Foto Ralf JannkeEin Exkurs zu Ver­gan­gen­heit und Gegen­wart dieser Spe­zi­al­ob­jek­tive, deren gera­dezu „unmög­li­che“ Bild­wie­der­gabe expe­ri­men­tier­freu­dige Foto­gra­fen immer mal wieder gerne nutzen:

Schlicht und ein­fach als Fisch­auge über­setzt, trifft die Bezeich­nung für diese Extrem­ob­jek­tive gleich in zwei­fa­cher Hin­sicht zu. Durch die bei den ersten Ver­sio­nen dieser Spe­zia­lis­ten extrem her­vor­ste­hende, stark gewölbte Front­linse erin­nert dieses Objek­tiv an das ebenso erha­bene „Glub­schauge“ eines Fisches. Das Auges des Fisches erfasst unter Wasser den gesam­ten Raum neben, über, unter und hinter sich. Je nach Sicht­weise nicht „nur“ 180 Grad, son­dern volle 360 Grad Rund­um­sicht. Den ver­gleich­ba­ren Effekt habe ich, wenn ich die Kamera mit einem Rund­bild-Fis­heye-Objek­tiv zur Auf­nahme ein­fach auf den Rücken lege. Der Bild­win­kel beträgt hori­zon­tal wie ver­ti­kal 180 Grad und das 360 Grad im Kreis.

Foto Ralf Jannke

Ein Fis­heye-Objek­tiv besitzt im Gegen­satz zum Super­weit­win­kel keine Rand­ab­dunk­lung (Vignet­tie­rung). Auf­grund dieser Eigen­schaf­ten waren und sind Fis­heye-Objek­tive für wis­sen­schaft­li­che Anwen­dun­gen prä­des­ti­niert. In der Meteo­ro­lo­gie oder Astro­no­mie dienen sie zur Über­wa­chung von Wol­ken­ver­tei­lun­gen und –wan­de­run­gen oder zur Bestim­mung von Azimut- und Zenit­win­keln von Ster­nen. Dar­über hinaus können so extrem kleine und enge Räume, wie etwa Brenn­kam­mern, Kessel oder Rohr­lei­tun­gen, über­wacht werden. Auch für die Städ­te­bau­pla­nung wurden sie ein­ge­setzt.

Nur in der Bild­mitte hat ein Fis­heye-Objek­tiv die ange­ge­bene kurze Brenn­weite. Alle Linien, die nicht durch die Bild­mitte laufen, werden bei der Fis­heye-Abbil­dung zum Rand hin immer stär­ker nach außen durch­ge­bo­gen, was sich dem Auge als extrem ton­nen­för­mige Ver­zeich­nung prä­sen­tiert.

Dass bei der­ar­ti­gen Kon­struk­tio­nen keine nor­ma­len Filter ver­wen­det werden können, erklärt sich von selbst. Aus diesem Grund haben prak­ti­sch alle Fis­heye-Objek­tive aus Ana­log­zei­ten ent­we­der einen soge­nann­ten Fil­ter­re­vol­ver, der das Ein­dre­hen ver­schie­de­ner Filter in den Strah­len­gang erlaubt, oder sie bieten die Mög­lich­keit, über der kame­ra­sei­ti­gen Rück­linse ent­spre­chende Spe­zi­al­fil­ter per Bajo­nett zu fixie­ren oder Filt­erfo­lien in eine Hal­te­rung zu schie­ben. Als Filter fun­gier­ten übli­cher­weise die Farben Grün oder Gelb, Orange und Rot für die Schwarz­weiß­fo­to­gra­fie, dazu UV- oder Sky­light­va­ri­an­ten. Manch­mal werden auch Filter ange­bo­ten, um mit für Tages­licht sen­si­bi­li­sier­ten Film auch bei Kunst­licht ohne Farb­stich foto­gra­fie­ren zu können.

Die gera­dezu „unmög­li­che“ Bild­wie­der­gabe rief auch expe­ri­men­tier­freu­dige Foto­gra­fen auf den Plan. Sie began­nen, diese Spe­zi­al­ob­jek­tive mit ihrer über­stei­ger­ten Wie­der­gabe für extreme Per­spek­ti­ven ein­zu­set­zen.

