Grafik: Testlabor UscholdFoto von IQ180 und 645DF von Phase OneDas Digi­tal­rück­teil IQ180 von Phase One hat einen Sensor mit impo­nie­ren­den 80 Mega­pi­xeln – und ein impo­nie­ren­des Preis­schild. Es gehört – auf dem Papier – zum abso­lut Besten, was es heute im Digi­ta­len zu kaufen gibt. Wir haben uns ange­se­hen, ob die Papier­form in Test und Praxis halten kann, was sie ver­heißt:

 
 
 

Foto: thoMas

2,8/110 mm, ISO 100, Blende 2,8, 1/160 s

 
Zum Test hatten wir fol­gende Kon­fi­gu­ra­tion zur Ver­fü­gung:

• Phase One IQ180 Digi­tal­rück­teil, 645DF-Kame­ra­ge­häuse und Schnei­der Kreuz­nach 2,8/80 mm LS AF (Set­preis 36.990,- netto)
• Schnei­der Kreuz­nach 2,8/55 mm LS AF (2.990,- netto)
• Schnei­der Kreuz­nach 2,8/110 mm LS AF (3.290,- netto)

Was auf einen Brutto-Gesamt­preis von sehr gut 50.000 Euro hin­aus­läuft.

Gegen­über dem rund 10.000 Euro preis­wer­te­ren Rück­teil Leaf Aptus-II 12 mit eben­falls 80 Mega­pi­xeln (Leaf ist eine Phase-One-Toch­ter) ist das IQ180 das „moder­nere“, so Phase One, das dem Aptus-II 12 u.a. die USB-3-Schnitt­stelle und den großen Touch­screen voraus hat und mit Sensor+ die Mög­lich­keit bietet, die Auf­lö­sung zu vier­teln und dann mit bis zu ISO 3200 zu foto­gra­fie­ren. Was vor allem vor Ort und bei beweg­ten Moti­ven schon nütz­lich sein kann: besser ein schar­fes Foto mit 20 Mega­pi­xeln als ein unschar­fes oder gar keins. Wobei die qua­li­ta­tiv deut­lich bes­sere Alter­na­tive ganz klar die Auf­nahme mit gerin­ge­rer Emp­find­lich­keit ist.
 

Screenshot: thoMas

Wovon wir reden bzw. was 80 Mega­pi­xel an zusätz­li­chen Details zeigen können: Links das gesamte Motiv, rechts davon dann eine 12-, eine 24- und eine 80-Mega­pi­xel-Auf­nahme im jeweils glei­chen Dar­stel­lungs-Maß­stab (im Ori­gi­nal 100 %)

 
Gehäuse

Fangen wir mit dem an, was ich nicht so gelun­gen finde bzw. was mir nicht so liegt. Da ist zunächst das Gehäuse der 645DF: Sehr strom­li­ni­en­för­mig, aber doch nicht sehr gut zu grei­fen. Der Hand­griff V-Grip Air könnte da helfen.

Foto der 645DF von Phase One

Mir fehlt auch ein Licht­schacht bzw. die Mög­lich­keit des Sucherwech­sels. Mag einer­seits sein, weil ich das seit Jahr­zehn­ten so gewohnt bin und mich nur schwer umge­wöhne. Ande­rer­seits ist mir auch in der kurzen Zeit, die ich mit dem IQ180 foto­gra­fie­ren konnte, immer wieder auf­ge­fal­len, dass es doch in vielen Auf­nah­me­si­tua­tio­nen hilf­reich wäre, wenn der Sucher nicht starr nach hinten weg­ge­führt wäre, son­dern wenn ich, bei­spiels­weise für Auf­nah­men in Boden­nähe, auf dem Stativ, oder über Kopf, einen Licht­schacht nutzen könnte (oder wenigs­tens einen schwenk­ba­ren Moni­tor hätte). So habe ich also die ein oder andere Auf­nahme, die nicht direkt in Augen­höhe ent­ste­hen sollte, erst­mal „im Blind­flug“ gemacht und dann nach­träg­lich anhand der Bild-Vor­schau auf dem Moni­tor des IQ180 über­prüft, ob der Bild­aus­schnitt eini­ger­ma­ßen stimmt. Will heißen, es geht, aber für die Bild­kom­po­si­tion wäre mir ein Licht­schacht lieber.

