Foto der NX100 von SamsungWenn einer eine Reise tut – und neben einer Spiegel­reflex (Nikon D3100) auch eine Spiegellose (Samsung NX100) mitnimmt, dann läuft das unwei­gerlich auf einen Vergleich der Systeme hinaus. Und wir können vom Schwanken zwischen Lust und Frust erzählen:

 
 
 

Foto Ralf Jannke

Im Leuchtturm

Neben meinem nie endenden Spiel­trieb ging es mir als Fan unschein­barer Einsteiger-Kameras der Marke Nikon samt Kit-Zoomob­jek­tiven für Urlaub und Freizeit – siehe Ein Urlaub mit der Nikon D5000 und Nikon D3100 - höchstempfindlich – darum, ob es nicht doch mit weniger Volumen und Gewicht geht, ohne auf die Immer-dabei-Kamera Canon S90 zurück­greifen zu müssen. Denn wenn es um bewegte Motive geht, und damit meine ich „nur” die eigenen Kinder, geraten Treffer mit der Canon S90 schon zur Glücks­sache. Also nahm ich eine Samsung NX100 nicht nur zum unver­meid­lichen Kurzeinsatz in die Basket­ball­hal­lemit, sondern auch in einen ganz gewöhn­lichen Famili­en­urlaub, wo sie sich über Wochen dem Vergleich mit der Nikon D3100 stellen musste.

Foto der NX100 von Samsung

Die Ausrüstung

Die NX100-Ausrüstung bestand aus Gehäuse und 20–50-Kit-Zoom (für rund 350 Euro zu haben), sowie dem licht­starken Pancake 2/30 mm und dem Blitz PSEF 15A. Und so sieht der Vergleich zwischen Einsteiger-DSLR und EVIL – für „Electronic Viewfinder Inter­ch­an­geable Lens“ (elektro­ni­scher Sucher, Wechsel­ob­jektiv) –, wie die spiegel­losen System­ka­meras auch genannt werden, aus:

Nikon D3100: (LxHxT) 124 x 96 x 74,5 mm; 505 g
Samsung NX100: (LxHxT) 120,5 x 71 x 34,5 mm; 282 g

18–55 VR: Ø 79,5 x l 73 mm; 265 g
20–50: Ø 64 x l 39,8 mm; 119 g

Satte 369 Gramm Gewichts­er­sparnis bzw. nur eine nur gut halb so schwere NX100-Kombi­nation! Man merkt bei der Kombi­nation NX100 plus 20–50-mm-Zoom kaum, dass man eine Kamera am Hals hängen hat. Und doch fühlt sich die NX100 im Gegensatz zu einer Canon PowerShot G12 oder einer Nikon Coolpix P7000 wie eine „richtige“ Kamera an.

Die Handhabung

Die NX100 bietet eine fast konven­tio­nelle, ja vertraute Bedienung über Drehräder und Tippschalter; statt sich auf der Suche nach der ISO-Verstellung in tief verschach­telten Menüs zu verirren, wie es bei Sonys „Nexen“ der Fall war, bevor Sony mit einer Firmware nachbesserte. Die Einstell­mög­lich­keiten der NX100 sind wirklich vielfältig. Besonders gefreut habe ich mich, endlich mal im „Mittel­format arbeiten” und quadra­tische, 3000x3000 Pixel große, 9-MP-Fotos machen zu können.

Der ganz tiefe Sinn von Samsungs i-Function-Objektiven – das 20–50-mm-Zoom verfügt über diesen Komfort – hat sich mir aller­dings nicht erschlossen. (Mit der i-Funktion lassen sich Kamera­ein­stel­lungen direkt über einen Objek­tiv­knopf aufrufen.)

Überhaupt nicht vorstellen kann ich mir, wie sich ein Zoom der Größen­ordnung 50–200 mm an der „winzigen“ spiegel­losen System-Kamera handhaben lässt. Auch wenn der Vergleich von den Abmes­sungen und vom Gewicht her etwas hinkt: mit dem versuchs­weise per Adapter montierten 4,5/80–200 Nikkor möchte ich nicht den ganzen Tag fotogra­fieren:
 

Foto Ralf Jannke

Nikkor 4,5/80–200 mm; adaptiert an NX100

 
Und Sport­fotos mit einem KB-vergleich­baren 2,8/70–200, 2/200 oder 2,8/300 (aus der Hand) mit einer spiegel­losen System­kamera? Allen­falls mit einer entspre­chend angepassten Konstruktion wie hier: ProFinder von Varavon.

