Vor 90 Jahren, zum 1. Februar 1920, wurde in Braun­schweig die Firma Franke & Heidecke, Werkstatt für Feinme­chanik und Optik, ins Handels­re­gister einge­tragen. Wenig später wurde sie mit den Rolleiflex-Kameras weltbekannt. Wir berichten von den Anfängen, von Aufstieg und Fall:

Foto von Reinhold Heidecke Foto von Paul Franke

Am Anfang der Firmen­ge­schichte stand die Idee einer Rollfilm­kamera, die Reinhold Heidecke, damals Ferti­gungs­leiter im Braun­schweiger Kamerawerk Voigt­länder, um das Jahr 1916 hatte. Da sein Arbeitgeber an der Idee kein Interesse hatte, tat er sich mit Paul Franke zusammen, einem ehemaligen Voigt­länder-Mitar­beiter, der inzwischen als Fotokaufmann arbeitete. Mit seiner Hilfe konnte bis 1919 ein Start­kapital von ca. 275.000 Mark aufge­bracht werden, so dass die Firma „Franke & Heidecke“ im Jahre 1920 mit Sitz in der Braun­schweiger Vieweg­straße 32 ins Handels­re­gister einge­tragen werden konnte.

Als erstes Kamera­modell brachten Franke und Heidecke dann jedoch nicht die Rollfilm­kamera, sondern eine Stereo­kamera, wie sie damals offen­sichtlich gefragt war. Mit der „Stereo-Heidoscop“ genannten Kamera konnte man über zwei parallele Objektive Stereo-Aufnahmen auf Glasplatten belichten. Im Jahre 1923 folgte eine Heidoscop für den Rollfilm Typ 117. Mit der Rollfilm­taug­lichkeit wurde aus der Heidoscop die Roll(h)eidoscop – die Rollei­doscop, aus der sich später dann der Firmenname ableitete. Der Erfolg der Kameras war so groß, dass die Produk­ti­ons­mög­lich­keiten in dem ehemaligen Wohnhaus an der Vieweg­straße nicht mehr ausreichten. So wurde 1923 ein neues Firmen­gelände an der Salzdahlumer Straße gekauft. Erfolg­reiche Speku­la­ti­ons­ge­schäfte u.a. mit auslän­dischen Währungen sollen dafür gesorgt haben, dass das Grundstück in der Infla­ti­onszeit letztlich sehr preiswert erworben werden konnte.
 

ausriss; Werbung für Rolleiflex und Heidoscop

Ausschnitt aus einer Werbung von Franke & Heidecke

 

Foto der zweiäugigen Rolleiflex

1928 kam dann die erste zweiäugige Rolleiflex, eine Rollfilm-Spiegel­re­flex­kamera, auf den Markt. Ausge­stattet war dieses Modell mit einem Aufnah­me­ob­jektiv Zeiss Tessar 4,5/7,5 cm mit Compur-Zentral­ver­schluss und einem Sucherob­jektiv von der Optischen Anstalt Saalfeld mit gleicher Brennweite und einer Licht­stärke von 3,1.

1930 wurde das neue Werk in der Salzdahlumer Straße in Betrieb genommen. Hier arbeiteten schon zu Beginn über 300 Mitar­beiter. 1933 erschien mit der Rolleicord ein preis­werteres Modell der zweiäugigen Spiegel­reflex mit einem 4,5/7,5 cm Zeiss Triotar als Aufnah­me­ob­jektiv und einer preis­werter zu produ­zie­renden Stahlblech-Rückwand. Bis zur Produk­ti­ons­ein­stellung im Jahre 1976 wurden 2.699.505 Exemplare der Rolleicord produziert.

Während des 2. Weltkrieges wurden bei Rollei Rüstungsgüter wie Zielfernrohre und Periskope produziert. Die Mitar­bei­terzahl betrug damals etwa 600. Zum Ende des Krieges waren die Rollei-Werke zu etwa zwei Dritteln zerstört.

Der Wieder­aufbau nach dem Krieg gelang überra­schend zügig und man konnte sehr schnell an die großen Vorkriegs­erfolge anknüpfen. So liefen die ersten Rolleiflex-Nachkriegs­kameras schon 1946 vom Band und zur Währungs­reform 1948 war man offen­sichtlich schon wieder voll lieferfähig.

