Foto der Nikon D700Vor wenigen Tagen erst wurde sie präsen­tiert, die D700 – wir können bereits mit einem ausführ­lichen Test der Vollformat-Nikon aufwarten und vergleichen sie da, wo es hilfreich ist, auch mit der D3 und der D300: Welches also ist die bessere, die beste, Nikon?

Ich bin ein ziemlich glück­licher „homo photo­gra­phicus“ weil ich schon einen Tag nach der offizi­ellen Präsen­tation der D700 eine Demokamera auf ein paar Tage geliehen bekam. Also hieß es, die Zeit gut nutzen, Aufnahmen machen, auspro­bieren, testen, um dann zu einer Meinung kommen. Wenn Sie meinen ganzen Bericht nicht lesen möchten und nur eine Zusam­men­fassung möchten – hier ist sie: Kaufen Sie diese Kamera!

Die Kamera und ich

Foto der Nikon D700 mit MB-D10

Ich bin nicht oft so enthu­si­as­tisch, aber die D700 hat es mir einfach angetan – sie ist (gerade) noch leistbar, macht herrliche Aufnahmen, liegt hervor­ragend in der Hand, kann fast alles, und das sehr gut.

Ein Bericht sollte syste­ma­tisch sein und versuchen, objektiv die Eigen­schaften und Merkmale darzu­stellen – aber da dieser Bericht nicht von einem Roboter geschrieben wurde, ist er auch subjektiv gefärbt – durch mich, den Autor. Ich gebe zu: ich bin seit Jahren im Kleinbild sehr Nikon-affin, was aber nicht bedeutet, dass ich nur mit Nikon photo­gra­phiere. Im Gegenteil, ich photo­gra­phiere vor allem im Mittel­format mit zwei Rollei SL 66 (SE), einer Mamiya RZ67Pro II und im Großformat mit Linhof und Plaubel. Großformat dann, wenn ich Landschaften aller Art festhalten möchte.

Warum dann eine digitale Klein­bild­kamera? Warum überhaupt Digital?

Die digitale Photo­graphie hat in den letzten Jahren einen beein­dru­ckenden Aufschwung genommen und hat die konven­tio­nelle Photo­graphie, die Photo­graphie mit Film, überholt. Der Grund ist nicht nur die stetige Verbes­serung der Aufnah­me­sen­soren, sondern auch die oft vorhandene Notwen­digkeit, Bildin­for­ma­tionen praktisch sofort weiter­ver­ar­beiten und publi­zieren zu müssen, um mit der schnell­le­bigen Gesell­schaft mitzu­halten.

Werbung etwa, früher für einen Zeitraum von vielen Monaten bis zu einem Jahr konzi­piert, wird heute oft nur für wenige Tage oder Wochen produ­ziert, um dann von neuer visueller Infor­mation abgelöst zu werden.

Die Liste digitaler Anwen­dungs­be­reiche ist lang und komplex und daher haben die führenden Kamera­her­steller auch eine Reihe von Kameras entwi­ckelt, die praktisch alle Anwen­dungs­ge­biete abdecken können. Die Nikon D700 passt nach meiner Meinung zum oberen Segment anspruchs­voller Photo­graphen, die aber nicht schnellste Bildfolge und praktisch unbegrenzte Verfüg­barkeit brauchen – Qualität ist wichtiger als maximale Schnel­ligkeit (dabei sind 5 bzw. 8 Bilder pro Sekunde ja nicht gerade langsam).

Gehäuse, Verschluss und Sucher

Die D700 ist kleiner als die Nikon D3 (außer man verwendet den optio­nalen Batte­rie­ansatz, der dann 8 B/s ermög­licht), leichter (etwa 250 Gramm leichter), und nur wenig größer als die D300, was vor allem dem Sucher geschuldet ist, der ja größer ist, weil die D700 einen Vollfor­mat­sensor hat und nicht wie die D300 den kleineren DX-Sensor. Der Größen­un­ter­schied zwischen D3 und D700 ist in der Produkt­auf­nahme von Nikon gut erkennbar – wenn man aller­dings das Batte­rieteil an die D700 ansetzt ist er praktisch hinfällig.
 

D700 (links) und D3 im Vergleich

 
Der Verschluss – nun ja, er ist nicht für 300.000 Aufnahmen ausgelegt, sondern für 150.000 Aufnahmen. Doch ist das ein Problem? Ich denke nicht. Sofern man 300 Aufnahmen pro Tag macht, ist die Kamera nach 1 1/2 Jahren wahrscheinlich reif für den Service – doch wer macht 300 Aufnahmen jeden Tag an 365 Tagen – die angepeilte Käufer­schicht sicher nicht. Sie können leicht selbst ausrechnen, wie lange der Verschluss der D700 bei Ihrem Fotogra­fier­auf­kommen mindestens halten wird.