Neben­bei: dieser Ein­wand gilt leider für alle moder­nen Mit­tel­for­mat­kon­zepte, auch die von Has­sel­b­lad, Leica und Pentax: Licht­schacht und Wech­sel­su­cher, das war einmal. Der berühmte Has­sel­b­lad-Würfel, an dem buch­stäb­lich an jeder Seite etwas ange­flanscht werden konnte (Objek­tiv, Sucher, Maga­zin, Stativ, …) und der nicht ohne Grund von ande­ren auf­ge­grif­fen (bzw. kopiert) wurde, ist Geschichte.

Ganz ungüns­tig liegt für mein Emp­fin­den die Bajo­nett-Mar­kie­rung fürs Anset­zen der Objek­tive; näm­lich rechts unten (von hinten gese­hen; siehe Abbil­dung links). Was wie­derum bedeu­tet, dass ich die Kamera kom­plett nach hinten kippen und / oder drehen muss, damit ich die beiden weißen Abgleich-Punkte an Kamera und Objek­tiv sehe und das Objek­tiv anset­zen kann. Dabei wäre es eine Klei­nig­keit, diese Ansetz-Mar­kie­rung rechts oder links oben anzu­brin­gen (wie es viele andere tun). Das hat den Vor­teil, dass die Mar­kie­rung schon nach einem leich­ten Kippen oder Drehen zu sehen ist – das Objek­tiv ist im Nu ange­setzt. Eine Klei­nig­keit, gewiss, und man mag sich daran gewöh­nen. Ich aber emp­fand den Objek­tiv­wech­sel als unnö­tig umständ­lich und zeit­rau­bend.

Unta­de­lig hin­ge­gen ist die 645DF, was die inne­ren Werte angeht. Eine schnellste Belich­tungs­zei­ten von 1/4000 s, das ist schon beein­dru­ckend und es kommt in der Praxis durch­aus vor, dass sie hilf­reich ist und genutzt wird. Mehr zu den inne­ren Werten hier und hier.

Als aus­ge­zeich­net erwies sich auch der Auto­fo­kus: Schnel­lig­keit ist zwar nicht so seine Sache, und kon­tras­t­arme Motive mag er auch nicht son­der­lich (woge­gen ein leich­tes Abkip­pen der Kamera auf ein kon­trast­rei­che­res Bild­de­tail hilft), aber er ist für eine Mit­tel­for­mat­ka­mera aus­rei­chend flott und vor allen Dingen sehr genau. Die Schärfe sitzt auf den Punkt.
 

Foto: thoMas

2,8/110 mm, ISO 100, Blende 8, 1/250 s

 
Objek­tive

Foto der Schneider-Kreuznach-Objektive 2,8/55 mm, 2,8/80 mm und 2,8/110 mm

Echte Sah­ne­stück­chen sind die drei Schnei­der-Kreuz­nach-Objek­tive 2,8/55 mm, 2,8/80 mm und 2,8/110 mm, die mir zur Ver­fü­gung stan­den. Alle drei sind mit Zen­tral­ver­schluss aus­ge­rüs­tet und werden nach Rech­nun­gen und Vor­ga­ben von Schnei­der Kreuz­nach in den Fer­ti­gungs­an­la­gen von Mamiya in Japan gefer­tigt. Aber hier ist der „Schnei­der Kreuznach“-Schriftzug kein Eti­ket­ten­schwin­del: Mit diesen Objek­ti­ven zeigen die Bad Kreuz­nacher ein­drück­lich, dass sie wirk­lich was können (wenn sie nur wollen). Wobei die Anfor­de­run­gen an die Objek­tive extrem hoch sind: Das ein­zelne Pixel beim IQ180 ist ca. 5,2 µ groß und damit sogar klei­ner als bei den 24-MP-Klein­bild­ka­me­ras (ca. 6 µ) – siehe dazu auch die Anmer­kun­gen weiter unten. Was im Umkehr­schluss heißt, dass das Mit­tel­for­mat­ob­jek­tiv sogar etwas besser auf­lö­sen muss als ein Klein­bild­ob­jek­tiv, wenn die Sensor-Auf­lö­sung des IQ180 sich auch im Foto wie­der­fin­den soll.

