Viele Fotografen fragen sich, welche Rechte sie eigentlich an ihren eigenen Bildern haben: Ein Exkurs zu den Rechten des Fotografen an seinen Fotografien

Die Grund­lagen für die Rechte des Fotografen an seinen Bildern sind im Urheber­recht zu finden. Diese Rechte zumindest in Grund­zügen zu kennen ist gerade in der digitalen Welt ungemein hilfreich, um Fehler im Bereich der „Bildrechte“ vermeiden zu können.

Urheber­recht

Das Urheber­recht schützt in einfachen Worten die Beziehung eines Urhebers zu seinem Werk. Nicht umfasst vom Urheber­recht ist der Schutz von Ideen. Der Schutz durch das Urheber­recht entsteht mit der Schaffung des „Werkes“; bei der Fotografie ganz einfach durch das Bestä­tigen des Auslösers und die daraus folgende Belichtung eines Daten­trägers, oder, wie es Juristen ausdrücken: „Eine Abbildung, die eine Strah­lungs­quelle (Licht, Wärme oder Röntgen­strahlung) durch chemische Verän­de­rungen auf strah­len­emp­find­lichen Schichten hervorruft.“ Die Art der Fotografie spielt also keine Rolle, es ist egal, ob es sich um eine tradi­tio­nelle Analog­auf­nahme oder eine moderne digitale Fotografie handelt; es ist im Übrigen für das Urheber­recht auch unerheblich, ob die Aufnahme mit einer Profi-Spiegel­reflex oder einem Handy mit Fotofunktion gemacht worden ist.

Es ist nicht erfor­derlich, auf sein Recht öffentlich hinzu­weisen, wie zum Beispiel durch die Verwendung eines Copyright-Symbols oder durch das Hinzu­fügen eines Wasser­zei­chens oder eines Namens­zuges. Ebenso ist es nicht erfor­derlich, sein Recht in ein Register o.ä. eintragen zu lassen.

Fotografie als Werk

Das Urheber­recht schützt immer das „Werk“, dieses wird laut Gesetz als eine „persönlich geistige Schöpfung“ definiert. Eine solche zeichnet sich durch eine gewisse Origi­na­lität und Indivi­dua­lität des Werkes aus; dies wird häufig auch als künst­le­rische Gestal­tungshöhe bezeichnet. An das Merkmal der „geistigen Schöpfung“ ist nach Ansicht der Recht­spre­chung keine zu hohe Anfor­derung zu stellen, es reicht vielmehr „ein Mindestmaß an persön­licher geistiger Leistung, wie es im Regelfall bei einfachen Fotografien gegeben ist.“ In der Praxis des Fotorechts spielt dieser Aspekt jedoch eine geringe Rolle, da Fotos, die das Kriterium der „geistigen  Schöpfung“ nicht erfüllen, trotzdem gesetzlich geschützt sind.

Der Gesetz­geber unter­scheidet nämlich bei Fotografien zwischen Licht­bild­werken – diese zeichnen sich durch die „persön­liche geistige Schöpfung“ aus – und einfachen Licht­bildern. Bei den einfachen Licht­bildern wird im Gegensatz zu den Licht­bild­werken bereits die rein technische Leistung des Fotogra­fierens geschützt. Der Grund, auch einfache Aufnahmen geschützt zu wissen, ist in der Historie des Gesetzes zu sehen. Früher bedeutete jedes Foto einen techni­schen und auch finan­zi­ellen Aufwand. Daher sollte dieser auch geschützt werden, gleich­gültig, ob das Foto „künst­le­risch“ war oder nicht. Ob aber im Zeitalter der Digital­fo­to­grafie eine solcher Schutz noch zeitgemäß ist, kann durchaus kritisch hinter­fragt werden. Im Gegensatz zu anderen Künstlern, wie zum Beispiel Grafikern, werden Fotografen durch diese Regelung privi­le­giert geschützt.

