Foxconn LogoWer baut eigentlich all die digitalen Kompakt­ka­meras, die unter so vielen Marken­namen verkauft werden? – Praktisch alle Modelle kommen heute aus China, und die Zahl der Hersteller ist deutlich geringer, als die Marken­vielfalt sugge­rieren mag:

Sieben ODMs (Original Design Manufacturer) bzw. OEMs (Original Equipment Manufacturer) teilen sich heute die Produktion der digitalen Kompakt­ka­meras für den Massen­markt. Von ihren Bändern kommen nicht nur fast alle Handels­marken, sondern auch so manches Modell bekannter japani­scher Hersteller. Die meisten dieser Kamera­mo­delle werden in einem Los über einen Zeitraum von etwa sechs bis zwölf Wochen produ­ziert. Danach folgen das nächste Modell oder die nächste Marke.

Die bekann­testen Hersteller von digitalen Kompakt­ka­meras (DSC = Digital Still Camera) sind derzeit Hon Hai Precision Industry Co., Ltd. (Foxconn), Ability Enter­prise, Asia Optical, Chicony Electronics, DXG Technology, DigiLife und Aiptek Inter­na­tional.

Einige Hersteller wie Skanhex Technology Inc., und ihre Tochter­firma Sinpo Optical Co. Ltd., die in der Anfangszeit der Digital­ka­meras zahlreiche Modelle für Minolta, Rollei und verschiedene Handels­marken produ­zierten, sind inzwi­schen weitgehend von der Bildfläche verschwunden. Auch die World Wide Liceneses Ltd. aus Kowloon, Hongkong, die 2005 mit der mit einem Foveon-Sensor ausge­stat­teten Polaroid x530 Schiffbruch erlitt, hat sich offen­sichtlich aus dem Kamera­ge­schäft zurück­ge­zogen. Das Unter­nehmen war 2006 mitsamt der neuen Fabrik in Shenzen vom damaligen Eigen­tümer The Character Group plc an die Flextronics Sales and Marketing (A-P) Limited verkauft worden. Ob die 1996 gegründete Tekom Techno­logies, Inc. mit der Zentrale in Taipei und einer Fabrik in Quangdong heute noch als Kamera­her­steller aktiv ist, ließ sich nicht ermitteln. Auch um den noch aus der analogen Zeit bekannten Hersteller W. Haking Enterprises Ltd. aus Hong Kong, der auf der photokina 2008 noch vertreten war, ist es inzwi­schen wieder etwas still geworden. Anstelle eines Standes auf der Messe hatte Haking in diesem Jahr nur eine Suite im Marriott Hotel gebucht. (Siehe auch: Haking - die Legende lebt)

Das japanische Unter­nehmen Sanyo, das inzwi­schen im Panasonic-Konzern aufgeht, hat das OEM-Geschäft für die bekann­teren Kamera­marken inzwi­schen wohl auch weitgehend aufge­geben.

Hon Hai Precision Industry Co., Ltd. (Foxconn)

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Das in Deutschland vorwiegend als Fertiger von Produkten des ameri­ka­ni­schen Herstellers Apple bekannt gewordene Unter­nehmen Foxconn wurde 1974 von Terry Gou mit einem Start­ka­pital von 7.500 US$ gegründet und im Jahre 2006 mit der Übernahme der Premier Image Technology Corp. schlag­artig zum größten Hersteller von digitalen Kompakt­ka­meras.

Foto der Premier / Vivitar V8400
Die Premier Image Technology Corp. war 1983 als Premier Camera Taiwan Ltd. gegründet worden. Erste Produkte waren eine Disc- und eine Pocket­kamera. Mit dem Einbau eines elektri­schen Filmtrans­port­motors in eine Pocket­kamera machte das Unter­nehmen auf sich aufmerksam und erwei­terte das Sortiment 1986 um Kleinbild- und 1996 um APS-Kameras. Drei Jahre darauf folgten die erste digitale Kompakt­kamera und der Gang an die Börse in Taipei. Im Folgejahr wurde mit der Pretec Corpo­ration ein Wettbe­werber im gerade aufkom­menden Digital­ka­me­ra­markt übernommen und Premier wurde zum größten Digital­ka­me­ra­her­steller in Taiwan, der für Ricoh, Pentax und Rollei genauso produ­zierte wie für Handels­marken wie Traveler.