Und wie sieht es mit dem Zeitablauf des Verschlusses aus? Schnell ist er – 4/100 Sekunden Auslö­se­ver­zö­gerung und 0,12 Sekunden Verzö­gerung beim Einschalten – das ist kaum merklich. Die D700 erzeugt ein hörbares Auslö­ser­ge­räusch, das ist aber leise; die Vibration bleiben durchaus erträglich und im Rahmen des normalen Verhaltens eines Schwing­spiegels. Außerdem kann man ja den Spiegel voraus­lösen, was ich bei auflö­sungs­kri­ti­schen Aufnahmen fast immer mache.

Foto der Rückseite der Nikon D700

Der Sucher der D700, um mit einem der wichtigen Details fortzu­fahren, ist groß, hell und infor­mativ, ohne überladen zu sein. Alle wichtigen Daten sind lesbar und vorhanden. Hier spielt der Vollfor­mat­sensor seine Vorzüge aus – für mich einer der Aspekte, warum ich Vollfor­mat­ka­meras den DX-Kameras vorziehe. Der Sucher zeigt etwa 95% des aufge­nom­menen Bildes, was das Umlenk­prisma etwas kleiner als das der D3 macht, aber die fehlenden 5%, des Bildrandes – naja, die hätte ich schon recht gerne. Doch man kann auf Liveview umschalten, wenn das kritisch ist. 95% sind zwar „normal“ bei den meisten SLR-Kameras, aber die 99,5% einer D3 und D300 sind schon recht fein. Genau das, was man sieht, bekommt man auch.

Wenn man DX-Objektive, die für den kleineren Sensor also, verwendet, schaltet die Sucherfeld­au­to­matik ein passendes Rechteck als Maske ein (bei der D3 ist es eine abschat­tende Vollmaske) und man sieht das kleinere Bildfeld – sehr praktisch!

Nur das 5:4 Format­ver­hältnis, das die D3 bietet, das hat die D300 (noch) nicht – dieses 5:4 ist für mich sehr attraktiv, da ich es gut für Portraits verwenden kann und es auch dem 4x5-Verhältnis einer Großbild­kamera entspricht. Das 4:6 Verhältnis von 24x36 ist für Landschafts­auf­nahmen oft eine bessere Wahl, aber nicht alles, was man aufnimmt, sind Landschaften.

Der Monitor auf der Rückseite – in Qualität und Größe dem der D3 gleichend – ist groß, hell und genau genug, um einige Vorent­schei­dungen, die Aufnah­me­qua­lität betreffend, fällen zu können.

Die „Live-View“-Funktion, die es ja erstmals bei der D3 / D300 gab, kann man nun mit dem künst­lichen Horizont überlagern – ganz nett, nur nicht exakt genug, um die Kamera wirklich genau horizontal auszu­richten – aber sicher für viele eine wertvolle Hilfe. Ich brauche den künst­lichen Horizont nicht – er ist ja wie bei der D3 auch nur horizontal vorhanden, nicht aber für vertikale Aufnahmen, was vielleicht noch ein attrak­tives Hilfs­mittel wäre.
 

Foto

Links: Virtu­eller bzw. künst­licher Horizont; rechts: LiveView einer Szene

 
Live-View ist recht nett, für mich aber durch den sehr hellen Sucher seltener inter­essant – nur in Fällen, wenn es wirklich auf den ganz genauen Bildaus­schnitt ankommt. Wie bereits erwähnt, zeigt die D700 ja nicht 100% des Bildes, sondern die üblichen 95%.

Die Bedien­ele­mente sind praktisch exakt so wie bei der D300 angeordnet, da ist kaum ein Unter­schied. Der Verschluss des Suchers (links des Sucherein­blicks zu erkennen) ist wichtig – die Belich­tungs­messung wird von Licht, das durch den Sucher fällt (z.B. bei der Arbeit vom Stativ), beein­flusst – bei durch­schnittlich hellem Motiv um immerhin 1–2 Blenden­stufen.

Ein nettes Feature, wie ich finde, ist der spezielle „Fn“-Druckknopf auf der rechten vorderen Seite, dem man irgendeine der vielen Funktionen zuordnen kann – ich habe diese Taste mit der Reihen­be­lich­tungs­funktion belegt (nachdem ich diese lange gesucht hatte und dann endlich mit Hilfe des Nikon-Kunden­dienstes unter mehreren Lagen von Menüein­trägen verborgen fand).