Nach dem Tod des Unter­neh­mens­gründers Paul Franke im Jahre 1950 übernahm dessen Sohn Horst die Leitung des Unter­nehmens. Da die Rolleiflex in den 1950er Jahren von vielen Presse­fo­to­grafen eingesetzt wurde, florierte der Absatz des Braun­schweiger Herstellers, so dass die Beleg­schaft bis 1957 auf 2.000 Mitar­beiter angewachsen sein soll.

Die in großer Zahl erfolgten Nachbauten der Rolleiflex waren anfangs zwar noch kein Problem, doch mit der vom japanischen Wettbe­werber Mamiya entwi­ckelten zweiäugigen Mittel­format-Spiegel­reflex mit wechselbaren Objektiven (Mamiya C) kam Rollei unter Druck. Da man Wechsel­ob­jektive in Braun­schweig nicht einsetzen wollte oder konnte, entschied man sich für Kameras mit unter­schied­lichen Brenn­weiten. Als erstes Modell kam 1959 die Tele-Rolleiflex mit einem Zeiss Sonnar 4/135 mm auf den Markt. Eine Version mit 150-mm-Objektiv war angedacht, wurde jedoch nicht realisiert. Dafür erweiterte man das Sortiment 1961 mit einer Weitwinkel-Rolleiflex mit einen 4/55 mm Carl Zeiss Distagon.

Mit Reinhold Heidecke, der noch bis zu seinem Tod neue Kameras konstruierte, starb 1960 auch der zweite Firmen­gründer. Schon zuvor hatte sich gezeigt, dass der Markt für die zweiäugigen Rollfilm­kameras langsam gesättigt war. Hasselblad hatte nach seiner ersten einäugigen 1600 F die technischen Probleme langsam in den Griff bekommen und konnte 1957 mit der 500 C mit Wechsel­ob­jektiven von Zeiss und Zentral­ver­schlüssen von Compur den Markt erobern, den Rollei verschlafen hatte. Als späte Reaktion auf den Erfolg der Hasselblad brachte Rollei zur photokina 1966 die Rolleiflex SL 66 auf den Markt, die deutlich größer war und auch im Studio wegen des Schlitz­ver­schlusses, der keine kurzen blitz-synchro­ni­sierten Verschluss­zeiten zuließ, nicht zur 500 C aufschließen konnte.
 

Foto der Rolleiflex SL 66 mit Distagon 4/80 mm (angesetzt) und Sonnar 4/150 mm (stehend)

Rolleiflex SL 66 mit den Zentral­ver­schluss­ob­jektiven Distagon 4/80 mm (angesetzt) und Sonnar 4/150 mm (stehend), die der Schlitz­ver­schluss­kamera zu schnellen Blitz­syn­chron­zeiten verhalfen

 

Foto vom Universal-Projektor P 11

1960 brachten die Rollei-Werke mit dem Universal-Projektor P 11 einen Zweifor­mat­pro­jektor für Mittel­format und Kleinbild auf den Markt, der bis 1978 im Programm blieb. Nachdem man mit der Rollei 35 erfolgreich in den Klein­bild­bereich vorge­stoßen war, wollte man mit dem Rolleiscop-Projektor diesen Sektor ausbauen, was aufgrund technischer Schwächen diese Geräts jedoch nicht gelang. 1968 folgte dann mit dem P 35 ein Klein­bild­pro­jektor für das Leitz-Einheits­magazin, den es in zahlreichen Abwand­lungen unter verschiedenen Handels- und Markennamen von Voigt­länder bis Bauer aus Braun­schweig und Singapur gab. Von dieser Geräte­familie, meist mit Alumi­ni­um­guss­gehäuse, dürften insgesamt weit über eine Million Exemplare produziert worden sein. Als P 37 gab es ihn auch in einer Version für ein Rollei-eigenes Rundmagazin. Die Produktion dieses Modells wurde 1977 an die Industria De Equipamentos Cinematograficos S. A. in São Leopoldo, Basilien lizensiert.