Es bleibt somit festzu­halten, dass alle Arten von Fotografien dem Schutz des Urheber­ge­setzes unter­fallen – von aufwendig insze­nierten Aufnahmen bis hin zu Schnapp­schüssen im Urlaub: alle Aufnahmen sind geschützt. Einen Unter­schied gibt es jedoch hinsichtlich des Umfangs des Schutzes; so sind künst­le­rische Licht­bild­werke durch das Gesetz etwas umfang­reicher geschützt als einfache Licht­bilder. Etwa sind einfache Licht­bilder nicht so lange geschützt wie Licht­bild­werke.

Rechte des Fotografen

Durch die Schaffung seines Werkes, also des Fotos selbst, stehen dem Fotografen als Urheber eine ganze Reihe von Rechten zu. Die Verwer­tungs­rechte sind in § 15 UrhG aufge­führt und umfassen das Recht auf Verviel­fäl­tigung, das Recht auf Verbreitung, das Ausstel­lungs­recht und auch die Vorführ­rechte des Werkes. Diese Rechte dienen dazu, dass der Urheber mit seinem Werk auch Geld verdienen kann. Dies kann er vor allem dadurch, dass er die ihm zuste­henden Rechte an Dritte überträgt und von diesen ein Honorar für Übertragung der entspre­chenden Rechte bekommt. Die Übertragung der Rechte kann frei verhandelt werden, so ist es durchaus üblich, die Rechte nur für eine bestimmte Zeit oder eine bestimmte Verwer­tungsart zu übertragen. Zudem ist es auch möglich, dass der Fotograf auf bestimmte Rechte freiwillig verzichtet; hier sei nur das Stichwort „Creative Common License“ erwähnt, bei welcher es genau um solche Konstel­la­tionen geht.

Verviel­fäl­ti­gungs­recht

Das Verviel­fäl­tigen ist die Herstellung weiterer Werkstücke, sprich Fotos, unabhängig vom Verfahren oder auch der Anzahl der Bilder. Dies Recht steht dem Urheber zu und er darf darüber bestimmen, ob es Kopien seiner Bilder gibt. Der Standardfall ist hier die Herstellung weiterer Fotoabzüge oder auch das Abfoto­gra­fieren eines Bildes. Beides steht einzig dem Urheber des Origi­nal­bildes zu. Auch das Ausdrucken eines Bildes auf dem heimi­schen Drucker ist eine Verviel­fäl­tigung, auch dies stellt einen urheber­rechtlich relevanten Vorgang dar. Ebenso ist das Speichern von Bildern auf CD-ROM, DVD oder Festplatten eine Verviel­fäl­tigung im Sinne des Gesetzes.

Das Einstellen eines Bildes im Internet ist ebenfalls eine Verviel­fäl­tigung und dieses Recht steht ebenfalls nur dem Urheber selbst zu; er darf einzig bestimmen, ob Bilder von ihm im Internet gezeigt werden. Die reine Verlinkung zu einem Bild stellt aber noch keine Verviel­fäl­tigung dar.

Verbrei­tungs­recht

Das Verbrei­tungs­recht ist in erster Linie wirtschaftlich zu verstehen, das bedeutet, der Urheber kann bestimmen, ob sein Bild öffentlich zum Kauf angeboten wird oder nicht. Juris­tisch wird dies als „Anbieten gegenüber der Öffent­lichkeit“ bezeichnet. Dieses Anbieten ist in erster Linie sicherlich für den Verkauf von Bildern relevant, jedoch gehören zu einem Anbieten im juris­ti­schen Sinne auch das Verleihen oder auch Verschenken von Fotos. Dieses Recht bezieht sich sowohl auf das Origi­nalbild selbst, als auch auf alle recht­mäßig erstellten Kopien.