Die „ana­loge Schon­zeit“ ist vorbei.

Beim Film ging man noch davon aus, dass ein Mit­tel­for­mat­ob­jek­tiv nicht so hoch auf­lö­sen muss wie ein Klein­bild­ob­jek­tiv, da ja das Auf­nah­me­for­mat viel größer und mithin die not­we­nige Nach­ver­grö­ße­rung ent­spre­chend gerin­ger ist. Das stimmt theo­re­ti­sch auch heute im Digi­ta­len noch; prak­ti­sch aber inves­tiere ich nicht in ein 80-Mega­pi­xel-Rück­teil, wenn das Objek­tiv diese Auf­lö­sung gar nicht abbil­den kann. Sprich, das IQ180 macht nur dann Sinn, wenn sich dessen Leis­tung auch auf dem Foto wie­der­fin­det.

Neben­be­mer­kung: es gibt auch Mit­tel­for­mat­ob­jek­tive, die schon fürs Digi­tale gerech­net sind und die doch schon bei 24 Mega­pi­xeln ihre Gren­zen errei­chen. Selbst ein 40er oder 60er Rück­teil über­for­dert das Objek­tiv dann bereits deut­lich.

Dieses Pro­blem haben die Schnei­der-Kreuz­nach-Objek­tive kei­nes­falls. Test-Tafel-getes­tet haben wir das 2,8/80 mm (siehe unten). Die beiden ande­ren Objek­tive, das 2,8/55 mm und das 2,8/110 mm von Schnei­der Kreuz­nach, wurden visu­ell beur­teilt und hin­ter­las­sen einen ähn­lich her­vor­ra­gen­den Ein­druck.

Foto vom IQ180 von Phase One

Das Rück­teil

Das IQ180 (Tech­ni­sche Daten siehe IQ-Digitalrückteile mit 40, 60 und 80 MP von Phase One) ist mit einem Voll­for­mat-Sensor von Dalsa aus­ge­stat­tet, wobei dabei laut Phase One Tech­no­lo­gien zum Ein­satz kommen, die von Phase One ent­wi­ckelt und paten­tiert wurden. Der Voll­for­mat­sen­sor ist tat­säch­lich ein Ver­bund aus vier Ein­zel­sen­so­ren. „Voll­for­mat-Sensor“ des­halb, weil er das volle Format 4,5x6 abdeckt. Beim IQ180-Sensor wurden 10.328x7.760 Pixel (= 80 Mega­pi­xel) auf eine Fläche von 53,9x40,4 mm gepackt (das ana­loge Nenn­for­mat 4,5x6 hatte eine effek­tive Belich­tungs­flä­che von 41,5x55 mm).

(Anmer­kung: Ein Sensor ist nach meinen Ver­ständ­nis dann „voll­for­ma­tig“, wenn Kamera, Objek­tive und Auf­nah­me­for­mat auf­ein­an­der abge­stimmt bzw. für­ein­an­der ent­wi­ckelt sind; wenn Bajo­nett- und Kameraab­mes­sun­gen und Auf­la­ge­maß etc. zuein­an­der passen. (Micro)FourThirds ist dem­nach ein ast­rei­nes Voll­for­mat, NX und NEX auch, und Klein­bild auch. APS-C hin­ge­gen nicht, denn hier wurde ein klei­ne­rer Sensor in eine Kon­struk­tion gepackt, die ganz klar fürs grö­ßere Klein­bild­for­mat kon­stru­iert wurde.)