Foto der Rollei 35

Nach den Absatz­ein­brüchen zu Beginn der 1960er Jahre und der 1962 erfolgten Umfir­mierung in „Rollei-Werke Franke & Heidecke“ gab Horst Franke die Unter­neh­mens­leitung ab. Neuer Geschäfts­führer wurde zum 1. Januar 1964 der damals 38-jährige Hamburger Physiker Dr. Heinrich Peesel. Er forcierte die Reali­sierung der vom früheren Wirgin-(Edixa)-Konstrukteur Heinz Waaske entwi­ckelten Klein­bild­kamera Rollei 35, die 1966 auf der photokina vorge­stellt wurde. Im gleichen Jahr übernahm die Familie Franke alle Geschäfts­anteile der Familie Heidecke, gab jedoch schon zwei Jahre später 97 % der Anteile an die Norddeutsche Landesbank (Nord/LB) ab.

Die neuen Produkte der Ära Peesel kamen bei den Kunden hervor­ragend an. Dies ermög­lichte nach den Verlusten im Jahr 1963 mitten in der ersten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit ein jährliches Wachstum von 30 %. Der Umsatz der Rollei-Werke stieg von 24 Millionen DM im Jahre 1964 auf 85 Millionen DM im Jahre 1970.

Von diesem Erfolg angetrieben, brachte man 1970 und damit im Vergleich zur wachsenden japanischen Konkurrenz doch wiederum leidlich spät, mit der Rolleiflex SL 35 eine Kleinbild-Spiegel­reflex mit eigenem Objek­tiv­an­schluss und Belich­tungs­messung bei Arbeits­blende. Im gleichen Jahr startete man eine Fertigung in Uelzen, die jedoch 1977 schon wieder aufgegeben wurde, nachdem man zuvor dort wohl zeitweise Rolleiflex SL 35auch Kameras aus Singapur, die den Transport nicht überstanden hatten, reparierte.

Nachdem das Braun­schweiger Kamerawerk Voigt­länder am 23. August 1971 geschlossen wurde, übernahmen Carl Zeiss, das Land Nieder­sachsen und Rollei je ein Drittel an der Auffang­ge­sell­schaft Optische Werke Voigt­länder. Nach anderen Quellen war anstelle des Landes Nieder­sachsen die gewerk­schafts­eigene Bank für Gemein­wirt­schaft mit einem Drittel beteiligt. Rollei übernahm dabei die Namens­rechte an der Marke Voigt­länder vollständig. Bei den Optischen Werken Voigt­länder wurden Objektive für Rollei und Zeiss-Ikon produziert. Als die Kamera-Produktion bei Zeiss-Ikon 1972 vollständig beendet wurde, gründete man 1974 die Voigt­länder Vertriebs­ge­sell­schaft mbH, die dann Kameras, Objektive, Projektoren und Blitz­geräte aus der Fertigung in Singapur verkaufte.

Mit der Rollei Singapore (P.T.E.) Ltd. begann 1971 in gemieteten Räumen in Singapur die Fertigung der Klein­bild­kameras in Fernost. Neben den Rollei-Produkten wurden auch die in der Tradition der Zeiss-Ikon Kameras stehenden Modelle VSL und VF 101 gefertigt. Die geplante Messsu­cher­kamera VF 102 mit Wechsel­ob­jektiven kam nie in die Serien­fer­tigung. Während die Rollei 35 und die SL 35 in Singapur produziert wurden, erfolgte die Montage der SL 350 mit zeitgemäßer Offen­blend­messung ab 1974 in Braun­schweig.

Wenig konsistent legte man die SL 350 bald wieder auf Eis und brachte mit der SL 35 M und dem Zeitau­to­ma­tik­modell SL 35 ME, einer Weiter­ent­wicklung der von Rollei übernommenen Zeiss-Ikon SL706, Kameras auf den Markt, die in keiner Hinsicht überzeugen konnten. 1978 kam mit der von Grund auf neu konstru­ierten SL 35 E ein neues Kamera­modell in den Verkauf, das es wie seine Vorläufer auch unter dem zuvor erworbenen Namen Voigt­länder gab. Der zur SL 35 E erhältliche ansetzbare Motor­antrieb konnte nur auf dem Papier überzeugen. In der Praxis gab er schnell alle Funktionen auf und war aufgrund von Konstruk­ti­ons­fehlern im Bereich der Elektronik nicht reparierbar.