Ausstel­lungs­recht

Dem Urheber steht das Recht zu, seine Fotos öffentlich zur Schau zu stellen. Dieses Recht bezieht sich jedoch nur auf unver­öf­fent­lichte Fotos. Sind die Fotos einmal im Rahmen einer Ausstellung gezeigt worden, muss der Fotograf weitere Ausstel­lungen dulden. Jedoch ist auch der Schutz des Fotografen insoweit gegeben, als er weiterhin das Verviel­fäl­ti­gungs­recht auf seiner Seite hat, er also einfach die Herausgabe weiterer Fotoabzüge unter­bindet und somit eine Ausstellung faktisch unmöglich macht.

Vorführ­rechte

Die Vorführ­rechte sind für den Fotografen im Grunde nicht sehr relevante Rechte. Einzig relevant ist die Projektion von Fotos mittels eines Projektors oder das öffent­liche Zeigen der Bilder auf einem Compu­ter­mo­nitor; dafür ist die entspre­chende Zustimmung des Fotografen erfor­derlich. 
 
Anerkennung der Urheber­schaft

Dies ist das Recht des Urhebers, zu bestimmen, ob das von ihm gemachte Foto mit seiner persön­lichen Urheber­be­zeichnung versehen wird oder nicht. Wo und in welcher Form und Weise dieser Urheber­schafts­nachweis angebracht wird, steht im Ermessen des Fotografen. Er kann diesen direkt auf das Foto schreiben, aber auch in den zum Foto gehörenden Begleittext. Bei digitalen Fotos ist es sicherlich sinnvoll, im Rahmen der in das Bild einge­bet­teten IPTC-Daten auf seine Urheber­schaft hinzu­weisen. Ebenso ist die Angabe einer Kontakt­mög­lichkeit in den IPTC-Daten für mögliche Inter­es­senten an den Bildern hilfreich.

Bearbeitung und Umgestaltung / Entstel­lungs­verbot

Diese Rechte schützen den Fotografen gegen eine unberech­tigte Verän­derung seines Bildes. Dies bedeutet, dass jede Bearbeitung oder Umgestaltung des Fotos mit dem Fotografen abgesprochen sein muss. Bei digitalen Aufnahmen greift man durch eine Bearbeitung nicht in die Substanz des Bildes ein. Daher ist hier eine behutsame Bildbe­ar­beitung auch ohne Zustimmung zulässig, soweit es sich um eine Verbes­serung der Bildqua­lität handelt. Kommt es dagegen zu einer inhalt­lichen Verän­derung des Bildes selbst, ist eine Bearbeitung nicht mehr zulässig. Aber auch hier gilt zu bedenken, dass bei einer Veröf­fent­li­chung dieses Bildes der Fotograf erneut um Zustimmung gefragt werden muss, da er, wie oben ausge­führt, auch das Veröf­fent­li­chungs­recht hat.

Das Entstel­lungs­verbot schützt darüber hinaus auch noch die indirekte Entstellung, das bedeutet, dass das Bild auch nicht in einem anderen Sachzu­sam­menhang veröf­fent­licht werden darf. So dürfen zum Beispiel Fotos von einem Badeurlaub nicht in einen porno­gra­phi­schen Zusam­menhang gerückt werden.

Schutz­dauer

Der Schutz des Urheber­rechts erlischt für Fotografien 70 Jahre nach dem Tod des Fotografen, bei den einfachen Licht­bildern 50 Jahre nach der Erstver­öf­fent­li­chung. Durch europa­recht­liche Regelungen können sich die Schutz­fristen eventuell verlängern.

Fazit

Dem Fotografen stehen wie darge­stellt eine Vielzahl von Rechten an seinen Bildern zu. Soweit es aller­dings um den Inhalt der Bilder selbst geht, muss der Fotograf bedenken, dass auch es auch Rechte Dritter geben kann. Um Rechts­strei­tig­keiten mit anderen Fotografen zu vermeiden, sollte das Urheber­recht auch im Netz beachtet werden und man sich bei der Übernahme von Fotos im Vorfeld erkun­digen, ob die Fotos übernommen werden dürfen.

(RA Tim Hoesmann)