Die Geschichte des Fis­he­yes ist „rund“

- und untrenn­bar mit einem der wich­tigs­ten Her­stel­ler pro­fes­sio­nel­ler Kame­ras ver­bun­den: Nikon. Nach ersten Fis­heye-Objek­tiv-Expe­ri­men­ten für den meteo­ro­lo­gi­schen Dienst Eng­lands 1921 (Hill) und einem Zeiss-Fis­heye-Pro­to­ty­pen in den 30er Jahren, ent­wi­ckelte auch Nikon 1938 ein Fis­heye-Objek­tiv. Zwei Jahre vor Prä­sen­ta­tion der Spie­gel­re­flex­ka­mera „F“ stellt Nikon 1957 seine dann 1960 offi­zi­ell gelis­tete „Fis­heye-Kamera für die Wet­ter­be­ob­ach­tung“ vor, die Nikon Sky (Cloud) Camera. Das fünf­lin­sige 8/16 mm Rund­bild-Fis­heye mit 180 Grad Bild­win­kel ist fest mit dem Kame­ra­ge­häuse ver­bun­den, das mit 120er Roll­film gela­den wird. Für den Her­stel­ler von Klein­bild­ka­me­ras unge­wöhn­lich, denn hier han­delt es sich um eine Mit­tel­for­mat­ka­mera, die 6x6 cm große Nega­tive / Dias erzeugt. In diese Fläche pro­ji­ziert das 16 mm Fis­heye eine kreis­runde Abbil­dung von 5 cm Durch­mes­ser. Einen Sucher hat diese Kamera nicht, was für den Ein­satz­zweck – hori­zon­tale Aus­rich­tung – und bei der Objek­tiv­aus­füh­rung kein großes Pro­blem war. Ein ein­fa­cher Blick auf die spie­gelnde Ober­flä­che der Fis­heye-Front­linse genügt, um fest­zu­stel­len, was hin­ter­her auf dem Film abge­bil­det ist. Dieser Trick mit dem „Behelfs­su­cher“ funk­tio­niert mit eini­gen Fis­heye-Objek­ti­ven. Eine Fokus­sier­mög­lich­keit hat die Fis­heye-Kamera nicht. Die auch über­flüs­sig ist, denn das 8/16 mm bildet bereits bei offner Blende von weni­gen Zen­ti­me­tern Ent­fer­nung bis Unend­lich scharf ab.
 

8/8 mm Nikkor an Nikon F

8/8 mm Nikkor an der Nikon F

 
1962 stellte Nikon dann das erste 180-Grad-Objek­tiv der Welt fürs Klein­bild­for­mat vor: das 8/8 mm Rund­bild-Fis­heye. Die Abbil­dung ist kreis­rund bei 24 mm Durch­mes­ser. Danach ging es bei Nikon Schlag auf Schlag. 1965 kommt das 5,6/7,5 mm Fis­heye. Neben der höhe­ren Licht­stärke hat dieses Objek­tiv einen Bild­kreis von 23 mm, so dass auch bei gerahm­ten Dias die kreis­för­mige Abbil­dung nicht beschnit­ten wird.

Mit dem 5,6/10 mm OP prä­sen­tiert Nikon 1968 das ver­mut­lich erste Objek­tiv der Welt­pro­duk­tion mit einer asphä­ri­sch geschlif­fe­nen (Front-) Linse. Im Gegen­satz zu den ande­ren und fol­gen­den Rund­bild-Fis­he­yes folgt die Abbil­dung der ortho­gra­phi­schen Pro­jek­tion. Wer es gerne (in eng­li­scher Spra­che) nach­le­sen möchte, hier sind Quel­len zum OP-Nikkor mit Erklä­run­gen, Pro­dukt­fo­tos, Ver­gleichs­fo­tos und so weiter: NIKKOR - The Thousand and One Nights, 10mm f/5.6 OP FISHEYE-NIKKOR. Wer zudem Lust auf Physik hat, siehe auch „Orthografische Azimutalprojektion“ bei Wiki­pe­dia.

1969 kommt die nächste Sen­sa­tion. Mit unvor­stell­ba­ren 220 Grad Bild­win­kel ist das 5,6/6 mm Nikkor das erste Objek­tiv der Welt, das nach hinten sieht! Hier sind aben­teu­er­li­che Kon­struk­tio­nen zu bewun­dern, die das Bild des 5,6/6 mm über diverse Zwi­schen­ringe und Opti­ken auf den Bild­sen­sor einer Nikon D1 pro­ji­zie­ren: Using the 6 mm Nikon fisheye lens with the Nikon D1 camera und Adapting circular fisheyes to Nikon D1.

