Die E-3 von Olympus

Die Erwar­tungen an das neue Olympus-Topmodell waren – nicht zuletzt aufgrund der langen Wartezeit – sehr hoch. Ein ausführ­licher Praxistest soll zeigen, ob die E-3 diesen gerecht werden kann:

Lange hat’s gedauert, sehr lange, und die Geduld der Fotografen, die sich mit der viel verspre­chenden E-1 dem ersten komplett auf digitale Aufnahme hin konzi­pierten Spiegel­re­flex­system zugewandt hatten, wurde gehörig strapa­ziert. Die E-1 – 2003 vorge­stellt – war mit ihrem 5 Megapixel-Sensor längst nicht mehr zeitgemäß, die übrigen Olympus-SLRs, obwohl von ordent­licher Qualität, erfüllten dennoch nicht die mit der E-1 geweckten Erwar­tungen. Im November letzten Jahres aber wurde endlich die E-3 präsentiert. Angesichts der langen Wartezeit erschien es nur folge­richtig, eine Versi­ons­nummer zu überspringen.

E-3 von Olympus

Einen – durchaus begeis­terten – Ersteindruck zur E-3 haben wir ja bereits Mitte November 2007 veröf­fent­licht. Hier nun die fundier­teren Eindrücke von Hans-Peter Schaub:

Äußer­lich­keiten
Nein, klein ist sie nicht, die E-3. Etwa 900 Gramm wiegt das betriebs­be­reite Gehäuse und damit ungefähr so viel wie eine Nikon D300. Der Grund für das statt­liche Gewicht ist unter anderem das komplett aus Aluminium gefer­tigte, und gegen Staub und Spritz­wasser abgedichtete Gehäuse. Insbe­sondere bei der Verwendung größerer Objektive aber ist Gewicht nicht unbedingt von Nachteil, zumal die Kamera aufgrund ihrer günstigen Form und der griffigen Gummierung auch ohne den als Zubehör erhält­lichen Batte­rie­hand­griff sehr gut in der Hand liegt.

Das rückseitige Display kann geklappt und gedreht werden, lässt sich aber auch mit der unemp­find­lichen Rückwand nach außen anklappen und ist so unter besonders widrigen Bedin­gungen oder beim Transport geschützt. Sollten das Display oder auch der integrierte Blitz in Extrem­si­tua­tionen abbrechen, beein­trächtigt das laut Olympus weder die Funkti­ons­tüch­tigkeit der Kamera noch deren Spritz­was­ser­schutz. Glück­li­cher­weise aber kam ich in den zwei Monaten mit der E-3 nicht in Situa­tionen, in denen sich das auspro­bieren ließ.

Robustheit und Zuver­läs­sigkeit kennzeich­neten bereits die E-1. Die E-3 hat diesbe­züglich noch mehr zu bieten und so verwundert es auch wenig, dass Fotore­porter und Outdoor-Fotografen eine wichtige Zielgruppe für die neue E-3 sind. In diesem Zusam­menhang ist erwäh­nenswert, dass alle Objektive der Pro- und Top-Pro-Linie gegen Staub und Spritz­wasser versiegelt sind. Schließlich nutzt es wenig, wenn die Kamera funktio­niert, während das Objektiv zum Beispiel aufgrund von Wasser­ein­bruch den Dienst versagt.

Rund um den Sensor
Zwar ist es fraglos beruhigend, wenn das Arbeits­gerät eine gewisse Robustheit aufweist, auf die Qualität der Bilder­geb­nisse hat das aber allen­falls indirekt Einfluss. Die E-3 bringt jedoch eine Reihe von Ausstat­tungs­merk­malen mit, durch die sie sich von ansonsten ähnlich angelegten Modellen anderer Hersteller unter­scheidet.

Zum einen findet sich in der E-3, wie bei allen Olympus E-Kameras sowie bei den SLR-Modellen von Panasonic und der Leica Digilux 3 ein FourT­hirds-Sensor, der mit 17,3 x 13 Milli­metern nur etwa halb so groß ist, wie die Sensoren im APS-C-Format und nur etwa ein Viertel der Fläche des Klein­bild­for­mates umfasst. Entspre­chend ergibt sich für die verwen­deten Objektive ein Beschnitt­faktor von 2, die Brenn­weite scheint damit gegenüber entspre­chenden Klein­bild­brenn­weiten verdoppelt bezie­hungs­weise der Bildwinkel halbiert. Aus einem 50-mm-Objektiv wird also hinsichtlich des Bildwinkels ein 100-mm-Tele.