Kurz­cha­rak­te­ris­tik: Sehr hohe Auf­lö­sung, die dank der her­vor­ra­gen­den Objek­tive auch dar­stell­bar ist. Die Farb-Ent­wick­lung in Cap­ture One ist nach meinem Ein­druck her­vor­ra­gend, wobei Farbe letzt­lich eine sehr sub­jek­tive Ange­le­gen­heit ist, Cap­ture One aber alle Mög­lich­kei­ten bereit­hält, auf die eige­nen Farb­wün­sche hin zu opti­mie­ren.
 

Screen: thoMas

Auto­ma­ti­sche Tra­pez­kor­rek­tur: Links das Ori­gi­nal, rechts mit auto­ma­ti­scher Tra­pez­kor­rek­tur und Anzeige der beschnit­te­nen Berei­che

 
Für mich ist einer der Höhe­punkte, was die Aus­stat­tung des IQ180 angeht, der inte­grierte Gyro-Sensor. Ein Detail, von dem ich vorher nicht geglaubt hätte, dass ich das brau­che, und das ich dann so gern genutzt habe wie sonst keine andere Zugabe. Phase One hat das aber auch über­aus pfif­fig gelöst: Im Pro­gramm Cap­ture One gibt es einen klei­nen unschein­ba­ren Knopf „A“ (Auto­ma­ti­sche Anpas­sung Tra­pez­kor­rek­tur) und wenn der gedrückt wird, liest das Pro­gramm die Daten des Gyro­sen­sors, also die Lage des Rück­teils zum Zeit­punkt der Auf­nahme, und per­spek­tiv-kor­ri­giert das Foto umge­hend mathe­ma­ti­sch exakt. Das ist nicht nur bei Archi­tek­tur­auf­nah­men hilf­reich, son­dern ganz beson­ders auch bei all jenen Auf­nah­men, denen gerade Linien abge­hen: Land­schaf­ten, Blumen, Fla­kons, usw.

Apro­pos Cap­ture One: Dazu gibt es nicht viel zu sagen, bzw. das wäre in einem eige­nen Test besser auf­ge­ho­ben, so umfang­reich und leis­tungs­fä­hig ist das Pro­gramm. Was es aller­dings an dieser Stelle zu sagen gibt: Das work­flow-basierte Ent­wick­lungs­pro­gramm ist auch bei den beacht­li­chen Daten­men­gen des IQ180 erstaun­lich flott – die Rechen­schritte (Laden, Lupe, Kor­rek­tu­ren, …) werden schnell und ohne „Nerv­fak­tor“ abge­ar­bei­tet. Die Bedien­ober­flä­che ist logi­sch, die Kor­rek­tur­mög­lich­kei­ten lassen sich sehr gut finden und genau und schnell aus­füh­ren; die Ent­wick­lungs­er­geb­nisse sind her­vor­ra­gend.

Was den Berühr-Bild­schirm des IQ180 angeht, so ist die Berühr-Bedie­nung eine nette Zugabe, aber meines Erach­tens ent­behr­lich. Sie macht eini­ges ein wenig ein­fa­cher (Doppel-Tipp zur Bild­ver­grö­ße­rung etwa oder das Bilder-Blät­tern), die wesent­li­chen Ein­stel­lun­gen aller­dings lassen sich eben­so­gut über Tasten errei­chen und ein­stel­len.

Die Echt­zeit­vor­schau („Live View“) wurde wie eine Lang­zeit­be­lich­tung rea­li­siert: Ver­schluss auf B oder T, dann wird das Sensor-Bild aus­ge­le­sen und auf dem Moni­tor dar­ge­stellt. Das funk­tio­niert, aber nur, wenn die Kamera sehr ruhig gehal­ten wird; am besten steht sie dazu auf dem Stativ. Ist doch der Bild­auf­bau recht lang­sam und wenn die Kamera oder das Motiv sich bewe­gen, dann „ver­schmiert“ das Bild; Bild­be­ur­tei­lung und –betrach­tung werden unmög­lich. Auf dem Stativ aller­dings, und da vor allem drau­ßen und mit einer Fach­ka­mera vor­ne­dran, kann die Echt­zeit­vor­schau sehr hilf­reich sein, zeigt sie doch den genauen Bild­aus­schnitt. Auch exak­tes Scharf­stel­len auf die Sen­so­rebene wird so mög­lich. (Mit der Echt­zeit­vor­schau hat sich auch Michael Reich­mann bei Lumi­nous Land­scape aus­führ­lich aus­ein­an­der­ge­setzt: Phase One IQ Back Live View.)