Mit der Übernahme durch Hon Hai im Jahre 2006 verschwand der Name Premier von der Bildfläche, die Kameras werden heute unter dem Namen Foxconn produ­ziert. Vermarktet werden sie aber wie zuvor unter den Namen der einge­führten Handels­marken. Premier kann durch die Einglie­derung in den Hon-Hai-Konzern auf dessen digitales Ferti­gungs-Know-How zurück­greifen und Hon Hai hat durch die Integration Zugriff auf den optischen Bereich gewonnen.

Gemeinsam mit der deutschen Metro-Gruppe hat Hon Hai / Foxconn ein Joint Venture in China gegründet, das am 17. November 2010 in Shanghai seinen ersten Media Markt eröffnen will. Die Verkaufs­fläche des Marktes beträgt 18,000 m2. Bis zum Ende des kommenden Jahres will Media Markt 9–11 Märkte im Raum Shanghai errichten und nach Aussagen von Foxconn soll die Zahl bis 2015 auf mindestens 100 Märkte in ganz China ausge­weitet werden.

Altek Corp.

Altek Logo
Altek wurde 1996 als Joint Venture der Yulon Gruppe und der China Development Indus­trial Bank gegründet. Schwer­punkt des Unter­nehmens mit Sitz im Hsinchu Science Park war von Beginn die Entwicklung und Fertigung von Digital­ka­meras. Seit 2002 ist das Unter­nehmen an der Börse in Taipei gelistet. Im Jahre 2008 soll das Unter­nehmen der weltweit größte ODM-Hersteller für Digital­ka­meras geworden sein. Von Altek gefer­tigte Kameras werden nach vorlie­genden Infor­ma­tionen von HP, Kodak, Pentax und in Zukunft wohl auch von Nikon und Samsung verkauft.

Die Altek Corpo­ration beschäftigt nach eigener Aussage 5.500 Mitar­beiter. Forschung und Entwicklung erfolgen im Altek Research & Development Center in Taipei , Neihu (Taiwan) und in der Zweig­stelle in Los Angeles. Seit 2000 wird in Kunshan bei Shanghai produ­ziert. Die Ferti­gungs­ka­pa­zität soll heute 3 Millionen Stück pro Monat umfassen. 2008 stellte Altek die erste Kamera mit integriertem GPS vor und beabsichtigt in Zukunft weitere Funktionen in die Geräte zu integrieren. Auch Altek bewegt sich von der Fertigung von Digital­ka­meras zur Fertigung von digitalen Video­ka­meras. (Siehe auch: Altek im Aufwind)

Ability Enter­prise Co., Ltd.

Ability Logo
Ability Enterprise wurde im Jahre 1965 in Taipei von den beiden Brüdern Tong Ching-Hsi und Tong Chiung-Shiung gegründet. Geschäfts­zweck war der Vertrieb von Canon-Taschen­rechnern in Taiwan. Später würde das Sortiment um weitere Bürotechnik aus dem Canon-Sortiment erweitert. Dazu zählten Kopierer und Drucker und die ameri­ka­ni­schen NEXT Computer. Seit 1995 ist das Unter­nehmen an der Börse in Taipei gelistet.

Foto einer Gehäuseschalen für Nikon Coolpix
Im Jahre 2001 verstärkte Ability sein Engagement beim 1975 gegrün­deten Tochter­un­ter­nehmen AVY Indus­trial Co., Ltd. Die zur Gruppe zählende AVY Precision Technology Inc. ist ein Zulie­ferer für die Kamera­in­dustrie. Begonnen hatte man mit Zuschnitten für die Kamera­be­le­derung und Gehäu­se­teilen sowie Mikro-Motoren. Heute wird in Werken auf dem chine­si­schen Festland China produ­ziert, beispiels­weise Gehäu­se­schalen für Nikon-Coolpix- oder Casio-Exilim-Kameras.

Nach 2001 übernahm Ability eine Betei­ligung an der Minton Optical Indus­trial Ltd. oder Minton Optic Industry Co., Ltd. Minton wurde 1985 in Taiwan gegründet, produ­zierte analoge Klein­bild­ka­meras und später digitale Kompakt­ka­meras, und belie­ferte als OEM- / ODM-Hersteller zahlreiche Marken weltweit. Um das Jahr 2000 hatte Minton in vier Werken eine Ferti­gungs­ka­pa­zität von 700.000 Analog- und 200.000 Digital­ka­meras pro Monat. Unter dem Namen „Brica“ wurden Kameras von Minton in Asien vertrieben. In Deutschland engagierte sich Ability mit der Grandtech GmbH in Jena, die Kameras unter der Marke „Jenoptik“ vertrieben: Die wechselvolle Geschichte der Marke Jenoptik.