Dabei fühlte sich Rollei als einer der Techno­lo­gie­führer im Bereich der Fotoelek­tronik, seit man im Jahre 1967 die ersten Elektro­nen­blitz­geräte eingeführt hatte. Hier konnte man auf die in den USA bei Heiland und dem Rollei-Importeur Honeywell erfolgten Entwick­lungen zurück­greifen und die ersten Strobonare in Honeywell-Lizenz in Deutschland und später in Singapur fertigen. 1977 übernahm man den gesamten Fotobereich von Honeywell und machte daraus „Rollei USA“. Die Produktion der kleinen Blitz­geräte Beta 1–4 erfolgten beim Honeywell-Produk­ti­ons­partner Sankyo. Die Modelle Beta 5, 5F und 6 wurden wiederum in Singapur gefertigt. Nach der Insolvenz der Rolleiwerke wurde die Tochter in USA nicht weiter­geführt.

Foto der Rolleiflex SLX

Im Jahre 1974 hatte Rollei 1.648 Mitar­beiter in Braun­schweig, 314 in Uelzen und 5.696 in Singapur, machte 137 Millionen DM Umsatz und 37 Millionen DM Verlust, was dazu führte, dass Dr. Peesel am 26. August 1974 bei einem Schul­denstand von rund 500 Millionen DM aus dem Unter­nehmen ausschied. Am 1. April 1975 übernahm Peter Canisius Josef Peperzak, der bisherige Chef der deutschen Canon-Vertretung, die Geschäfts­führung in Braun­schweig.

Im folgenden Jahr konnte man mit der erstmals 1973 in Singapur vorge­stellten Rolleiflex SLX endlich auch ein neues zeitgemäßes Kamera­modell für das Mittel­format liefern. Mit dem P 3800 stellte man auf der photokina 1976 den weltweit ersten Kleinbild-Überblend­pro­jektor vor, nachdem der Überblend­pro­jektor des Nürnberger Herstellers Weber nicht über den Proto­ty­pen­status heraus­ge­kommen war. Der P 3800, der – wie zahlreiche Geräte von Rollei – in der ersten Generation noch von zahlreichen Kinder­krank­heiten befallen war, wurde ab 1980 in Singapur gefertigt. Zahlreiche Weiter­ent­wick­lungen und Verbes­se­rungen führten zur heute noch verfügbaren Rollei­vision-twin-msc-Reihe, von der es sogar Versionen gibt, die mit zwei Projektoren Stereo­bilder mit Überblend­pro­jektion zeigen können.

Doch auch die Ära Peperzak brachte den Braun­schweiger Hersteller nicht wirklich weiter. Er verließ das unter­nehmen am 28. Februar 1978. Der Eigentümer Nord/LB schickte daraufhin Heinz Wehling zum 1. März als neuen Geschäfts­führer. Um die Ferti­gungs­ka­pa­zitäten in Singapur auszu­lasten, wo man bis 1980 aufgrund eines Vertrages mit der Regierung 10.000 Mitar­beiter beschäftigen sollte, wurden ab 1979 auch Fremd­aufträge angenommen.

Als Rollei Deutschland 1981 Konkurs anmelden musste, machten die Rollei-Produkte aber immer noch 97 % der Produktion in Singapur aus, woraufhin das Werk geschlossen wurde. Der vorhandene Maschi­nenpark und die Werkzeuge gingen auf die Rolloptik Ltd. über und wurden einge­lagert. Die Produk­ti­ons­stätten wurden teilweise an AVIMO, später Thales und heute Qioptiq weiter­ge­reicht. Der Alu-Guss wurde an eine Tochter der austra­lischen BHP veräußert und im Werk Alexandra Road soll sich heute eine Postfiliale befinden. Die vielleicht markanteste Spur des Rollei-Abenteuers in Singapur dürfte die damals gegründete deutsche Schule sein.

In Deutschland hatte die Lage 1981 verzweifelte Züge angenommen. Zum 1. April 1981 übernahm Hannsheinz Porst mit seiner Deutsche Fotoholding GmbH die 97 % des Kapitals von Rollei Deutschland von der Nord/LB und erhielt bis 1982 eine Option auf die 75-%-Beteiligung der Nord/LB an Rollei in Singapur. Die Geschäfts­führung von Rollei teilte sich der von Agfa kommende Dr. Otto Stemmer mit Hannsheinz Porst.
 

Foto der Rolleiflex SL 2000 F

 
Kurz vor der Insolvenz im Sommer 1981 erschien mit der Rolleiflex SL 2000 F eine Kleinbild-Spiegel­reflex mit Wechsel­ma­gazinen und doppeltem Suchersystem (Licht­schacht und Fernrohr), die als Prototyp schon auf der photokina 1978 präsentiert worden war. Die Serie wurde mit der verbes­serten Nachfolgerin Rolleiflex 3003 und einer verein­fachten 3001 bis 1994 weiter­geführt.