Foto Ralf Jannke

Blick von hinten ins geöff­nete Nikon-F-Gehäuse bei offe­nem Ver­schluss. Die Rück­linse des 8/8 mm Nik­kors ragt bis unmit­tel­bar vor den Ver­schluss. Genau wie bei den Nikkor-Nach­fol­gern und Spe­zia­lis­ten 5,6/7,5 mm, 5,6/10 mm OP und 5,6/6 mm. Platz für den Spie­gel ist da keiner mehr! Er muss hoch­ge­klappt und ver­rie­gelt sein, was ent­spre­chende Nikon-Gehäuse ermög­lich­ten. Der bei der Nikon F über die Rück­spul­kur­bel gescho­bene Zusatz­su­cher kann mit 160 Grad Bild­win­kel nur einen unge­fäh­ren Ein­druck von der Bild­wir­kung geben. Auch hier funk­tio­niert der schon genannte Trick mit der spie­geln­den Front­lin­sen­ober­flä­che als „Sucher“. Alle älte­ren Fis­heye-Objek­tive sind als Fix­fo­kus­kon­struk­tion ohne Ent­fer­nungs­ein­stell­mög­lich­keit aus­ge­legt. Was völlig uner­heb­lich ist, da von der Front­linse bis Unend­lich alles scharf ist.

Noch nicht genug?

1970 prä­sen­tiert Nikon ein völlig neues 8-mm-Fis­heye. Es ist mit einer größ­ten Öff­nung von 2,8 nicht nur ver­gleichs­weise super­licht­stark, son­dern in der soge­nann­ten Retro­fo­kus­bau­weise aus­ge­führt – siehe Weitwinkelobjektiv und Retrofokus bei Wiki­pe­dia. Bei dieser auf­wen­di­gen Bau­weise ragen keine Objek­tiv­teile mehr ins Kame­ra­ge­häuse, der Spie­gel kann auf- und abklap­pen und der Spie­gel­re­flex­ka­me­ra­su­cher wird end­lich wieder seiner Bestim­mung gerecht. Das Motiv lässt sich im Sucher aus­rich­ten, kon­trol­lie­ren, und so weiter. Durch die Licht­stärke fallen die Abmes­sun­gen und das Gewicht des Objek­tivs aller­dings ent­spre­chend aus: Durch­mes­ser 123 mm, Länge 139 mm, Gewicht 1100 g.
 

Fisheye-Nikkor 2,8/8 mm; Foto Ralf Jannke

Fis­heye-Nikkor 2,8/8 mm

 

Foto Ralf Jannke

Dieses 2,8/8 mm war übri­gens der Aus­lö­ser für diesen Bei­trag zum Thema Fis­heye. Mit einer Beule im Schutz­ring und einer nicht mehr ganz tau­fri­schen Front­linse wurde es bei ebay ange­bo­ten. Offen­sicht­lich wollte es kein Samm­ler haben. Ledig­lich der Blen­den­ring musste per Feile auf die aktu­elle Nikon-AI-Kupp­lung „umge­baut“ werden. Das kos­tete zwar die für Nikon F/F2 benö­tigte Mit­neh­mer­ga­bel (im Foto mit rotem Kreis und Pfeil mar­kiert) zur mecha­ni­schen Belich­tungs­mes­ser­an­kop­pe­lung, aber dafür passt das 2,8/8 mm jetzt auf fast jede moderne Nikon (D)SLR.

Foto Ralf Jannke

An der D300 und ver­gleich­ba­ren Kame­ras mit APS-C-großem Bild­sen­sor 15x23 mm geht das Rund­bild ver­lo­ren, das Objek­tiv bleibt trotz­dem ein wirk­lich nettes „Spiel­zeug“. Statt zu ver­su­chen, aus dem vor­han­de­nen Bild ein Recht­eck aus­zu­schnei­den, sollte man – spe­zi­ell bei Hoch­for­mat­auf­nah­men – gleich die Run­dung in die „Kom­po­si­tion“ ein­be­zie­hen. Siehe Bild­bei­spiel links mit dem 2,8/8 mm an der Nikon D300.