Foto der Nikon D700

Die D700 hat auch wie die D300, einen einge­bauten Blitz – nicht, dass dieser einen kraft­vollen Aufsteck­blitz ersetzen kann und will. Aber er ist gut – gut genug, um für viele Fälle als ausrei­chender Aufhell­blitz zu fungieren. Wie alle diesen einge­bauten Blitze schattet auch er (wie auch der der D300) den unteren Bildrand ab, sofern Objektive / Sonnen­blenden großen Durch­messers benutzt werden – da ist der Abstand des Blitzes von der optischen Achse einfach zu gering. (Der ebenfalls neue Aufsteck­blitz Speedlight SB-900 hat viele attraktive Eigen­schaften und ist eine sehr inter­es­sante Ergänzung zur D700, nur leider nicht billig.)

Die Speicherung der Bilder ist auf eine einzige Compact­Flash-Speicher­karte beschränkt (35 MB/sec Ausle­se­ge­schwin­digkeit – schnelle Karten verwenden!) – ein Zugeständnis an die „nur“ semipro­fes­sio­nelle Kunden­gruppe. Das simultane Backup wie bei einer D3 ist hier nicht möglich. Die CF-Karten sind aller­dings sehr robust, und der eine Slot sollte nun wirklich fast immer reichen. Ich habe mit einer 4-GB-CF Karte gearbeitet, und auf dieser kann man 201 Aufnahmen im RAW-Format speichern – nicht genug für einen Sport­re­porter (sollte der wider Erwarten im RAW-Format und nicht im speicher­spa­ren­deren und schneller speichernden JPEG-Format arbeiten), aber genug für fast alle anderen Anwender, finde ich. Außerdem gibt es ja noch 8-GB und 16-GB-Karten.

Gibt es bislang etwas, was ich an dieser Kamera nicht so schätze? Ja, zwei Dinge: Erstens die nur 95% Sucherinhalt und zweitens den etwas klein geratenen Akku angesichts so vieler visua­li­sie­render Funktionen, mit denen man auch gerne spielt und die alle Strom verbrauchen (dafür kann man aber das Batte­rieteil anschließen, das die Kamera aber wieder größer und schwerer macht).

Ein wenig Bedenken habe ich bei der einfachen Gummiab­de­ckung auf der linken Seite, die u.a. den Anschluss für das USB-Kabel abdeckt – sie schließt zwar ordentlich, ich denke aber, dass sie bei oftma­liger Betätigung nicht sehr lange geschlossen hält – der Schließ­me­cha­nismus erscheint mir zu fragil.

Sensor und Empfind­lichkeit

Die D700 bietet 12,05 Millionen Pixel auf 23,9x36 mm CMOS-Sensor­fläche – genug, um die Aufnahmen auf A0 zu printen und dann aus „normalem“ Abstand zu betrachten. Die Empfind­lichkeit ist, wie bei der D3, zwischen ISO 200 – 6400 einstellbar; mit Erwei­terung nach unten auf ISO 100 und nach oben hin bis zu ISO 25600.

Wie bei der D3 sehe ich keinen nennens­werten Unter­schied zwischen ISO 200 und 100 und im höheren Empfind­lich­keits­be­reich wird das Rauschen erst ab ISO 6400 aufwärts bemer­kenswert. ISO 6400 ist als hohe Empfind­lichkeit noch in Ordnung, das sichtbare Rauschen durchaus akzep­tabel – damit hebt sich die D700 (und die D3) von den heute erhält­lichen vergleich­baren Kameras deutlich ab und zeigt einen sehr attrak­tiven Wettbe­werbs­vorteil.

Was die D700 der D3 voraus hat, ist ein Vibra­ti­ons­system zum Abschütteln von Staub­par­tikeln vom Sensor – ich glaube, das wird genauso wenig toll sein, wie die vielen anderen Systeme, die bereits am Markt sind, aber es war wohl ein notwen­diges Marke­ting­feature gegen die Haupt­kon­kurrenz Canon. Besser als alle Abschüt­tel­me­cha­nismen ist ein einfacher Staub­blaser, ein Balg mit Düse vorne: billig und wirksam.