Im Studio hin­ge­gen schließe ich die Kamera dann doch lieber mit­tels Fire­Wire-800-Kabel am Mac an und steu­ere von Cap­ture One aus. Noch werden nicht alle Funk­tio­nen vom IQ180 unter­stützt bzw. noch lassen sich nicht alle Kamera-Funk­tio­nen fern­steu­ern. Weiß­ab­gleich und Aus­lö­sen am Rech­ner, das geht, es fehlt die Steue­rung von Blende, Ver­schluss­zeit und Pro­gramm. Aber das soll bald mit einem Firm­ware-Update mög­lich werden.
 

Foto: thoMas

2,8/55 mm, ISO 100, Blende 5, 1/500 s

 
Resü­mee

Das IQ180 lie­fert in Kom­bi­na­tion mit den Schnei­der-Kreuz­nach-Objek­ti­ven der­zeit das denk­bar höchs­t­auf­lö­sende Bil­d­er­geb­nis in der mobi­len Digi­tal­fo­to­gra­fie; nur Scan­backs oder Multi-Shot-Sys­teme können mehr Pixel, das aber nur bei sta­ti­schen Moti­ven und vom Stativ aus. Direkte Kon­kur­renz hat das IQ180 nur im Leaf Aptus-II 12 aus dem­sel­ben Haus.

Die schie­ren Daten­men­gen hat Phase One sehr gut im Griff: die Daten­über­tra­gung erfolgt aus­rei­chend flott, und das sowohl mobil bei Spei­che­rung auf Com­pact­Flash als auch sta­tio­när bei kabel-gebun­de­ner Direkt­über­tra­gung zum Mac.

Die Kette – Rück­teil, Gehäuse, Objek­tive – ist sehr gut. Und was das Wich­tigste angeht, die Fotos: das IQ180 ermög­licht High-End-Foto­gra­fie vom Feins­ten. Mit Abstand.

(thoMas)
 
 
Das IQ180 im Test­la­bor

Getes­tet wurden: Digi­tal­rück­teil Phase One IQ180 an 645DF-Kame­ra­ge­häuse mit Schnei­der Kreuz­nach 2,8/80 mm LS AF

Hin­weis: Die fol­gen­den Aus­sa­gen und Aus­wer­tun­gen bezie­hen sich auf mit den Stan­dard­ein­stel­lun­gen in Cap­ture One 6 ent­wi­ckelte JPEG-Fotos. Mit einer ande­ren Abstim­mung in Cap­ture One oder einem ande­rer RAW-Kon­ver­ter können die Ent­wick­lungs-Ergeb­nisse auch anders gewich­tet aus­fal­len. Etwa: Weni­ger Rau­schen, dafür aber auch weni­ger Auf­lö­sung.

Mit dem neuen Phase One IQ180 als Rück­teil erhält man die der­zeit am höchs­ten auf­lö­sende por­ta­ble Digi­tal­ka­mera. Mit 80 Mega­pi­xeln ist es hoch inte­griert und hat damit trotz des grö­ße­ren Sen­sor­for­mats hin­sicht­lich der Pixel­dichte mit den glei­chen Ein­schrän­kun­gen zu kämp­fen wie hoch auf­lö­sende Klein­bild-Voll­for­mat­ka­me­ras. Mit ihrem Sensor von 53,9 x 40,4 mm finden sich auf jedem Qua­drat­mil­li­me­ter 37.173 Bild­punkte. Zum Ver­gleich: Eine Canon 5D Mark II (21 Mega­pi­xel) hat nur 24.336 Bild­punkte pro Qua­drat­mil­li­me­ter, wohin­ge­gen eine Nikon D7000 (16 Mega­pi­xeln auf APS-C) auf 43.690 Bild­punkte pro Qua­drat­mil­li­me­ter kommt. Das zeigt, dass sich Phase One bei der Signal­be­ar­bei­tung und der Dämp­fung von Rau­schen zu Guns­ten der Ein­gangs­dy­na­mik und zu Lasten der Auf­lö­sung nicht minder zur Decke stre­cken muss wie der Kreis der klei­ne­ren For­mate.