Olmpus' Four Thirds Angebot

FourT­hirds ist ein konse­quent für die Digital­fo­to­grafie gerech­netes System mit entspre­chend durch­gängig digital optimierten Objek­tiven. Integraler Bestandteil aller FourT­hirds-Kameras war von Anfang an ein effek­tiver, auf Ultra­schall basie­render Staub­filter. Ultra­schall spielt bei der E-3 auch noch anderswo eine bedeutsame Rolle. Zum einen basiert der Autofokus der zeitgleich mit der E-3 vorge­stellten neuen Objektive auf Ultra­schall, und zum andern bilden die beiden ins Gehäuse integrierten Ultra­schall­mo­toren gemeinsam mit einem Gyrosensor auch die Basis für den Bildsta­bi­li­sator, der den Sensor so bewegt, dass Verwack­lungs­be­we­gungen in einem weiten Bereich kompen­siert werden.

À propos Sensor: Der bietet, wie die bereits in der E-410 und E-510 zu findenden Chips, eine Auflösung von 10 Megapixeln. Außer der Auflösung und der Tatsache, dass es sich um einen von Panasonic gebauten LiveMOS-Typ handelt, hat er mit den bislang verbauten Sensoren aber wenig gemein. Da mit der E-3 eine Aufnah­me­fre­quenz von 5 Bildern pro Sekunde möglich ist, musste ein komplett neues, erheblich leistungs­fä­hi­geres Design her, das Panasonic nach Olympus-Vorgaben entwi­ckelte.

Fotogra­fieren mit der E-3
Wie sich die techni­schen Daten der Kamera in Bildern nieder­schlagen, wird natürlich erst klar, wenn man sie in unter­schied­lichsten Situa­tionen fordert. Nimmt man die E-3 zum Fotogra­fieren ans Auge, fällt zunächst das im Vergleich zu anderen Olympus-E-Modellen große, helle Sucherbild auf. Zu sehen sind 100 Prozent des Bildaus­schnitts bei 1,15facher Vergrö­ßerung. Schon bevor die Kamera auf dem Markt war, unkten manche Besser­wisser, dass sich die 1,15-fache Vergrö­ßerung ungünstig auf die Helligkeit auswirken müsse – die Praxis zeigt eindrucksvoll, dass davon keine Rede sein kann.

Sucherscheibe FS-3

Die Sucheran­zeige ist übersichtlich und umfassend – auch der einge­stellte ISO-Wert wird – endlich – dauernd angezeigt. Die Sucherscheibe kann bei Bedarf gegen eine Gitter­matt­scheibe ausge­tauscht werden, aller­dings leider nur vom Service. Es empfiehlt sich daher, die Kamera direkt mit der in vielen Fällen so hilfreichen Gitter­ein­teilung auf der Mattscheibe zu ordern.

Autofokus
Beschränkte man sich bei Olympus E-Modellen bislang auf drei AF-Messpunkte, so fällt nun auf, dass die 11 Kreuz­sen­soren einen sehr großen Bereich des Bildfeldes abdecken. Hat man eines der neuen SWD-Objektive an der Kamera – derzeit gibt es ein 2,8–4/12–60 mm (entspricht 24–120 mm Kleinbild), ein 2/14–35 mm (28–70 mm KB) sowie ein 2.8–3,5/50–200 mm (100–400 mm KB) – dann bemerkt man auch sofort, wie schnell und präzise der neu konzi­pierte AF sein Ziel findet.