Rauschen (bei hohen ISO Werten) ist ein weiteres Merkmal von Digital­ka­meras: Hier soll ja auch die D700 die hervor­ra­genden Algorithmen der D3 übernommen haben. Also habe ich die gleichen Tests, wie ich sie mit der D3 gemacht hatte, auch mit der D700 gemacht, um zu sehen, was passiert. Ich möchte nicht verheim­lichen, dass es in der Nacht regnete, in der ich die Aufnahmen machte, und daher die Kontraste höher und die Häuser­fas­saden dunkler sind.
 

Foto - Empfindlichkeitsvergleich D700 und D3

Empfind­lich­keits­ver­gleich D3 (links) und D700

 
Nicht ganz die D3 bei den ganz hohen ISO-Einstel­lungen. Ist das ein kleiner Kompromiss von Nikon oder haben der Regen und die damit etwas dunkleren Hausfronten doch so einen bedeu­tenden Einfluss? Wenn ich wieder Gelegenheit habe, die D700 zu bekommen, werde ich diesen Test wieder­holen, da mich das wirklich inter­es­siert! Was ich aus der gesamten Aufnah­me­reihe von über zwei Dutzend Aufnahmen sehe, ist, dass die D700 bis inklusive ISO 6400 gleich ausge­zeichnet ist wie die D3, bei den beiden höchsten Stufen, ISO 12800 und 25600 jedoch erscheint mir, zumindest im Augen­blick, die D3 der D700 leicht überlegen. Das mag sich als falsch erweisen, ist aber das das, was ich im Augen­blick sagen kann.

Theore­tische Auflösung und Ausga­be­größe

Was mich als leiden­schaft­lichen „Hochauf­lö­sungs­freak“ immer inter­es­siert, ist die Frage nach der Auflösung der Aufnahmen. Ich möchte keinen weiteren Beitrag zu der leidigen Diskussion um Megapixel beisteuern, ich möchte nur ein paar Überle­gungen anstellen, um zu unter­suchen, wie sich die 12 Megapixel auf Vollformat zeigen, und wie nicht.

Die Pixel­größe ist 8,4 Mikron wie bei der D3 – im Vergleich dazu hat die D300 bei einem Format von 23,6x15,8 mm 12,3 Megapixel, die daher viel kleiner sind – das bedeutet, wie bestens bekannt, mehr Rauschen, weniger einge­fangene Photonen etc.

Ein Druck in bester Photo­qua­lität sollte etwa 300 dpi (dots per inch; Punkte pro Zoll) haben, bei einer Größe von 10 inch sollten es also 3000 „dots“ sein. Die D700 erzeugt eine Bilddatei mit etwa 4250 x2800 Pixeln. Ohne Inter­po­lation kann bei dieser Pixelzahl theore­tisch eine Aufnahme bis zur Größe 9,5x14 inch – etwa A4 – gedruckt werden. Nun darf man aber die normale Auflösung eines durch­schnitt­lichen mensch­lichen Auges nicht vernach­läs­sigen: das sind etwa 6–7 lp/mm bei der Normdistanz von 25 cm, also etwa 150–180 lp/inch. Wenn man dann noch eine verlustarme Skalierung der digitalen Aufnahme mit 50% Vergrö­ße­rungs­faktor zulässt, so kommt man ohne Weiteres und ohne visuell feststellbare Quali­täts­ein­bußen auf eine „erlaubte“ Druck­größe von rund A3+. Diese Größe ist aber nicht mehr für eine Betrachtung im „Normal­ab­stand“ von etwa 25 cm gedacht – üblicher­weise betrachtet man ein A3+ aus mindestens der doppelten Entfernung, wenn nicht noch mehr.

Unter diesen Umständen können Aufnahmen der D700 also getrost auf etwa A2 bis A1 vergrößert werden und das sollte doch für diesen Kunden­kreis wirklich reichen. Auch wenn Aufnahmen kommer­ziell gedruckt werden, gehen die vielen feinen Details, die vielleicht noch in einem Inkjet-Einzel­druck sichtbar sind, im feinen Raster des Drucks unter (Ausnahme natürlich die hochqua­li­ta­tiven Kunst­drucke. Aber dafür würde ich auch keine D700 verwenden, außer ich setze die finale Aufnahme aus einzelnen Teilauf­nahmen zusammen, wie ich es bereits mit einer D2x gemacht habe).

Bei solchen Anfor­de­rungen würde ich Ihnen eine Hasselblad H3DII-50 mit dem neuen 50-Megapixel-Sensor empfehlen oder, noch besser, eine gute alte Großfor­mat­kamera mit nachfol­gendem Scan der Aufnahmen – pro Scan zwischen 1 GB und 3 GB – damit können Sie dann Wände tapezieren!

