Foto vom Rear-Shift-Adapter von ZörkSeit über 30 Jahren steht der Name „Zörk“ für so pfiffige wie präzise Lösungen für die fotogra­fische Aufnahme; mit dem Schwer­punkt Nah- und Makro-Fotografie. photoscala hat die Zörk Film- und Fototechnik in München besucht. Gesehen haben wir nicht nur bewährte Produkte, die teils seit mehr als 30 Jahren im Programm sind, sondern auch Neues aus der Entwick­lungs­ab­teilung des Herwig W. Zörken­dörfer:

Portraitfoto Herwig W. Zörkendörfer

In dem Häuser­block eines Gewer­behofs unweit der Donners­berger Brücke in Münchens Westend findet sich im 3 Stock der Westend­straße 125 die Firma Zörk Film- und Fototechnik, die seit Anfang der 1980er Jahre von Herwig W. Zörken­dörfer betrieben wird.

Zörken­dörfer war zuvor bei Heinz Kilfitt in Großhes­selohe im Isartal bei München, beim Filmka­me­ra­her­steller Arnold und Richter (ARRI), als Tonge­rä­te­tech­niker beim Fernseh­studio München, und bei der deutschen Mamiya-Nieder­lassung beschäftigt. Als sich mit dem Niedergang des japani­schen Handels­hauses Osawa der Himmel über dem japani­schen Kamera­her­steller Mamiya verdun­kelte, wagte Zörken­dörfer 1975 den Sprung in die Selbstän­digkeit.

Zu den ersten Produkte des jungen Unter­nehmens zählte die noch heute lieferbare Mini-Macro-Schnecke (Mi-Ma). Kamera­seitig mit dem jeweils spezi­fi­schen Adapter ausge­stattet, lässt sie sich an praktisch alle Kleinbild-Kameras des Marktes anschließen und über das M39-(Leica)-Gewinde lassen sich Vergrö­ße­rungs­ob­jektive direkt ansetzen.

Bald darauf kamen von Zörk dann verschiedene Lochblenden-Versionen als Schärf­en­tie­fen­dehner. Auch heute ist dieses Produkt noch als Schärf­en­tiefen-Dehner-Set (ST-Dehner-Set) mit drei wahlweise einsetz­baren Lochblenden lieferbar.
 

Foto von Mini-Macro-Schnecke etc. von Zörk

Mini-Macro-Schnecke, Multi-Focus-System, Schärf­en­tiefen-Dehner-Set

 
Mitte der 1980er Jahre kam der erste Shift­ad­apter, der heute als Panorama-Shift-Adapter (PSA) im Programm ist. Er ermög­licht einer­seits, ein Mittel­for­mat­ob­jektiv mit einem entspre­chend großen Bildkreis an einer Klein­bild­kamera zur Vermeidung stürzender Linien vertikal zu verschieben, anderer­seits lassen sich bei Verschiebung aus zwei oder mehr Bildern Panora­ma­auf­nahmen erstellen. Der Verstellweg beträgt ± 20 mm. Zusätzlich kann die Kamera in 30-Grad-Schritten gedreht werden.

Für Panora­ma­auf­nahmen kann einer­seits das Objektiv vor einer auf einem Stativ montierten Kamera verschoben werden, anderer­seits kann man auch das Objektiv über die angebaute Gondel auf einem Stativ befes­tigen und dann die Kamera verschieben. Dies bietet den Vorteil, dass die einzelnen Teilbilder danach ohne Paral­la­xen­fehler montiert werden können. Diese werden bei einer Verschiebung des Objektivs vor allem im Nahbe­reich sichtbar.
 

Foto vom Rear-Shift-Adapter von Zörk

Rear-Shift-Adapter

 
Mit dem aktuell neu ins Sortiment aufge­nommen Rear-Shift-Adapter wird die Kamera­ver­schiebung für Shift-Tilt-Objektive von Canon ermög­licht. Dazu wird eine spezielle Glieder­kette um den Objek­tiv­tubus gelegt, die mit einem Stativ­ge­winde ausge­stattet ist, an dem die Objektiv-Kamera-Kombi­nation auf dem Stativ befestigt werden kann. Der Einsatz dieses Adapters benötigt keinerlei Modifi­ka­tionen am Objektiv selbst.