Auf­lö­sung

Die Auf­lö­sung haben wir in unse­ren Test­bil­dern erst­mal visu­ell bewer­tet und fest­ge­stellt, dass die Default-Ein­stel­lun­gen des RAW-Kon­ver­ters Cap­ture One auf sehr hohe Auf­lö­sung abge­stimmt sind. Auch hat ange­nehm über­rascht, dass das getes­tete 80-mm-Stan­dar­d­ob­jek­tiv bereits bei offe­ner Blende eine erstaun­lich hohe Leis­tung zeigt. Und dies sowohl im Bezug auf Mitte-Rand-Auf­lö­sung als auch auf opti­sche Zen­trie­rung. Dieses Objek­tiv ist wirk­lich digi­tal opti­miert und liegt Welten über dem, was früher für Mit­tel­for­mat­film not­wen­dig war.

Dyna­mik und Rau­schen

Die Kehr­seite dieser auf­lö­sungs­ori­en­tier­ten Abstim­mung zeigt sich bezüg­lich Dyna­mik und Rau­schen. So ist das Rau­schen im Ver­gleich zu Klein­bild und APS-C-Kame­ras bemer­kens­wert hoch und in den beiden höchs­ten ISO-Stufen 400 und 800 zeigen sich ein­zelne rote Pixel in dunk­len Bild­be­rei­chen. Die Ein­gangs­dy­na­mik liegt auch deut­lich unter dem, was wir von JPEG-Bil­dern der „bil­li­gen“ Kame­ras gewohnt sind.
 

Grafik: Testlabor Uschold

 
Woran liegt das, abge­se­hen von der hohen Auf­lö­sung? Phase One / Cap­ture One ver­zich­tet prak­ti­sch völlig auf eine par­ti­elle Dämp­fung des Schat­ten­rau­schens. Damit sind die Leis­tungs­werte des Dun­kel­rau­schens und der daraus berech­ne­ten Ein­gangs­dy­na­mik unge­schönt und ehr­lich – was diese Kamera vom gesam­ten Mit­be­werb der klei­ne­ren For­mate abhebt. Diese eli­mi­nie­ren Schat­ten­de­tails oft über die Schmerz­grenze hinweg, wobei die am pro­fes­sio­nells­ten erschei­nen­den Ver­tre­ter oft am stärks­ten trick­sen.
 

Grafik: Testlabor Uschold

ISO 50 – 100 – 200 – 400 – 800

 
Sollte man also doch lieber beim pro­fes­sio­nel­len Klein­bild blei­ben? Ich denke, diese Frage beant­wor­tet sich auch dann, wenn man die dem Mit­tel­for­mat eigene geringe Schärf­en­tiefe live erfah­ren hat und fest­stellt, dass die krea­ti­ven Spiel­räume das klei­nere Format schlicht aus­ste­chen. Damit rela­ti­viert sich auch die lang­sa­mere Bedie­nung und das ins­ge­samt andere Hand­ling.
 

Screens: thoMas

Sensor+ im Ver­gleich; Frei­hand­auf­nahme mit 2,8/55 mm; von oben:
IS0 3200 (Sensor+ mit 20 MP); 1/320 s bei Blende 2,8
IS0 1600 (Sensor+ mit 20 MP); 1/180 s bei Blende 2,8
IS0 800 (80 MP; auf den­sel­ben Maß­stab run­ter­ska­liert); 1/160 s bei Blende 2,8

Sensor+, das läuft zumin­dest im Bei­spiel auf die Wahl zwi­schen Teufel oder Bel­ze­bub hinaus: Mit Sensor+ noch unver­wa­ckelt und scharf, aber ver­rauscht, ohne Sensor+ schon ver­wa­ckelt, aber sicht­lich bes­sere Dyna­mik und Ton­wert­wie­der­gabe.