Am 3. Juli 1981 stellte Porst beim Amtsgericht Braun­schweig Vergleichs­antrag. Die Namens­rechte an Voigt­länder und das entspre­chende Warenlager gingen an die Plusfoto-Gruppe und später durch den Zusam­men­schluss an Ringfoto.

Ab dem 1. Januar 1982 gab es die Rollei Deutschland GmbH, die bis zum 30. Juni 1983 den Abverkauf der Lager­be­stände und den Service der bisherigen Produkte durch­führte und die Rollei Gebäude GmbH mit ihrem Haupt­gläubiger Nord/LB, die die Grund­stücks- und Liegen­schafts­ver­waltung der bisherigen Produk­ti­ons­stätten übernahm. Die neu gegründete Rollei Fototechnic GmbH übernahm Produktion, Verkauf und später auch den Service des verbliebenen profes­sio­nellen Geschäfts. Allein­ge­sell­schafter der Rollei Fototechnic war die britische Rüstungsfirma USH (United Scientific Holding, die mit der Avimo Ltd. ebenfalls ein Tochter­un­ter­nehmen in Singapur unterhielt.

1986 nahm Rollei das Metric-Vermes­sungs­system, das auf eine Anregung von Professors Wilfried Wester-Ebbinghaus hin entstanden war, ins Programm auf. Der Bereich gehört heute zur Trimble Holding: RolleiMetric bei Trimble.

Nachdem sich die Ziele der USH mit Rollei auf dem Militärmarkt nicht reali­sieren ließen, wurde Rollei zum 10. Juni 1987 für 1 DM und mit 14 Mio. Schulden an die Schneider Gruppe von Heinrich Mandermann verkauft.

1991 stieg Rollei mit dem Digital ScanPack, einem anstelle des Filmma­gazins an einer Rolleiflex 6008 angesetzten Rückteils mit Zeilen­sensor, in das Digital­ka­me­ra­ge­schäft ein (Scanfläche 41,2x35 mm; Auflösung 5850x5000 Bildpunkte = ca. 30 Megapixel). 1994 folgte mit dem ChipPack (2048x2048 Bildpunkte; Sensor­fläche 30x30 mm) ein Rückteil mit einem Flächen­sensor.

Anfang 1995 übernahm Samsung aus Korea die Firmen­anteile für 57 Millionen Mark von Heinrich Mandermanns Schneider-Kreuznach – um sie schon 1999 in Folge der Asienkrise an eine Gruppe von Führungs­kräften von Rollei (Rollei-Geschäfts­führer Paul Dume zusammen mit sechs anderen Managern) weiter­zu­reichen (siehe auch: Rollei; tranchiert).

Bis zum 75 jährigen Firmen­ju­biläum im Jahre 1995 hatte Rollei insgesamt über 7 Millionen Kameras gebaut.

Foto der Rollei d530flex

Im November 2002 ging das Unter­nehmen an die Rollei Holding, hinter der Investoren standen, die mit der dänischen Invest­ment­ge­sell­schaft Capitellum in Kopenhagen und der Hongkonger Jebsen-Gruppe verbunden waren.

Obwohl Rollei eigentlich keine Massenware mehr liefern wollte, nahm man für den Amateurmarkt wieder Sucherkameras von Samsung und später auch von Ricoh (Prego micron) ins Sortiment auf. Später kamen dann Digital­kameras, erst von Skanhex und Premier, noch später dann auch von Kyocera oder Ricoh, dazu. Im oberen Segment wollte man mit den D-flex-Kameras aus eigener Produktion in Braun­schweig mitspielen. Die Kameras waren jedoch zu teuer, zu langsam und zu spät am Markt. Schon damals mussten wichtige Kompo­nenten aus Fernost zugekauft werden und somit war man letztlich nicht konkur­renzfähig. Als Metric-Kameras kommen die Modelle aus dieser Entwicklung jedoch bis heute erfolgreich zum Einsatz.