Wer gedacht hatte, dass mit dem 2,8/8 mm das letzte Nikon Fis­heye-Ass aus­ge­spielt war, wurde 1972 eines bes­se­ren belehrt. Nikon prä­sen­tierte das licht­stärkste und extremste „Super­ul­tra­hy­per­weit­win­kel“ der Welt. Wieder eine Brenn­weite von 6 mm und 220 Grad Bild­win­kel, aber jetzt mit Licht­stärke f/2,8. Und wie das 2,8/8 mm eben­falls in Retro­fo­kus­bau­weise aus­ge­führt. Mit gigan­ti­schen Abmes­sun­gen von 236 mm Durch­mes­ser bei 171 mm Länge und einem Gewicht von 5200 g lässt dieses Objek­tiv auch große Kame­ra­ge­häuse zum reinen Film­hal­ter „schrump­fen“. Ohne Über­trei­bung kann fest­ge­hal­ten werden, dass mit diesem Unge­tüm die Ent­wick­lung des Rund­bild-Fis­he­yes abge­schlos­sen ist.

Hier ein paar wei­tere Infos und Fotos von und mit dem 2,8/6 mm Nikkor: Jarle Aasland und Fisheye-Nikkor 6mm f/2.8 lens.

Die „runden“ Fis­heye-Fotos waren zwar ein Hin­gu­cker, doch die Leute hatten sich an dem Effekt auch bald satt gese­hen. Dem konnte abge­hol­fen werden. 1972 stellt Nikon das 3,5/16 mm Fis­heye vor. Im Gegen­satz zur kreis­för­mi­gen Abbil­dung aller Vor­gän­ger besitzt das neue 16-mm-Nikkor einen Bild­kreis von 43 mm. Es zeich­net damit das kom­plette Klein­bild­for­mat 24x36 mm aus.

Foto Ralf Jannke

Das Voll­for­mat-Fis­heye-Objek­tiv ist gebo­ren

1978 folgt das licht­stär­kere 2,8/16 mm Nikkor, 1993 die Auto­fo­kus-Ver­sion: 2,8/16 mm AF D Nikkor. Nach­dem Nikon sich bis zum Erschei­nen der ersten eige­nen Voll­for­mat-DSLR (Nikon D3, 2007) lange Zeit auf den ca. 15x23 mm klei­nen Bild­sen­sor fest­ge­legt hatte, kam 2003 fol­ge­rich­tig noch ein nur für diese Sen­so­ren gerech­ne­tes 2,8/10,5 mm AF DX Nikkor. Auf­grund der schein­ba­ren Brenn­wei­ten­ver­län­ge­rung – bzw. exakt Bild­win­kel­ver­rin­ge­rung – um den (neu­deut­sch) Cropf­ak­tor oder Divi­sor von 1,5 wirkt das 10,5 mm Nikkor wie ein (gerun­det) 16-mm-Objek­tiv im Klein­bild-Voll­for­mat.

Inter­net­quel­len für Nikon Fis­he­ye­ob­jek­tive

Wenn es um die Geschichte der Fis­he­yes spe­zi­ell von Nikon geht, ver­dient die gleich genannte Seite nur ein Prä­di­kat: phä­no­me­nal. Ein­zi­ger Wer­muts­trop­fen: die Seite ist in ita­lie­ni­scher Spra­che gehal­ten. Im Gegen­satz zum schreck­li­chen Kau­der­wel­sch ande­rer Auto­ma­tik­über­set­zun­gen lie­fert Babel­fish http://babelfish.altavista.com/ davon aber eine ganz pas­sa­ble Über­set­zung in Eng­li­sch. Hätte man gedacht, dass die 220 Grad Bild­win­kel des 6 mm schon das Maxi­mum dar­stel­len, berich­tet die ita­lie­ni­sche Seite sogar von der Rech­nung eines 6 mm Fis­heye-Nikkor Pro­to­typs, der einen Bild­win­kel von 270 Grad gehabt hätte… Viel Spaß mit dieser Inter­net­adresse: la storia completa dalle origini a oggi, con 9 prototipi fra i quali un 4mm da 270°!. Einen deut­schen Bei­trag „Das Fisch­au­gen­ob­jek­tiv“ finden Sie unter Das kleine Schwarze: Nikkor Fisheye 10.5/2.8 DX G ED und „Nikon System online“ lie­fert in Deut­sch zahl­rei­che Infor­ma­tio­nen zum Thema „Objektive - Spezialobjektive - Fisheye“.

