Foto Hannes KilianDer Stutt­gar­ter Hannes Kilian ist ein Foto­jour­na­list, der bisher nicht mit großen Muse­ums­aus­stel­lun­gen geehrt wurde. Anläss­lich seines 100s­ten Geburts­tags ändert sich dies jetzt. In Berlin feiert man Kilian als einen der bedeu­tends­ten deut­schen Foto­gra­fen des 20. Jahr­hun­derts:

Hannes Kilian war in den ent­schei­den­den Momen­ten zur Stelle. Etwa, als sich Gary Cooper 1953 in Unter­türk­heim seinen neuen Mer­ce­des abholte. Hannes Kilian machte das Foto. Oder als 1945 in bester Stutt­gar­ter Innen­stadt­lage ein Hotel in einem ehe­ma­li­gen Bunker eröff­net wurde. Kilian war da. Er machte das Foto. Auch 1944 foto­gra­fierte er – als Stutt­gart in Trüm­mern lag.

1909 am Boden­see gebo­ren, machte Kilian eine Aus­bil­dung zum Foto­gra­fen in Kreuz­lin­gen, bevor er 1941 als Kriegs­be­richt­erstat­ter ein­ge­setzt wurde. Nach dem Krieg begann die Kar­riere als Pres­se­fo­to­graf. Kilian foto­gra­fierte unter ande­rem für das Time Maga­zine, die Pic­ture Post, die ZEIT, die Stutt­gar­ter Illus­trierte, Spie­gel, Stern, Vogue und Bunte.
 

Foto von Hannes Kilian; Ruine Haus Vaterland, Potsdamer Platz, Ostberlin 1949

Hannes Kilian: Ruine Haus Vater­land, Pots­da­mer Platz, Ost­ber­lin 1949
 
 
Foto von Hannes Kilian; Frauen bei Luxor, Ägypten 1956  Foto von Hannes Kilian; In den Dünen von Alicante, Spanien 1965

Hannes Kilian: Frauen bei Luxor, Ägyp­ten 1956 / In den Dünen von Ali­cante, Spa­nien 1965

 
Eigent­lich machte der Chro­nist Stutt­garts nur seine Arbeit, foto­gra­fierte für Tages­zei­tun­gen und Maga­zine die Zeit des Wie­der­auf­baus und des Wirt­schafts­wun­ders, aber irgend­wie, so ahnen wir heute, zehn Jahre nach seinem Tod, machte er auch mehr als das: machte Kunst. Jetzt, anläss­lich Hannes Kili­ans 100s­ten Geburts­tags, ehrt eine große Retro­spek­tive den Foto­gra­fen im Ber­li­ner Martin-Gro­pius-Bau – zudem ist ein opu­len­ter Bild­band erschie­nen. Die von Klaus Honnef zusam­men­ge­stellte Ber­li­ner Aus­stel­lung zeigt mehr als 300 Arbei­ten aus den Jahren zwi­schen 1937 und 1987 – aus­schließ­lich Ori­gi­nal­ab­züge.

Nicht nur ein aus­ge­zeich­ne­ter Rei­se­fo­to­graf, auch ein guter Por­trä­tist war Kilian, wie etwa Bild­nisse von Thomas Mann, Ludwig Erhard oder Gina Lol­lo­bri­gida zeigen. Es fas­zi­nie­ren auch seine Bilder von Heim­keh­rern – vor allem aber wurde er als Foto­graf des legen­dä­ren Stutt­gar­ter Bal­letts bekannt.
 

Foto Hannes Kilian; Stuttgarter Ballett: „Apollon Musagéte“, 1970

Hannes Kilian: Stutt­gar­ter Bal­lett: „Apol­lon Mus­a­géte“, 1970
 
 
Foto Hannes Kilian; Stuttgarter Ballett: „Apollon Musagéte“, 1970

Hannes Kilian: Otto Dix im Garten seines Hauses am Unter­see Hem­men­ho­fen, 1961

 
„Die Begeg­nung mit Bil­dern von Hannes Kilian ist die Begeg­nung mit einer (nicht bloß foto­gra­fi­sch) fast ver­ges­se­nen Welt“, sagt Honnef, der Kilian zu den bedeu­tends­ten deut­schen Foto­gra­fen des 20. Jahr­hun­derts zählt. „Kili­ans Blicke“, so Honnef, „deren Thema bis­wei­len auch nur die Blicke foto­gra­fier­ter Men­schen sind, schlie­ßen die Welt für einen Moment auf. Sie skiz­zie­ren Zusam­men­hänge über das Bild­ge­wor­dene hinaus, weil der Foto­graf mehr sah als die ande­ren, genauer ohne­hin – auch als die meis­ten Foto­gra­fen seiner Zeit.“

(Marc Peschke)
 
 
Aus­stel­lung:
Titelabbildung Hannes Kilian Martin-Gropius-Bau
Hannes Kilian – Foto­gra­fien
Nie­der­kirch­ner­straße 7
10963 Berlin
Bis 29. Juni 2009
Täg­lich 10–20 Uhr

Buch:
Klaus Honnef (Hrsg.)
Hannes Kilian: 1909-1999 (bei amazon.de)
Texte von Klaus Geitel, Klaus Honnef, Peter Kümmel und Ger­hard Sta­del­maier
Deut­sch, 352 Seiten. 342 Abbil­dun­gen
Gebun­den mit Schutz­um­schlag
Verlag Hatje Cantz 2009
ISBN 978–3-7757–2368-8
39,80 Euro
 
 
Siehe auch:
Fotografie Hannes Kilian
Fotografie-Ausstellung Hannes Kilian (Kul­tur­ma­ga­zin Stil­bruch; rbb online)
 

Nach­trag (27.4.2009): Link auf die Home­page zu Hannes Kilian am Ende des Arti­kels ergänzt.