Auflösungstarget ISO 12233

Praktische Auflösung

Auflösung, ein immer inter­es­santes Thema – da ist natürlich auch für mich inter­essant gewesen zu sehen, wie sich die D700 im Vergleich zur D3 verhält. Eigentlich sollte es ja keinen Unter­schied geben, da die gesamte Aufnah­me­elek­tronik und der Sensor von der D3 übernommen wurden. Daher photo­gra­phierte ich sowohl das Auflö­sung­starget ISO 12233 (rechts) als auch den Siemens­stern. Als Objektiv habe ich das 2,8/60 mm AF Makro von Nikon verwendet, eine hervor­ragend korri­gierte Festbrenn­weite. Die Aufnahmen wurden von RAW in TIFF umgewandelt (in Capture NX2) und dann im Programm IMATEST ausge­wertet, beginnend mit der Standard­ein­stellung ab Werk, Schär­fungs­stufe 2. Es ist sehr erfreulich, zu sehen, dass diese Standard­ein­stellung ziemlich genau die optimale Einstellung trifft – kaum Unders­har­pening, kaum ein Overshooting und die Auflösung von etwa 2250 LW/PH ist ordentlich und entspricht den Erwar­tungen an einen 12-Megapixel-Sensor bei Vollformat.
 

Chart D700; Schärfung 2

 
Zur Bestä­tigung der Tatsache, dass die Schärfung einen wesent­lichen Einfluss auf die Modulationstransferfunktion (MTF) hat, hier die Stellung mit keiner Schärfung – also in Nulstellung an der D700:
 

Chart D700; Schärfung 0

 
Wie zu erwarten war, ist die MTF deutlich geringer. Im folgenden Beispiel wurde die Schärfung sichtlich verstärkt – hier Stellung 5 der Schär­fungs­skala der D700:
 

Chart D700; Schärfung

 
Bereits am einge­blen­deten Ausschnitt (Crop; rechts oben) kann man das Überschwingen an der Kante erkennen, ein Effekt, der in einem Bild dann als Kontu­rierung einer dunklen Grenz­linie auftritt – helle Ränder, die die dunkle Grenze umgeben.

Es ist deshalb immer wichtig, alle MTF Angaben mit Vorsicht zu genießen. Wenn nicht angegeben ist, bei welcher Bildschärfung und unter welchen anderen optischen Bedin­gungen die Aufnahmen gemacht wurden, so sind diese kaum oder gar nicht vergleichbar und wenig aussa­ge­kräftig – ein Fehler, der immer wieder in vielen Tests auch angese­hener Fachpu­bli­ka­tionen gemacht wird.

Eine weitere Methode, die MTF einer Kamera zu messen, ist die Aufnahme eines modulierten Siemens­sterns. Es gibt dazu eine lange Liste von entspre­chender Literatur und ich empfehle dem Inter­es­senten, diese zu lesen, falls die Frage aufkommt: Warum ist der Stern moduliert und nicht nur rein schwarz-weiß und wieso ist diese Anordnung genauer und richtiger?

Jeden­falls sind die so erhal­tenen Resultate sehr ähnlich denje­nigen, die man mit der „slanted edge“-Methode erhält – hier zum Vergleich nur eines meiner vielen Ergeb­nisse – wieder mit der Schär­fungs­stufe 2 bei Blende 8 und ISO 200 in Adobe RGB – bitte beachten Sie: die Ergeb­nisse sind in Linienpaare/Bildhöhe darge­stellt, was die halben Werte der sonst so oft genom­menen Werte LW/PH (Linien/Bildhöhe) ergibt:
 

Grafik in Linienpaaren/Bildhöhe

 
Die Darstellung dieser Auswertung in der in vielen Zeitschriften üblichen Form von LW/PH ergibt die bereits vorher errech­neten Werte von etwa 2500 bei MTF20 ohne Korrek­turen. Viel realis­ti­scher ist es aber, die Werte bei MTF50 (also derje­nigen MTF, wo die Kontrast­funktion noch 50% Amplitude hat) heran­zu­ziehen – dann ergibt sich eine MTF von etwa 2000 LW/PH. Diese Werte sind etwa denen gleich, die die D3 erreicht hat (siehe Nikon D3 - Nikon D2Xs / How much better is Nikon's new flagship?).