Die Aufnahme

Ohne mit 1:1-Vergleichen langweilen zu wollen: die NX100 reicht allen­falls bei ISO 100 / 200 an die Einsteiger-Nikon D3100 heran. Bei diesen niedrigen Empfind­lich­keiten und bei Tages­licht fühlt sich die NX100 trotz des APS-C-großen Sensors einfach am wohlsten. Wobei Empfind­lich­keiten unter ISO 200 nur gewählt werden können, wenn die Funktion „Smart Range” (automa­tische Schat­ten­auf­hellung) deakti­viert ist.
 

Foto Ralf Jannke

NX100 bei ISO 200

 
Obwohl die Sensor­emp­find­lichkeit in 1/3-Stufen bis auf ISO 6400 zu erweitern ist, macht die ISO-Automatik der NX100 im „grünen” Vollau­to­matik-Modus bei ISO 800 zu, in den sonstigen Automatik-Modi bei ISO 1600. Was angesichts des Rauschens über ISO 1600 auch gut so ist. Wobei die NX100 im ISO-Automatik-Betrieb für mein Gefühl aller­dings viel zu spät die ISO 200 überschreitet, was tenden­ziell dazu führt, dass sie bewegungs­un­scharfe Bilder liefert, wogegen auch kein stabi­li­siertes Objektiv hilft. Abhilfe: In den Normal-Automa­tiken P-S-A die ISO-Einstellung von Hand vorgeben und die höheren ISO 400‑1600 erzwingen.
 

Foto Ralf Jannke

NX100 bei ISO 2500: Da rauscht es in den dunklen Bildpartien unüber­sehbar. Das macht eine DSLR bei ISO 2500 besser.

 
High-ISO mit mehr als 1600 heißt für mich, mit der NX100 dann doch das von mir ungeliebte RAW-Format zu wählen. Auf diese Weise lässt sich ein besserer Kompromiss zwischen Rauschen, Glättung und Schärfe finden, die Qualität noch etwas steigern, als bei den JPEGs aus der NX100.
 

Foto Ralf Jannke

Da die Notwen­digkeit hoher und höchster Empfind­lich­keiten immer mal wieder in Frage gestellt wird – schließlich gäbe es licht­starke Objektive: Versuchen Sie doch einmal, in einer derart dunklen Unter­was­ser­land­schaft Bilder mit einer gewissen Schärf­en­tiefe und ohne Verwa­ckeln bzw. Bewegungs­un­schärfe der Fische hinzu­be­kommen. Da nützen ISO 800/1600 und Licht­stärke 1,4 gar nichts!

ISO 6400; Aufnahme mit NX100 und 3,5–5,6/20–50 mm

 
Wie heute üblich, bietet die NX100 eine Menge kamerain­ternen Bildbe­ar­bei­tungs-Schnick­schnack. Dabei ist schön, dass Samsung der NX100 mit einem Firmware-Update auch einen Panora­ma­modus spendiert hat. Was scheren mich Nodal­punkt, Tüftelei und techni­scher Ballast (Stativ), wenn ich mit der NX100 Panoramen auch vollau­to­ma­tisch aus der Hand aufnehmen kann?
 

Foto Ralf Jannke

 
Die Panorama-Produktion macht Spaß, ist aber quali­tativ eher für den Hausge­brauch und den klein­for­ma­tigen Druck (A4 quer = 30 cm mit ca. 200 ppi) geeignet. Die bis zu 5000 Bildpunkte horizontal sollte man auf 2500 bis 3000 Pixel runter­rechnen. Warum? – Der Panora­ma­modus scheint eine Art spezi­eller Video­modus zu sein, der mehr Artefakte produ­ziert als sonst bei den Stand­bildern. Die rot markierte Störung im Beispielbild oben ist auf einen Wackler des Fotografen zurück­zu­führen. Aber man kann‘s ja gleich nochmal machen …