Ob es nun tatsächlich der – wie von Olympus prokla­mierte – schnellste AF ist, kann ich weder bestä­tigen noch demen­tieren. Letzt­endlich ist das auch völlig egal, denn Geschwin­digkeit allein sagt wenig über die Qualität einer Autofokus-Steuerung aus. Mir standen das 2,8–4/12–60-mm- und das mit konven­tio­nellem AF-Antrieb ausge­stattete 2,8/90–250-mm-Zoom sowie ein 1,4-fach-Konverter zur Verfügung. Es zeigte sich dabei, dass auch der konven­tio­nelle AF des Telezooms in Verbindung mit der E-3 erstaunlich flott und genau zur Sache geht. Entgegen meiner sonstigen Gewohnheit habe ich mit beiden Objek­tiven fast ausschließlich der Kamera das Fokus­sieren überlassen. Das funktio­niert selbst dann, wenn Licht Mangelware ist. Im tiefsten Schatten, bei fortge­schrit­tener Dämmerung und sehr geringem Motiv­kon­trast findet der AF – ohne Hilfs­licht oder Blitz­salve – sein Ziel.
 

Foto von Hans-Peter Schaub

Dichter Nebel ist aufgrund des fehlenden Kontrastes für den Autofokus oft proble­ma­tisch. Der AF der E-3 findet aber auch in solchen Situa­tionen schnell und sicher sein Ziel – sowohl wie hier mit dem konven­tionell angetrie­benen 2,8/90–250 mm Zoom, als auch mit den neuen Ultra­schall-Zooms. Foto: Hans-Peter Schaub

 
In kriti­schen Licht­si­tua­tionen kann man über das Menü die Empfind­lichkeit der AF-Sensoren sogar noch erhöhen. So gelangen mir beispiels­weise selbst bei dichtem Nebel in der Morgen­däm­merung scharfe Bilder von Gänsen, die man im Sucher allen­falls erahnen konnte. Wenn es dann aber richtig finster wird, muss man dem AF doch mit etwas künst­lichem Licht auf die Sprünge helfen. Das geschieht leider nicht mit einem AF-Hilfs­licht, sondern wenig dezent mit Hilfe des einge­bauten Blitz­lichts. Dieses muss zu diesem Zweck zudem manuell aufge­klappt werden und feuert dann kurze Salven, die dem AF das Zielfinden ermög­lichen.

Foto von Hans-Peter Schaub

Aller­dings macht auch manuelles Scharf­stellen mit den neuen Objek­tiven und angesichts des guten Suchers Spaß. Anders als bei einigen anderen Olympus-Objek­tiven funktio­niert das Scharf­stellen bei den neuen, mit Ultra­schall­an­trieb ausge­stat­teten Zooms direkt mecha­nisch und nicht über einen elektro­ni­schen Umweg. Bei den älteren Objek­tiven, dem mir zur Verfügung stehenden 90–250-mm-Telezoom, erfolgt auch manuelles Scharf­stellen elektro­nisch, was den Vorteil hat, dass man die Drehrichtung des Fokus­ringes selbst festlegen kann. Dafür kann man aber nur bei einge­schal­teter Kamera fokus­sieren und zudem kommt mir die Fokus­sierung etwas weniger direkt vor – aller­dings weniger bei den mecha­nisch besonders hochwer­tigen Top-Pro-Modellen, als vor allem bei den einfa­cheren Zooms.

LiveView
Abgesehen vom Reflex­sucher bietet die E-3 mit LiveView eine alter­native Methode, den Bildaus­schnitt festzu­legen. Das 2,5-Zoll-Display kann geschwenkt, geklappt und gedreht werden und gestattet so auch in eigentlich unmög­lichen Situa­tionen, das Bild präzise zu kompo­nieren. Lediglich die Tatsache, dass kein perma­nenter AF möglich ist und daher der Spiegel zum Fokus­sieren immer wieder herun­ter­klappt, kann in manchen Situa­tionen, in denen es schnell gehen muss, hinderlich sein. Alter­nativ kann man zwar mit der AEL-Taste vorfo­kus­sieren – bei sich bewegenden Motiven aber ist das nicht sehr prakti­kabel.

Richtig praktisch aber fand ich LiveView bei Makro­auf­nahmen unbewegter Motive vom Stativ. Dank der Möglichkeit das Sucherbild beträchtlich zu vergrößern, kann man so die bei großen Abbil­dungs­maß­stäben ja äußerst geringe Schärf­en­tiefe in unerreichter Präzision im Motiv platzieren. Hier sorgt auch das klapp- und drehbare Display gegenüber der ja ebenfalls mit LiveView ausge­stat­teten E-510 für erheblich mehr Komfort.