Asia Optical Co. Inc.

Asia Optical Logo

Asia Optical wurde 1981 in Taiwan als Hersteller von optischen Produkten gegründet. 1982 begann die Firma, Objektive für Kleinbild-Autofo­kus­ka­meras an Ricoh Taiwan zu liefern. Für Kenko Co., Ltd. und Tasco wurden in den Folge­jahren Teleskope produ­ziert. Aus der Zulie­ferung für Ricoh entstand ein Gemein­schafts­un­ter­nehmen für die Autofo­kus­ka­mer­a­pro­duktion. 1999 erfolgte gemeinsam mit Nikon die Gründung der Hang Zhou Nikon Camera Co., LTD. für die Herstellung von Kamera­ob­jek­tiven. Im Jahre 2004 übernahm Asia Optical 85,5 % der Taiwan Ricoh Co., Ltd.

Foto der FS015 von Asia Optical
Nachdem zuvor schon auf den Philip­pinen eine optische Fertigung für Zielfern­rohre einge­richtet wurde, gründete Asia Optical im Jahre 2004 die Myanmar Asia Optical Inter­na­tional Co. Ltd,. (MAOI). Beabsichtigt war, mit 5000 Beschäf­tigten etwa 10 Millionen Objektive pro Jahr in der Fabrik im Mingalardon Industrial Park nahe der Haupt­stadt Rangun zu produ­zieren. Im Jahre 2008 wurden jedoch erst 2500 Burmesen beschäftigt, die 100.000 Objektive pro Monat produ­zierten. Auf den Markt kommen die Objektive unter den Marken Ricoh, Canon, Nikon und Olympus. Bei der Gründung des Werks wurden auch Sony, Panasonic, Kodak und Konica als Kunden genannt.

2009 übernahm Asia Optical von Flextronics die Mehrheit an deren Kamerawerk, das in die AOF Imaging Technology einge­bracht wurde. Am Joint-Venture AOF betei­ligte sich Flextronics mit 20 %. Flextronics selbst hatte den Bereich im Jahre 2006 von Kodak gekauft. Die Einheit geht zurück auf den früheren japani­schen Kamera­her­steller Chinon.

Chinon Indus­tries Inc. war neben Cosina einer der führenden Hersteller von Hausmarken-Kameras. Als OEM-Hersteller belie­ferte Chinon Agfa mit den Selec­tronic-Spiegel­re­flex­ka­meras und Alpa mit den Modellen 2000 und 3000. Chinon entwi­ckelte in den 1990er Jahren eine erste Digital­kamera, die in modifi­zierter Form auch von Kodak verkauft wurde. Kodak erwarb 1997 eine Mehrheits­be­tei­ligung und übernahm das Unter­nehmen 2004 komplett als Kodak Digital Product Center, Japan Ltd. Im Sommer 2006 trennte sich Kodak von der eigenen Entwicklung und Produktion von digitalen Kompakt­ka­meras.  Der Bereich mit den japani­schen Entwick­lungs­zentren in Chino und Yokohama und der Fertigung in Shanghai ging an an den Auftrags­fer­tiger Flextronics in Singapur. Der japanische Bereich wurde umbenannt in Flextronics Digital Design Japan. Die Hoffnung von Flextronics, mit dem Kunden Kodak weitere Abnehmer zu gewinnen, wurde jedoch bald enttäuscht und so trennte sich Flextronics 2009 weitgehend von diesem Bereich.

DXG Technology Corp.

DXG Logo
Das Unter­nehmen mit Sitz in Taipei, Taiwan, wurde im Jahre 2000 gegründet. DXG produ­ziert und vermarktet Digital­ka­meras und digitale Video­ka­meras. Neben der Verwaltung in Taiwan hat DXG, wie es für diese Branche inzwi­schen üblich ist, Tochter­ge­sell­schaften auf dem chine­si­schen Festland in Guan Tong und Hong Kong. Der Schwer­punkt der Produktion hat sich im Laufe der letzten Jahre von Digital­ka­meras zu HD-Video­kamera verlagert. Beabsichtigt ist, in Zukunft profes­sio­nelle Digital­ka­meras zu produ­zieren, wobei die genaue Zielrichtung offen bleibt.

Foto der Chicony D34

Chicony Electronics Co., Ltd.