Der Monitor

Mit 3 Zoll (7,62 cm Bilddia­gonale) und 640x480 Punkten VGA-Auflösung sollte der AMOLED-Monitor („Active Matrix Organic Light Emitting Diode“) eigentlich gefallen. Doch es gibt zwei „Aber“:

Bei ganz wenig Licht wird der Monitor „nacht­blind“. Beim Blick ins spärlich von der Garde­ro­ben­lampe erhellten Wohnzimmer oder in den dunklen Keller, wo das Auge durchaus noch etwas erkennt, bleibt der Monitor der NX100 fast schwarz. Ob man da noch fotogra­fieren muss, mag mal dahin­ge­stellt sein. Doch im Gegensatz dazu bleibt bei einer DSLR immer noch der Blick durch den SLR-Sucher! Und die kleine Canon S90 „mutiert” in derselben Licht­si­tuation mit Hilfe ihres „Kerzenlicht”-Modus fast zum Restlicht­ver­stärker. Sogar ein stock­dunkles Motiv wird erkennbar. Nicht so bei der NX100. Ob dunkle Motive mit dem elektro­ni­schen Aufsteck­sucher zur NX100 besser zu beurteilen wären, weiß ich nicht, weil mir rund 160 Euro für den niedrig auflö­senden (unzeit­gemäße 202.000 Bildpunkte) EF-100F zu viel sind. Um in solchen Situa­tionen überhaupt Bilder zu erhalten, sollte man konse­quent auf die Zeitau­to­matik bei Blenden­vorwahl setzen.

Wie nicht anders zu erwarten, artet die NX100-Bilder­ma­cherei auch dann in die reine Raterei aus, wenn viel Licht auf den Monitor scheint. Gerne hätte ich die Dünen­land­schaft im westlichsten Teil Dänemarks inten­siver abgelichtet. Aber auf dem sonnen­be­schie­nenen Monitor der NX100 etwas erkennen? Keine Chance!

Die Scharf­stellung

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein schau­kelndes Kind den C-AF der NX100 bereits überfordert. Das gleiche Bild unter dem Basket­ballkorb. Während die Einsteiger-Nikon D3100 noch den einen oder anderen Mehr-Treffer schafft, sprich, wirklich nachfo­kus­siert, habe ich mit der NX100 ausschließlich im Single-AF vorfo­kus­siert und dann im richtigen Moment abgedrückt. Bis die NX100 hinsichtlich Autofokus und Reakti­ons­ge­schwin­digkeit auf dem Stand der Canon- und Nikon-Einstei­ger­klasse angekommen ist – von den Semiprofis Canon EOS 7D oder Nikon D300(s) und höher ganz zu schweigen –, vergeht sicher noch einige Zeit. Und die DSLR-Entwick­lungs­ab­tei­lungen schlafen in den nächsten Jahren ja auch nicht.

Foto Ralf Jannke

Was für die NX100 spricht

Eindeutig der „Fun-Charakter“. Dieses völlig unbeschwerte – ja, sagen wir es ruhig – Knipsen mit der NX100 macht einfach Spaß. Dieser Gedanke scheint manchem „User“ abhanden gekommen zu sein. Man fotogra­fiert – fotogra­fiert man wirklich (?) – so ernsthaft, dass der Spaß auf der Strecke bleibt, und lässt die Bilder auf der Festplatte „verstauben“. Oder man präsen­tiert die Meister­werke niedrig aufgelöst in irgend­einem Forum.

Trotz der Einschrän­kungen ist die NX100 ein faszi­nie­rendes Spielzeug, das ich nicht mehr hergeben möchte. Während der letzten Urlaubstage kam jeden­falls nur noch die NX100 mit. Zur jetzigen Zeit kann es aller­dings für mich nur heißen: Nicht (Einsteiger-) DSLR oder EVIL – sondern D3100 und NX100.

Ich weiß, das ist alles sehr subjektiv…

(Ralf Jannke)
 
 
Link: Support für NX100 (u.a. Broschüre, Bedie­nungs­an­leitung und Firmware)
 

Foto Ralf Jannke

An diesem Magenta beißt sich jede Kamera die Zähne aus…