Bedienung
Recht klar erschien mir das Bedien­konzept der Kamera. In diesem Zusam­menhang möchte ich jedoch anmerken, dass ich schon mit mehreren Olympus-E-Kameras fotogra­fiert habe und deshalb mit der Menüführung einiger­maßen gut vertraut war. Andere Fotografen berichten von Schwie­rig­keiten, sich im doch einiger­maßen komplexen Menü zurecht zu finden.

Die Bedien­knöpfe sind – mit Ausnahme der Funkti­ons­taste „Fn“ – so ausgelegt, dass verse­hent­liches Drücken praktisch unmöglich ist – eine Eigen­schaft, die wohl vor allem in hekti­schen Reportage-Situa­tionen von immensem Vorteil sein wird.

E-3 Rückansicht

Mit Hilfe des Displays, des Einstell­rades und der OK-Taste kann man blitz­schnell nahezu jede Kamera­funktion ansteuern und modifi­zieren – von der ISO-Zahl über die Bildqua­lität bis hin zum Belich­tungs­mess­modus oder dem gewünschten Farbraum. Der Weg ins Menü ist daher nur selten erfor­derlich – zum Beispiel für die Einstellung der Spiegel­vor­aus­lösung oder das Forma­tieren der Speicher­karte (CF oder xD Picture Card). Das dürfte dieje­nigen zumindest ein wenig versöhnlich stimmen, die mit der Menü-Führung auf Kriegsfuß stehen.

Mit Hilfe der in Daumen­reich­weite angeord­neten Fn-Taste lässt sich Bedienung der Kamera zudem beschleu­nigen. Sie kann beispiels­weise in der Makro-, Landschafts- oder Archi­tek­tur­fo­to­grafie als Abblend­taste program­miert werden. Bei Action-Motiven und in Repor­ta­gesi­tua­tionen hingegen fand ich es praktisch, mit der Taste blitz­schnell zwischen Auto- und Manuell-Fokus hin- und herzu­schalten.

Bildsta­bi­li­sator
Der auf Senso­rebene greifende Bildsta­bi­li­sator erweitert die Einsatz­mög­lich­keiten im Available Light-Bereich beträchtlich. Wunder vermag er gleichwohl nicht zu vollbringen, denn wenn sich die Motive für die erreichbare Verschlusszeit zu schnell bewegen, bleibt am Ende doch nur ein verwischtes Etwas vor aller­dings immerhin unver­wa­ckeltem Hinter­grund übrig. Das aber gilt für Bildsta­bi­li­sa­toren allgemein und nicht nur für den der E-3.

Wie bereits bei der E-510 stehen zwei IS-Modi zur Verfügung: Modus 1 kompen­siert horizontale und vertikale Verwackler, Modus 2 gleicht nur vertikale Bewegungen aus und erlaubt so besonders saubere Mitzieh­ef­fekte. Olympus gibt einen Gewinn von bis zu fünf Zeitstufen an, das heißt, wenn man beispiels­weise mit dem 12–60-mm-Objektiv bei Einstellung auf 60 mm (entspricht 120 mm bei Kleinbild) ohne Bildsta­bi­li­sator mindestens 1/125 Sekunde für ein unver­wa­ckeltes Bild benötigt, soll dies mit der E-3 auch noch bei 1/4 Sekunde möglich sein. Ruhige Hände, richtige Atemtechnik und Erfahrung voraus­ge­setzt, kann man das tatsächlich schaffen. Dabei sind aber unbedingt Aufnahme­serien ratsam, denn auch bei viel Routine wird so nicht jedes Bild scharf.
 