Chicony Logo
Ähnlich sieht die Entwicklung auch bei der Chicony Electronics Co., Ltd. aus. Auch Chicony produ­ziert inzwi­schen zunehmend Video­ka­meras und fährt den Digital­kamera-Bereich zurück. Das Unter­nehmen wurde 1983 als Hersteller von PC-Tasta­turen und Netzteilen gegründet. Im Jahre 1989 wurde in Bangparkong, Thailand, die erste Auslands­fer­tigung gegründet. Zehn Jahre später stieg Chicony in die Fertigung von Digital­ka­meras ein und produ­ziert heute überwiegend auf dem chine­si­schen Festland.

DigiLife Techno­logies Co., Ltd.

Logo DigiLifeZu den jüngsten Unter­nehmen der Branche zählt die 2002 gegründete DigiLife Technologies Co., Ltd. mit der Zentrale in Taipei City und der Fertigung in DongGuan Houjie. Neben digitalen Kompakt­ka­meras werden heute vorwiegend digitale Camcorder und Media­player produ­ziert.

Foto der PenCam von Aiptek

AIPTEK Inter­na­tional Inc.

Aiptek Logo
Das 1997 gegründete Unter­nehmen AIPTEK (Advanced Intel­ligent Personal Techno­logies) hat seine Zentrale im Science-Based Indus­trial Park in HsinChu, Taiwan. Bekannt wurde das Unter­nehmen mit der im Jahre 2000 vorge­stellten PenCam (rechts), die bis heute über 2,5 Millionen mal verkauft wurde und immer noch erhältlich sein soll. Aiptek liefert neben den Kameras der eigenen Marke auch für Dritte.

Weitere Zulie­ferer

Neben der schon erwähnten AVY Precision Technology gibt es weitere spezia­li­sierte Zulie­ferer. Dazu zählt die 2003 gegründete Konica Minolta Opto, Inc, die zurückgeht auf die Konica Opto Corpo­ration und die Optik­ab­teilung der ehema­ligen Minolta Co., Ltd.

Die 1988 gegründete Suning Mings Co., Ltd. (S.M.C.) liefert vom fertig bedruckten Objek­tiv­frontring über spezielle Schrauben bis zum Namens­schild alles, was die Kamera­her­steller an Klein­teilen benötigen.

Auf optische Kompo­nenten hat sich die 1993 gegründete Kintin Optotronic Co., Ltd. spezia­li­siert. Die Unter­neh­mens­zen­trale befindet sich im Nang-Gang Industry Park von Nantou, Taiwan, und ein Tochter­un­ter­nehmen (Dong-Guan Kintin Optotronic Co., LTD.) in Dong-Guan, China. Kintin gehört zur Kinko Group (Kinko Optical Co., LTD.). Produ­zierte man ursprünglich vorwiegend Kunst­stoff­linsen für analoge Kompakt­ka­meras und belie­ferte beispiels­weise Sinpo Precision mit einem Zoom 5,6/30–60 mm für APS-Kameras, so fertigte Kintin ab 2002 Sucherkom­po­nenten für Fujinon und Canon Taiwan. Ab 2003 wandte sich die Firma der Produktion von Objek­tiven für Mobil­te­le­fonen zu und gründete 2006 mit Altek das Joint Venture Jinjing (Suzhou) Optical Technology Co., Ltd. in Suzhou, China.

Ein weiterer Zulie­ferer ist die 1987 in Taichung City im Nantun District von Taiwan gegründete Largan Precision Co.,Ltd. Sie begann 1991 mit der Fertigung von asphä­ri­schen Kunst­stoff­linsen und konnte kurz darauf die Serien­pro­duktion von hybriden Objek­tiven für Klein­bild­kom­pakt­ka­meras aufnehmen. Heute werden neben Objek­tiven für digitale Kompakt­ka­meras auch Objektive für Scanner, Handy-Kameras und optische Mäuse produ­ziert.

Im Vergleich zu den Kamera­her­stellern in Japan handelt es sich bei den vorwiegend in Taiwan und auf dem chine­si­schen Festland aktiven Herstellern digitaler Kompakt­ka­me­ra­her­steller um sehr junge Unter­nehmen. Die elektro­nische Basis hat hier in den vergan­genen Jahren eindeutig das Überge­wicht gegenüber der optischen und mecha­ni­schen Kompetenz bekommen und es scheint sich abzuzeichnen, dass in erster Linie hochin­te­grierte oder extrem kosten­günstig produ­zie­rende, spezia­li­sierte Zuliefer-Unter­nehmen in diesem Markt überleben.

(CJ)