Eine eng­lisch­spra­chige Tabelle über die von Nikon pro­du­zier­ten Fis­heye-Objek­tive nennt noch eine wei­tere Rari­tät, ein 1968 ent­wi­ckel­tes, soge­nann­tes SAP-230 (Grad) Fisheye-Nikkor 5,6/6,2 mm, das nie in den Ver­kauf gelangte. Sobald es um ana­loge wie digi­tale Kamera- und Objek­tiv-Geschichte geht – nicht nur über Nikon – sind diese Seiten aus Malay­sia eine wahre Fund­grube: Additional Information on Fisheye-Nikkor lenses .

Genug der Nikon-Lob­prei­sun­gen

Was hatten die ande­ren Kamera-/Objektivhersteller dage­gen­zu­set­zen? In alpha­be­ti­scher Rei­hen­folge:

Canon

1973 prä­sen­tierte Canon sein FD 5,6/7,5 mm S.S.C Rund­bild-Fis­heye. Eine Fix­fo­kus­kon­struk­tion in Retro­fo­kus­bau­weise, die die Benut­zung des Spie­gel­re­flex­ka­me­ra­su­chers gestat­tet. Im glei­chen Jahr kommt auch das Canon FD 2,8/15 mm S.S.C Voll­for­mat-Fis­heye. Diese beiden Objek­tive weisen noch das alte Canon-FD-Bajo­nett auf, bei dem die Objek­tive per Chrom­über­wur­fring fixiert werden.
1979 kommt das neue 5,6/7,5 mm Canon FD und 1980 das 2,8/15 mm FD.
1987 bringt Canon das 2,8/15 mm EF für die EOS heraus.

Foto Ralf Jannke

Minolta (Leitz)

Aus der zwi­schen 1958 und 1966 gefer­tig­ten Rokkor-Objek­tiv­reihe stammt das UW-Rokkor-PG 9,5/18 mm; siehe Rokkor 18mm f/9.5 und UW-Rokkor-PG 9,5/18 mm. Es ist das erste Retro­fo­kus Voll­for­mat-Fis­heye der Welt. 1972 erschei­nen das Minolta 4/7,5 mm MC (Rund­bild) Fis­heye Rokkor-X und das 2,8/16 mm MC Rokkor-X (Voll­for­mat). Diese Objek­tive gibt es später auch in MD-Ver­sion. Mit größ­ter Wahr­schein­lich­keit stammt auch das Leitz Fis­heye-Elma­rit-R 2,8/16 mm (1974) aus der Zusam­men­ar­beit Minolta / Leitz. Fotos unter: MD 7.5mm f/4 und MD 16mm f/2.8, und hier das Leitz-Fis­heye: Fisheye Elmarit 2,8/16 mm.

1985 prä­sen­tiert Minolta der Welt die erste in Serie gefer­tigte Auto­fo­kus-Spie­gel­re­flex, die Dynax 7000. Dazu gibt es 1986 auch das 2,8/16 mm AF Fis­heye, das nach der Über­nahme von Koni­ca­Mi­nolta durch Sony als „Sony Alpha 2,8/16 mm Fis­heye (2006) weiter pro­du­ziert wird.

Inter­net: Minolta/Konica Minolta/Sony Alpha lens data

Olym­pus

1975/76 kommt das 3,5/16 mm Zuiko Voll­for­mat­fis­heye. Foto/Linsenaufbau: Zuiko Fisheye 16mm/F3.5.
1977 erscheint das 2,8/8 mm Zuiko Rund­bild­fis­heye in Retro­fo­kus­bau­weise. Foto/Linsenaufbau: Zuiko Fisheye 8mm/F2.8 sowie ZUIKO Circular Fisheye 8mm f/2.8.
2005 prä­sen­tiert Olym­pus sein Zuiko Digital ED 3,5/8 mm Fisheye für die Fourt­hirds-DSLR-Linie. Die Abbil­dung ent­spricht ein 16-mm-Voll­for­mat-Fis­heye auf Klein­bild- / Voll­for­mat.