Weißab­gleich

Was sich nicht verbessert hat, ist der Weißab­gleich – in der automa­ti­schen Funktion arbeitet er genauso wie bei der D3: solange die Licht­qua­lität eher „normal“ ist, gibt es wenig Probleme. „Normal“ meint hier Tages­licht mit etwas Sonne und ein paar Wolken. Ändert sich jedoch die Farbtem­pe­ratur, so wird es etwas komplex – die Farbwie­dergabe ist manchmal akzep­tabel, oft aber nicht sehr beein­dru­ckend. Da hilft dann die halbma­nuelle Festsetzung des Weißpunktes mit der WB-pre Funktion und einem Weißwa­ben­filter – dann passt alles wieder ziemlich gut. Hier bietet der D700 eine sehr umfang­reiche Anzahl von Vorein­stel­lungen, und auch die Möglichkeit, indivi­duell auf fast alles, was Licht gibt, einzu­stellen.

Mit der einge­bauten Farbab­stim­mungs­matrix kann man auch manuell die Farbqua­lität von Weiß optimieren und so z.B. auf Metall­ha­lo­gen­id­lampen einstellen – dies geschieht, indem man den Weißpunkt entspre­chend dem rot-grün-blau-gelb Anteil des Lichtes verschiebt (eine La*b* Farbmatrix simuliert).  Umfang­reich, aber gut durch­führbar, sind diese Einstell­mög­lich­keiten, nur wäre es doch recht schön, wenn zumindest die 3200K-Kunst­licht­vor­ein­stellung der Automatik etwas präziser wäre. Aber offenbar kann man nicht alles haben. Hier sieht man, dass das Farbma­nagement von der D3 übernommen wurde: es ist recht gut, aber nicht perfekt.
 

Verlgeich von automatischem und manuellem Weißabgleich der D700

Links: kalt-weißes Leucht­stoff­lam­pen­licht bei automa­ti­schem Weißab­gleich; rechts: mit ExpoDisc neutra­li­siert

 
Bei verschie­denen Beleuch­tungs­arten sind die Resultate mit denen der D3 praktisch identisch. Hier zeige ich ein Beispiel, das zugegeben ein unange­nehmes Licht darstellt: kaltweiße Leucht­stoff­lampen. Links das Resultat in der Stellung automa­ti­scher Weißab­gleich, rechts die mit dem Weißwa­ben­filter ExpoDisc und der Option WB-pre entstandene Aufnahme, die ich als sehr gut brauchbar bezeichnen möchte.

Foto Georg N. Nyman

Natürlich sind solche Licht­ver­hält­nisse weder Standard noch „normal“, aber ich wollte auspro­bieren, ob die D700 das Farbma­nagement der D3 übernommen hat oder ob in der Zwischenzeit Verbes­se­rungen einge­flossen sind. Bei üblichen Licht­ver­hält­nissen kommt die D700 wie die D3 mit der automa­ti­schen Festlegung des Weißpunktes gut zurecht – außerdem sollte man nicht vergessen, dass alle automa­ti­schen Systeme auf bestimmten Vorgaben beruhen, und dies sind normale, einfache und übliche Muster und Farbkom­bi­na­tionen von üblichen Motiven unter üblichen Licht­ver­hält­nissen.

Was mir gefallen hat, ist die mögliche Feinjus­tierung der Farbtem­pe­ratur und des Neutral­punktes mittels einer Farbma­trix­ein­stellung – sicher nicht einfach zugänglich, aber wirkungsvoll, wenn richtig angewandt.

Was den automa­ti­schen Weißab­gleich angeht, habe ich die Hoffnung schon längst aufge­geben, der ist eben so, wie er üblicher­weise ist: nicht perfekt. So gibt es immer noch etwas, wo man ein wenig nachdenken und ein wenig Können besitzen muss; sonst würde ja nur mehr die Motiv­klingel mit automa­ti­schen Selbst­aus­löser fehlen …

Farbwie­dergabe

Die Qualität der Farbwie­dergabe, ein weiteres sehr wichtiges Kriterium, ist mit der D3 vergleichbar, vielleicht sogar eine Spur besser. Gleich­falls ein 14-Bit-A-D-Konverter und die von der D3 bekannte EXPEED-Bildver­ar­beitung bei 16 Bit Farbtiefe. Die Farben sind für eine digitale Spiegel­re­flex­kamera dieses Formats einfach hervor­ragend, wenn auch nicht perfekt (keine Farbwie­dergabe ist perfekt – das ist aber ein ganz anderes Thema).

12 Bit, 14 Bit, 16 Bit – all das sind schöne Schlag­worte, aber wie gut ist die Farbwie­dergabe der D700? Wie bei der D3, besser, weniger gut, anders? Der Color­checker SG wurde mit verschie­denen Einstel­lungen hinsichtlich der Farbsät­tigung und des Farbtones photo­gra­phiert und dann mit dem Programm IMATEST ausge­wertet.
 

