in den Griff bekommen. Bleibt die optische Verzeichnung, und die geht vor allem die an, die verzeichnungsfreie Weitwinkelaufnahmen wünschen; in der Architekturfotografie etwa. Ansonsten ist das Objektiv exzellent.

Mit der alpha 77 und auch mit dem DT 2,8/16-50 SSM beweist Sony eindrücklich, dass sie hochwertig, und mit richtigem Augenmaß für das Wünsch- und Machbare, konstruieren können. In der Summe ist die alpha 77 eine sehr ausgewogene und höchst empfehlenswerte Kamera, auch für den sehr ambitionierten Fotografen.

(Anders Uschold / thoMas)
 
 
Anmerkung: Der Test-Teil basiert auf den Erfahrungen, Daten, Messungen und Ausführungen des Testlabors Anders Uschold. Dazu wurden ganz viele Messwerte erfasst, ausgewertet und bewertet. Auf die Abbildung aller Werte-Tabellen, Auswertungs-Fotos und -Grafiken haben wir hier bewusst verzichtet und erläutern Ihnen lieber, was diese Werte für die fotografische Praxis bedeuten.

Produktfotos: Sony
Beispielfotos: thoMas
Grafiken: Testlabor Anders Uschold
 

Nachtrag (12.10.2011): Der Sucher bewegt die Gemüter. Deshalb hier der Versuch, ein paar weitere Eindrücke zu schildern. Ich persönlich fand ihn, das sei nochmals gesagt, wirklich gut und kam auch gut damit zurecht. Mir war er auch im hellen Süden-Sonnenschein um die Mittagszeit hell genug, die Bildbeurteilung war kein Problem; auch bei flotten Motiven nicht. Ich hatte die Kamera allerdings nur ein paar Stunden in der Hand. Dennoch, größere „Nervfaktoren“ wären mir dann doch aufgefallen. Andere berichten von anderen Erfahrungen. So von einer merklichen Verzögerung, von Motiv-Verwischungen; ja vom „dunklen Sucherloch“. Hier scheint einerseits Sony noch zu optimieren (die ersten Vorserienexemplare waren wohl in Sucherhinsicht wirklich noch „dunkle Löcher“), andererseits kommt es auf die Erwartungshaltung an. An die vergleichsweise sehr lange Dunkelphase einer Spiegelreflexkamera während der Aufnahme etwa scheinen sich die meisten ja längst gewöhnt zu haben; das wird nur selten thematisiert. Dennoch bleibt: so hell und klar wie gute optische Sucher einer Kleinbild-Vollformatkamera ist der der alpha 77 nicht. Was allerdings viele optische Sucher von APS-C-Kameras angeht, da bin ich mir nicht so sicher, will mich aber mangels direkten Vergleichs auch nicht zu weit vorwagen. Die unterschiedlichen Anschauungen zeigen aber: Letztlich wird sich dann doch jeder selbst in eigener Anschauung ein Urteil bilden müssen.

Noch etwas sei hier noch einmal aufgegriffen: Aus dem Gesagten und Getesteten ergibt sich natürlich auch, dass es schon guter Objektive bedarf, um die Leistung der alpha 77 auch abzubilden. Das preiswertere Kit mit dem 3,5-5,6/18-55 mm ist aus diesem Grund keinesfalls zu empfehlen – dieses Objektiv ist der Leistung der alpha 77 nicht annähernd gewachsen.

Weiterhin sei der Hinweis gegeben, dass bei der alpha 65 (SLT-A65), die den gleichen Sensor und Bildprozessor hat, aber etwas spartanischer ausgestattet ist (Vergleichstabelle siehe hier: Sonys Mittelklasse, neu definiert: alpha 77 und alpha 65), durchaus ähnliche bzw. vergleichbare Bildergebnisse zu erwarten sind. Und natürlich gilt auch bei ihr, dass das preiswertere Kitobjektiv 3,5-5,6/18-55 mm keine adäquate Wahl für diese Kamera ist.

Was die Firmware der Kamera angeht: Die „Schmuckbilder“ entstanden mit Version 1.00. Ansonsten schweigen wir hier lieber zu diversen Firmware-Versionen und erzählen stattdessen etwas von Auflösung, Abbildungseigenschaften und Charakteristiken der Kamera, versuchen Entwicklungen, Tendenzen und Möglichkeiten aufzuzeigen, auf dass Sie einen Eindruck gewinnen und sich ein eigenes Urteil bilden können. Denn natürlich kann sich mit einer neuen Firmwareversion auch die Bild-Abstimmung mehr oder weniger ändern. Was im Umkehrschluss auch bedeutet: Im Grunde wird jeder Test, der sich allzu tief in die Pixel-Tiefen begibt, mit einer neuen Firmware möglicherweise hinfällig und müsste wiederholt werden. 89 Punkte, 83 %, Test-Karton-Bilder, Farbwiedergabe, Rauschverhalten – was da; die Firmware in Version 5.x kann die Gewichtungen der Bildbalance so verschieben, dass all das Schall und Rauch wird.

Darum bin ich auch ganz froh, dass hier nur relativ wenige Zahlen, aber viele Einschätzungen zu lesen sind (denen Sie wiederum folgen, die Sie aber auch verwerfen können).

Oder, wie Anders Uschold eben so schön formulierte: „Den Artikel bekommen Sie zwar umsonst, aber Sie müssen ihn sich erarbeiten.“

(thoMas)
 

 
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