 
Ton­wert­wie­der­gabe

Über­ra­schend ist die Nicht­li­nea­ri­tät der Ton­wert­wie­der­gabe der ent­wi­ckel­ten IQ180-Fotos. Sie ist nach bester Manier der über­höh­ten Bild­ge­fäl­lig­keit in den Lich­tern und Schat­ten sehr weich und hat in den Mit­tel­tö­nen einen stär­ke­ren loka­len Kon­trast. Hier hätte ich von einer fürs Studio kon­zi­pier­ten Kamera eine ton­wert­prä­zise lineare Wie­der­gabe erwar­tet und keine bereits geschön­ten Bilder.

Fazit

Eines bieten Rück­teil, Kamera und Objek­tiv auf jeden Fall: Auf­lö­sung satt und opti­sche Prä­zi­sion! Will man aber mit aktu­el­len Stan­dards in Rau­schen und Dyna­mik mit­hal­ten, dann erfor­dert das eine erheb­li­che Anhe­bung der Rausch­dämp­fung, was zwangs­läu­fig die Auf­lö­sung her­un­ter­zie­hen wird. Aber davon gibt es ja Reser­ven genug. ISO 400 und 800 sollte man meiden, es sei denn ein bal­di­ges Firm­ware-Update löst das Auf­tre­ten der feu­er­ro­ten Stör­pi­xel.

Repro­fo­to­gra­fen, die eine prä­zise Ton­wert­wie­der­gabe brau­chen, soll­ten sich mit den Gra­da­ti­ons­kur­ven spie­len und die für ihren Zweck beste Abstim­mung erar­bei­ten.

Und dann ist letzt­end­lich noch fest­zu­stel­len, dass die von vielen Puris­ten wegen der höhe­ren Bit­tiefe erwar­tete bes­sere Dyna­mik des RAW-Bildes gegen­über dem signal­um­fangs­re­du­zier­ten JPEG doch nur eine Hoff­nung bleibt. Die Soft­ware Cap­ture One hat mit einer sehr opti­mier­ten Ton­wert­ein­stel­lung kon­ver­tiert und doch ist der Ver­zicht auf mehr oder weni­ger ehr­li­che Bil­d­op­ti­mie­rungs­funk­tio­nen die wahre Begren­zung der Dyna­mik und Ton­wert­tiefe. Die begrenzte Pho­to­nen­ka­pa­zi­tät und damit Dyna­mik hoch­in­te­grier­ter Pixel schlägt halt doch die Bit­tiefe des anschlie­ßen­den Analog/Digitalwandlers.

(Anders Uschold)
 

Foto: thoMas

2,8/55 mm, ISO 100, Blende 2,8, 1/160 s

 
Anmer­kung: Der Test-Teil basiert auf den Erfah­run­gen, Daten, Mes­sun­gen und Aus­füh­run­gen des Test­la­bors Anders Uschold. Dazu wurden ganz viele Mess­werte erfasst, aus­ge­wer­tet und bewer­tet. Auf die Abbil­dung aller Werte-Tabel­len, Aus­wer­tungs-Fotos und –Gra­fi­ken haben wir hier bewusst ver­zich­tet und erläu­tern Ihnen lieber, was diese Werte für die foto­gra­fi­sche Praxis bedeu­ten.

Rand­no­tiz: Der Test ist etwas später erschie­nen als ursprüng­lich geplant, weil die schie­ren Daten­men­gen es erfor­der­lich mach­ten, die Test­rou­ti­nen kom­plett umzu­pro­gram­mie­ren, damit die Bild-Dateien aus­ge­wer­tet werden konn­ten.