Pentax

1963: Fish-Eye Taku­mar 11/18 mm, Fix­fo­kus­kon­struk­tion in Retro­fo­kus­bau­weise. M42 Schraub­an­schluss. Fotos: FishEye Takumar 18mm F11 und Pentax Fish-eye takumar 18mm f11.
1967: Fish-Eye-Taku­mar 4/17 mm. Fotos: Super-Fish-eye Takumar 17mm f/4.0.
1971: Fish-Eye-Taku­mar 4/17 mm Super Multi Coated. Infos, Fotos: K 17/4 Fish-Eye und 17mm Fish-Eye.
1982: Ein nie in Serie gegan­ge­ner 2,8/8,4 mm Pentax Fis­heye-Pro­to­typ. Infos, Foto: K 8.4/2.8 Fish-Eye und Foto 2,8/8,4 mm Pentax Fisheye-Prototyp.
1985: Pentax A Fish-Eye 1:2,8/16 mm. Infos, Fotos: A 16/2.8 Fish-Eye.
1995: Pentax F 3,5–4,5/17–28 mm Fis­hEye. Infos, Foto: F 17-28/3.5-4.5 Fish-Eye.
2006: Nur für Kame­ras mit ca. APS-C Bild­sen­so­ren (15x23 mm) kommt das SMC DA Fisheye 3,5-4,5/10-17 mm ED (IF) auf den Markt. Es wird in Koope­ra­tion mit / von Tokina gebaut.

Sigma

Was Fis­heye-Objek­tive angeht, war der unab­hän­gige (Fremd-) Her­stel­ler immer schon sehr umtrie­big. Das manu­ell zu fokus­sie­rende 2,8/16 mm konnte durch seinen uni­ver­sel­len YS-Anschluss an ver­schie­de­nen Kame­ras adap­tiert werden. Es gab auch Ver­sio­nen mit festem Bajo­net­t­an­schluss. Mitt­ler­weile bietet Sigma für die wich­tigs­ten Her­stel­ler von Klein­bild-SLRs Rund­bild-Fis­heye-Objek­tive von 8 mm Brenn­weite mit Licht­stärke 3,5. Weiter ein Voll­for­mat-Fis­heye mit 15 mm Brenn­weite und Licht­stärke 2,8. Aktu­ell hat Sigma die beiden Fis­heye-Abbil­dungs­ar­ten auf digi­tale Spie­gel­re­flex­ka­me­ras mit 15x23 mm APS-C-Bild­sen­so­ren über­tra­gen und ein 2,8/4,5 mm Rund­bild- und ein 2,8/10 mm Voll­for­mat-Fis­heye vor­ge­stellt.

Tokina

2006 prä­sen­tierte der unab­hän­gige (Fremd-) Objek­tiv­her­stel­ler Tokina sein inter­es­san­tes 3,5-4,5/10-17 mm Fisheye-Zoom. Die Ähn­lich­keit nicht nur der opti­schen Daten mit dem 10–17 von Pentax ist kein Zufall. Ob Tokina nun im Auf­trag nach Pen­taxvor­ga­ben fer­tigt oder das Design ledig­lich für Pentax ange­passt hat, und auch unter eige­nem Namen anbie­ten darf, ist uner­heb­lich. Her­aus­ge­kom­men ist ein super­kom­pak­tes Fis­heye-Zoom, das in jede Foto­ta­sche passt.

Zeiss

1975 wurde das Contax 2,8/16 mm Zeiss F-Dis­t­a­gon T* AE prä­sen­tiert. Infos und Fotos gibt es hier: Other Zeiss lens for CONTAX 35mm.

2,8/16 mm Zenitar; Foto Ralf Jannke

Fisch­eier“ aus rus­si­scher Pro­duk­tion

Die Ein­schrän­kun­gen der gleich vor­ge­stell­ten Fis­heye-Objek­tive gegen­über ent­spre­chend teuren Ori­gi­nal- oder Sigma-Objek­ti­ven bestehen im feh­len­den Auto­fo­kus (bei dieser Brenn­weite völlig uner­heb­lich!), Arbeits­blen­den­mes­sung (dunk­les Sucherbild) und allen­falls Zeit­au­to­ma­tik. All das ist zu ver­schmer­zen, da man bei diesen Brenn­wei­ten selbst bei voller Öff­nung extreme Schär­fen­be­rei­che bekommt und die Belich­tung wegen des rie­si­gen Bild­win­kels ohne­hin besser manu­ell bestimmt und steu­ert.