Grafik Farbraum - Adobe RGB in Neutralstellung

Farbraum – Adobe RGB in Neutral­stellung, Farbsät­tigung 0, Farbton 0 – also alles mittig ohne Abschwä­chung oder Verstärkung, Normlicht 6500K, Auto WB

Was mit den Diagrammen (es gibt noch viele mehr: Nikon D700 - Das Alpha und Omega digitaler Kleinbildphotographie?) gezeigt werden kann, das ist die Verän­derung der Farbwie­dergabe der Kamera. Mit geänderten Einstel­lungen kann man Diafilme oder Farbne­ga­tiv­filme und dazu noch die Farbwie­dergabe einzelner Marken simulieren – nicht perfekt, aber dem nahe kommend.

Inter­essant ist aber, dass bestimmte Farben kaum verändert erscheinen – auch dann nicht, wenn andere Farben wiederum stark geändert darge­stellt werden – der Grund liegt in der Nicht­li­nea­rität der CIE1931-Farbraum­dar­stellung. Die einzelnen Farbbe­reiche sind unter­schiedlich in ihrer Ausdehnung und gleich bewertete Farbton­än­de­rungen haben eine ganz unter­schiedlich graphische Länge in diesem Diagramm – so z.B. ist eine groß erschei­nende Positi­ons­än­derung im Grün subjektiv vergleichbar mit einer klein erschei­nenden Positi­ons­dif­ferenz im Bereich Blau/Rot (McAdam-Ellipsen).

Aus den Aufnahmen und Auswer­tungen lässt sich auch ableiten, dass die Nikon D700 im Hinblick auf die Farbwie­dergabe sehr gut ist. Um dies noch einfacher zeigen zu können, wurde auch die Standard-Gretag-Macbeth-Farbtafel mit den 24 Quadranten unter gleichen Bedin­gungen photo­gra­phiert. Hier die entspre­chenden Ergeb­nisse, ebenfalls für die Einstellung Adobe RGB als Farbraum in Neutral­stellung , „0“ Farbsät­tigung und „0“ Farbton.

Die erste Darstellung ist die Abwei­chung der aufge­nom­menen Farbe von der theore­tisch richtigen Farbe und der vielfach verstärkte Neutral­un­ter­schied – ist zu soll von hellstem Wert bis dunkelstem Wert, die darauf folgenden zwei weiteren Charts sind Darstel­lungen von Rauschen, Dichte und Linea­rität und die letzte, wieder farbige, Darstellung ist die auf 24 Felder beruhende Darstellung der Farborte im CIE1931-Diagramm:
 

Grafik Georg N. Nyman

Grafik Georg N. Nyman

Grafik Georg N. Nyman

Grafik Georg N. Nyman

 
Am letzten Diagramm, der Darstellung der Farborte im CIE1931 Farbraum, kann man erkennen, dass das Delta E hier bei dem einfa­cheren Color­checker auf Grund der wenigeren Farben etwas kleiner ist als bei dem viel mehr Farben darstel­lenden Color­checker SG – zumindest ist diese Schluss­fol­gerung recht logisch und kann eine gute Erklärung für den deutlich gerin­geren Delta-E-Wert abgeben.

Nikon hat als vorein­ge­stellten Standard­farbraum nicht Adobe-RGB sondern Nikon-sRGB – wenn man die gleichen Aufnahmen in jenem Farbraum macht, so kommen erwar­tungs­gemäß etwas andere Ergeb­nisse heraus – bitte beachten Sie, dass Adobe-RGB einen größeren Farbraum beschreibt als sRGB, daher werden farbliche Abwei­chungen durch die forcierte Verla­gerung der Farborte in den sRGB Farbraum hinein etwas größer und die Kamera erscheint etwas weniger farbkon­sistent als in AdobeRGB.

Eine weitere Möglichkeit, die mich inter­es­siert hat, ist die Option, ein Bild entweder mit 12 Bit oder 14 Bit Farbin­for­mation aufzu­nehmen. Ich habe daher das IT8.7 Testchart in beiden Modi bei Normlicht aufge­nommen – die Unter­schiede sind in den hier gezeigten und für die Veröf­fent­li­chung kompri­mierten Illus­tra­tionen nicht sichtbar. Selbst im Original sind nur kleinste Unter­schiede in den hellen Bereichen geringer Farbsät­tigung zu erkennen (bei entspre­chend kalibriertem Monitor). Spätestens im Ausdruck aber wird davon nichts mehr sichtbar sein.
 