2004 gliederte die Rollei Fototechnic GmbH die Geräte­fer­tigung in die Rollei Produktion GmbH aus. Produziert wurden die Mittel­fo­mat­kameras bis zur 6008 AF, die zweiäugigen Rolleiflexen und zwei Projek­to­ren­linien. Die Rollei Produktion GmbH firmierte im September 2005 in Franke & Heidecke GmbH – Manufaktur für Feinme­chanik und Optik – um, wobei mit Kai Franke und Rainer Heidecke zwei Gründe­renkel als Namensgeber zu den Gesell­schaftern zählten. Mit der von Jenoptik bestellten und von Sinar (damals eine Jenoptik-Tochter) und später auch von Leaf verkauften Hy6 / AFi Foto der Hy6erzielte F&H nochmals einen Achtungs­erfolg, der aber aufgrund zahlreicher Ursachen (Liefer­ver­zö­ge­rungen, Produk­ti­ons­probleme, Objektiv-Liefer­probleme, …) und trotz des Einstiegs eines neuen Mehrheits­ge­sell­schafters nicht dauerhaft war. Am 27. Februar 2009 stellte Franke & Heidecke Insolvenzantrag.

Aus der ehemaligen Rollei Fototechnic war 2004 die Rollei GmbH geworden, die in der Hauptsache elektro­nische Produkte aus Fernost impor­tieren und unter der Marke Rollei verkaufen wollte. Unter dem ehemaligen Canon-Manager Dr. Oliver Fix wurde der Firmensitz nach Berlin in die Kantstraße unweit des Bahnhofs Zoo verlegt. Während der photokina 2006 kam dann jedoch das Aus für die fixen Ideen. Dr. Fix kehrte wohl zu Canon zurück und die Rollei GmbH gab das Handels­ge­schäft auf und kehrte nach Braun­schweig zurück. Heute gibt es in Braun­schweig neben der Rollei Holding GmbH eine Rollei GmbH, welche die Namens­rechte und Patente verwaltet, sowie die Rollei Immobilien GmbH & Co. KG und deren Komple­mentärin, die Rollei Immobilien Verwaltungs GmbH.

Die Marke Rollei wird von der RCP-Technik GmbH in Hamburg für den Vertrieb von digitalen Kameras, Scannern und digitalen Bilder­rahmen, und von der Hans O. Mahn GmbH & Co. KG in Hamburg-Stapelfeld für Filmma­te­rialien und Einweg­kameras genutzt. Wohl unabhängig von der deutschen Rollei wird die Marke Rollei von der unter dem Label Rollei Asia Pacific auftre­tenden J Pro Marketing Services Limited in Hong Kong genutzt, die zu Firmen­gruppe Jebsen & Co. Ltd. zählt. Als Namens­be­standteil in der Marke „Rollei­Metric“ nutzt auch die Trimble Holding GmbH in Raunheim den Namen weiter. Darüber hinaus wurden die Marken Rolleiflex und Rollei­vision von der insol­venten Franke & Heidecke GmbH genutzt. Die verbliebenen Reste aus dieser Linie werden derzeit von der DHW Fototechnik GmbH u.a. über ebay vermarktet.

Heute befindet sich auf dem alten Rollei-Gelände in der Salzdahlumer Straße neben der insol­venten Franke & Heidecke und der neu gegründeten DHW Fototechnik ein Gewer­bepark und zahlreiche kleinere Unter­nehmen wie die Klausolit Feinwerk Präzi­si­ons­geräte GmbH (u.a. Diapro­jek­to­renbau) und die Spürsinn Unter­neh­mer­ge­sell­schaft (haftungs­be­schränkt).

Wer sich für die Rollei-Geschichte inter­essiert, sollte sich die Rollei-Reports von Claus Prochnow, dem inzwischen verstorbenen ehemaligen Rollei-Konstrukteur, zulegen. In seiner zuweilen launigen Art ist auch das virtuelle Rollei-Museum von Jan Böttcher ein Genuss.

(CJ)
 

Nachtrag (1.2.2010; 15:50 Uhr): In der ursprüng­lichen Fassung war zur Marke Rollei (dritt­letzter Absatz) zu lesen: „… RCP-Technik in Hamburg, einem Ableger der Supra Foto Elektronik Vertriebs GmbH in Kaisers­lautern, …“. Wie uns RCP-Technik mitteilt, ist die Aussage falsch, dass die RCP-Technik GmbH ein Ableger der Supra Foto Elektronik Vertriebs GmbH ist. Der Text oben wurde entsprechend korrigiert.