Als weiteres Modul von Zörk kam Mitte der 1980er der Schwenk­ad­apter auf den Markt. Kernelement dieses Adapters ist eine Kugel, die ein Verschwenken des Objektivs nach allen Seiten um bis zu 30 Grad ermög­licht. Zusammen mit der Mini-Macro-Schnecke entsteht daraus das Multi-Focus-System (MFS).

Foto Pro-Shift-Adapter von Zörk

Um 2000 begann Zörken­dörfer mit dem Umbau der beiden Voigt­länder-Heliare mit 12 bzw. 15 mm Brenn­weite für die Contax-G-Modelle von Kyocera. Dabei handelte es sich nicht um einen Objek­ti­v­ad­apter, sondern um einen Umbau der Objek­tiv­fassung zur Nutzung der beiden Voigt­länder-Objektive an den Contax-G-Kameras. Wie die Contax G ist dieser Umbau inzwi­schen Geschichte.

Der Pro-Shift-Adapter ermög­licht das Verschieben eines Objektivs nicht nur an Klein­bild­ka­meras, sondern ist in spezi­ellen Versionen auch für Mittel­for­mat­ka­meras verfügbar. Zu den zahlreichen weiteren Bauteilen von Zörk zählt der Fremd­an­schluss­ad­apter (FA), der es, wie der Name nahelegt, ermög­licht, system­fremde Objektive an einer Kamera zu befes­tigen.

Foto vom Macroscope Typ 1 von Zörk

Handelt es sich bei den meisten Produkten von Zörk um vorwiegend mecha­nische Problem­lö­sungen, so stellt der Objek­tiv­vorsatz Macro­scope Typ 1 (MCS/1) eine Ausnahme im Firmen­pro­gramm dar. Hier handelt es sich um ein optisches System mit den folgenden technische Daten:
 

Optischer Aufbau 2 Linsen, asphä­risch, MC vergütet, 12 Dioptrien
Durch­messer 57 mm
Länge 18 mm
Gewinde 52 x 0,75
Gewicht 150 Gramm
Pupill­en­durch­messer 36,5 mm

 
Der Entwick­lungs­drang von Herwig Zörken­dörfer scheint kaum zu bändigen. Mit seinem neuen Produkt, dem Licht­schacht­sucher für Canon-Kameras, kommt erstmals nicht die Aufnahme-, sondern die Sucherseite der Kamera in den Fokus des Münchener Tüftlers und Entwicklers, der auch heute noch jedes von ihm gelie­ferte Teil selbst montiert.
 

Foto vom Lichtschachtsucher von Zörk

 
Basis der Neuent­wicklung ist der Hasselblad-Licht­schacht­sucher, der über einen stabilen Adapter aus Metall vor dem Monitor der Kamera befestigt wird. Es gibt verschiedene Versionen dieses Adapters für den Einsatz mit oder ohne Batte­riepack.

Erhältlich sind die Zörk-Produkte direkt beim Hersteller. Im Fotohandel sind diese Systeme inzwi­schen eher selten geworden. Fündig wurden wir jedoch bei Foto Brenner und Foto Mayr.

(CJ)
 

Foto vom Lichtschachtsucher von Zörk

 

Nachtrag (26.7.2010): Mit dem Rear-Shift-Adapter ist die Scharf­stellung des Objek­tives ohne Einschrän­kungen möglich, da der Adapter nicht auf dem Entfer­nungs­ein­stellring aufliegt, sondern nur auf dem – wenn auch schmalen – festste­henden Teil des Objek­tiv­ge­häuses. Zum Zeitpunkt unseres Besuches bei Zörk war der Adapter noch in der Entwicklung, inzwi­schen steht der Preis für den Rear-Shift-Adapter fest: 180 Euro.

Der Licht­schacht­sucher-Adapter wird aktuell weiter entwi­ckelt, in dem Zuge werden auch Licht­schacht­sucher und Lupen anderer Hersteller adaptierbar sein; welche Marken und Modelle in Frage kommen, wird derzeit unter­sucht. Je nach Nachfrage ist auch eine Erwei­terung des Sorti­ments auf weitere Kamera­mo­delle denkbar. Der Preis für diesen Adapter steht noch nicht fest.

Folgend noch zwei weitere Abbil­dungen von Zörk-Produkten:
 

Foto vom Panorama-Shift-Adapter von Zörk

Panorama-Shift-Adapter
 
 
Foto vom Panorama-Shift-Adapter und Multi-Focus-System von Zörk

Panorama-Shift-Adapter und Multi-Focus-System kombi­niert