Foto

Oben 14 Bit; unten 12 Bit Farbtiefe

 
Die zarten Pastelltöne zeigen vielleicht etwas mehr Zeichnung und bessere Tonver­läufe. Was ich nicht sehen konnte, was jedoch zu erwarten gewesen wäre, ist eine bessere Durch­zeichnung der dunklen Bereiche – bei 14 Bit sollte ja besonders die Schat­ten­zei­chung besser werden. Doch auch bei einem Vergleich der RAW-Aufnahmen (NEF) konnte ich keinen Unter­schied in den dunkleren Bereichen feststellen, nicht am Monitor und auch nicht in Photoshop mit Pipette und Info.

Da ist noch mehr

Ich habe versucht, innerhalb der kurzen Zeit, die mir die Kamera zur Verfügung stand, einige Funktionen und Eigen­schaften mit Bildma­terial zu belegen bzw. zu unter­suchen, wie sie sich auf die Aufnahme auswirken.

Eine der Funktionen, die ich inter­essant fand, ist die Vignet­tie­rungs­min­derung. Sie soll die Randab­schattung mindern, wie sie v.a. bei kompakt konstru­ierten, aber licht­starken Telezooms und Weitwin­kel­ob­jek­tiven häufig anzutreffen ist. Da ich kein 2,8er Telezoom habe, habe ich ein 2,8er Ultra­weit­winkel genommen – das 2,8/14–24 G-ED. Die Aufnahmen brachten folgendes Ergebnis: Die Abschattung wurde nicht gemindert, egal, welche Einstellung man gewählt hat:
 

Foto Georg N. Nyman

Vignet­tie­rungs­min­derung aus (oben) und maximal

 
Warum? Nun, ich wurde dahin­gehend infor­miert, dass dieses Feature nur dann beginnt zu wirken, wenn die Abschattung schon fast zur Abdun­kelung der Bildecken führt. Es greift nicht bei leichten Abschat­tungen, die vielleicht 1–2 Blenden­stufen ausmachen. Nun gut, ist mir auch recht, nur sollte das irgendwo deutlich stehen.

Die beiden Bildstreifen oben zeigen den Effekt (oder auch nicht ) der Vignet­tie­rungs­kor­rektur an der Längs­seite (von linker Bildecke zur rechten Bildecke) der Aufnahme – ein blauer Himmel, oben die VK ausge­schalten, die zweite, untere Aufnahme auf maximale Stärke: Praktisch kein Unter­schied festzu­stellen.

Einen ähnlichen Effekt habe ich übrigens beim neuen SB-900-Blitz gefunden – der hat eine verstellbare Ausleuch­tungs­ein­stellung – von normal über eher eng auf weit – auch kaum ein Unter­schied bei einer weißen Wand festzu­stellen.
 

Foto Georg N. Nyman

Neutral – Standard – Brillant

 
Ein gut sicht­barer Effekt tritt ein, wenn man die Farbsät­tigung, den Farbein­druck, ändert – es gibt drei vorpro­gram­mierte Varianten, die man aber noch weiter verfeinern kann, wenn man möchte – Neutral, Standard und Brillant. Hier die Ergeb­nisse – deutlich und gut sichtbare Unter­schiede – links neutral, in der Mitte standard und rechts davon brillant.

Fazit

Die Nikon D700 ist meiner Meinung nach eine hervor­ra­gende Kamera, die nur sehr wenige Punkte aufweist, die mir weniger gut gefallen. Viele Vorteile gegenüber der D3 – wie etwa das geringere Gewicht, die kleinere Gehäu­seform, der fast halb so hohe Preis (zur Zeit der Veröf­fent­li­chung), die bequemere Handhabung (weil etwas „einfacher“ konzi­piert) – wiegen die wenigen Punkte mehr als auf, die ich nicht so gerne mag, wie etwa den nicht 100% darstel­lenden optischen Sucher oder die ein wenig knapper konzi­pierte Akkuleistung.

So komme ich zur Ansicht: Wenn man eine Nikon möchte und die derzeit rund 2500 Euro aufbringen will und kann, dann sollte die D700 unbedingt die Kamera der Wahl sein. Oder anders gesagt: Die D700 ist meines Erachtens derzeit Nikons bestes Pferd im Stall.

(Georg N. Nyman)
 
 
Produkt­fotos von Nikon, sonstige Fotos und Grafiken von Georg N. Nyman.