Das 3,5/8 mm Peleng Rund­bild-Fis­heye ist für rund 300 Euro Neu­preis bei ebay zu finden. Das 2,8/16 mm Zeni­tar Voll­for­mat-Fis­heye fürs Klein­bild-Voll­for­mat ist für rund 150 Euro neu bei ebay zu finden. Die Seite mit dem sin­ni­gen Titel „Fun with Fisheyes“ (Spaß mit Fisch­au­gen) berich­tet über Erfah­run­gen mit dem Zeni­tar und dem Peleng. Hier noch ein gele­gent­lich auch bei ebay auf­tau­chen­des 8/12 mm „Semi­fis­heye“:
 

8/12 mm Vemar; Foto Ralf Jannke

8/12 mm Vemar auf der Kodak / Nikon Pronea 6i/DCS 330

 
Dieses Teil gab es unter ver­schie­de­nen Bezeich­nun­gen: Accura, Ber­of­lex, Bero­lina, Pano­mar, Sigma, Spi­ra­tone, Uni­versa und Vemar. Mög­li­cher­weise gab es da große qua­li­ta­tive Unter­schiede oder Seri­en­streu­un­gen. Obwohl mein Exem­plar kei­ner­lei Staub, Trü­bung oder Pilz auf­weist, bildet dieses 8/12 mm so über­strahlt und weich ab, dass es unbrauch­bar ist. Wer so etwas bei ebay erwirbt, sollte Rück­gabe ver­ein­ba­ren. Unter The Strange Case of the 12mm Fisheye gibt es einige Infor­ma­tio­nen und (nicht flaue) Fotos dazu.

Fis­heye-Vor­sätze

Ein Bei­trag über Fis­heye-Objek­tive wäre ohne die Erwäh­nung von Fis­heye-Vor­sät­zen unvoll­stän­dig. Hier zwei typi­sche Ver­tre­ter dieser Hilfs­mit­tel:

Beson­ders erwäh­nens­wert ist der unter ver­schie­de­nen Namen ver­trie­bene „Sami­gon Spi­ra­tone Soli­gor Kenko Kalcor 180 Fis­heye Auxi­l­i­ary Lens“ Objek­tiv­vor­satz. Offen­sicht­lich auf­wen­di­ger gefer­tigt als der sonst opti­sch min­der­wer­tige Ramsch, weist dieser Vor­satz sogar eine eigene Blende auf. Er macht mit seinem Brenn­wei­ten­fak­tor von 0,15 das (28)30 bis 55 mm Weitwinkel-/Normal-Objektiv zum Fis­heye. Infos und Fotos gibt es hier: Samigon Spiratone Soligor 180 Fisheye Auxillary Lens.

Nikon stellte 1998 seinen eigens für die Nikon-Cool­pix-Reihe gerech­ne­ten Fis­he­ye­vor­satz FC-E 8 vor. Der FC-E8 wirkt je nach Brenn­wei­ten- / Menüein­stel­lung wie ein Rund­bild- oder Voll­for­mat­fis­heye.

Krum­mes gerade rech­nen

Die Defor­mie­rung lässt sich bei Bedarf mit (kos­ten­lo­ser) Soft­ware kom­plett raus­rech­nen. Das ist ein pro­ba­tes Mittel, zu viel ver­zeich­nungs­freiem Bild­win­kel zu kommen. Nikon bietet mit seiner Cap­ture-Soft­ware neben der Roh­da­ten-Kon­ver­tie­rung auch die Mög­lich­keit, ein mit dem 10,5-mm-Vollformat-Fisheye auf­ge­nom­me­nes Foto kom­plett in eine „gerade“ Super­weit­win­kel­auf­nahme umzu­rech­nen. Das funk­tio­niert aber auch bei ande­ren Fis­heye-Objek­ti­ven und das sogar mit kos­ten­lo­ser Soft­ware. Wobei hier an erster Stelle das geniale Pho­to­shop Plug-in panotools des deut­schen Pro­fes­sors Helmut Dersch zu nennen ist. Hier Vorher-Nach­her-Bei­spiele für die Pano­tools:
 

Fotos Ralf Jannke

 
Eben­falls kos­ten­los, aber aus­schließ­lich für Apple Mac­in­tosh-Com­pu­ter: DeFish for Mac. Ganz am Ende der Inter­net­seite ist die Schalt­flä­che für den Down­load und das Tuto­rial zu finden: Making Environment Maps from Fisheye Photographs. Siehe auch DeFish - 2.1.1 bei ver­si­ontra­cker.

(Ralf Jannke)