Foto von Hans-Peter Schaub

Das relativ schwere 2,8/90–250 mm-Zoom lässt sich dank Bildsta­bi­li­sator sehr gut ohne Stativ nutzen, voraus­ge­setzt, die Arme des Fotografen spielen mit. Foto: Hans-Peter Schaub

 
Realis­tisch kann man aber von etwa drei Zeitstufen Gewinn ausgehen. Anstelle der 1/125 Sekunde, erhält man dann mit hoher Treffer­quote – bei mir waren es rund 50 Prozent – noch bei 1/15 Sekunde scharfe Bilder und das ist allemal ausrei­chend, um in vielen Fällen ohne Stativ zum gewünschten Ergebnis zu kommen. Legt man zwei Zeitstufen zugrunde (im Beispiel 1/30 Sekunde) war praktisch jedes Bild scharf. Insgesamt ist der E-3-Bildsta­bi­li­sator damit nicht mehr und nicht weniger leistungs­fähig wie der in der E-510, insbe­sondere seit letzterer durch ein Firmware-Update im Bereich besonders langer Verschluss­zeiten an Wirksamkeit gewonnen hat.

Ende Januar 2008 wurde auch die Ankün­digung, alle angesetzten Objektive würden stabi­li­siert, per Firmware-Update v1.3 in die Tat umgesetzt. Vorher schaltete sich der Stabi­li­sator kommen­tarlos ab, wenn über einen Adapter ältere Objektive, zum Beispiel aus der OM-Reihe, angeschlossen wurden. Es verschwand dann lediglich das kleine IS-Zeichen aus dem Sucher. Das Firmware-Update in Version 1.3 behebt dieses Problem in sehr komfor­tabler Weise – und zwar sowohl bei der E-3 als auch bei der E-510. Ist ein Objektiv über einen Adapter angeschlossen und nicht in der Lage, mit der Kamera zu kommu­ni­zieren, lassen sich nach Betätigen der IS-Taste über die Belich­tungs­kor­rek­tur­taste und das Wählrad alle gängigen Brenn­weiten von 8 mm bis 1000 mm einstellen (siehe PDF-Datei Setting the Focal Length for the Image Stabilizer Function); bei nicht erfassten Brenn­weiten soll man den nächst­ge­le­genen Wert wählen. Für die Verwendung von Zoomob­jek­tiven ist das natürlich nur bedingt prakti­kabel, inter­es­sante Festbrenn­weiten aber, die derzeit noch nicht im Olympus-Programm zu finden sind, wie zum Beispiel ein 1,4/85 mm oder ein 1,4/50 mm, können so mit voll funkti­ons­fä­higem Bildsta­bi­li­sator verwendet werden. Da ich das Update erst heute herun­ter­ge­laden habe und mir die E-3 nicht mehr zur Verfügung steht, habe ich die neue Bildsta­bi­li­sator-Funktion heute nachmittag an einer E-510 auspro­biert. Die Ergeb­nisse vermochten zu überzeugen. Ein Unter­schied in der Leistungs­fä­higkeit im Vergleich zu Olympus-Zuiko-Digital­ob­jek­tiven war nicht festzu­stellen.

Rauschen
Auch wenn dem Thema meines Erachtens vielfach ein wenig zu viel Bedeutung beige­messen wird, ist natürlich auch die Frage inter­essant, wie es sich angesichts des vergleichs­weise kleinen FourT­hirds-Sensors mit dem Bildrau­schen verhält. Bei ISO 100 und 200 ist Rauschen nicht oder nur in nicht relevantem Maße festzu­stellen. Bei ISO 400 sind die Aufnahmen noch sehr glatt und lediglich, wenn man etwas knapp belichtet und das Bild anschließend aufhellen muss, tritt es, wie auch bei Kameras mit größeren Sensoren, merklich in Erscheinung. Bei ISO 800 wird Rauschen – vor allem Hellig­keits­rau­schen – sichtbar, aber selbst bis ISO 1.600 sind die Bilder noch sehr ansehnlich. ISO 3.200 ist aller­dings sicher nur den anders nicht zu lösenden Notfällen vorbe­halten.

Wer es nicht ohnehin tut, sollte bei höheren Empfind­lich­keiten auf den Raw-Modus zurück­greifen. Tut man dies, so lässt sich das Maß der Rausch­un­ter­drü­ckung entspre­chend dem Motiv steuern und man kann selbst entscheiden, ob man auf feine Details zugunsten einer glatteren Bildan­mutung verzichten kann oder ob man für mehr Details ein wenig Rauschen tolerieren kann.

Präzise Belichtung ist im Übrigen bei allen Digital­ka­meras ein probates Mittel, um Rauschen zu minimieren. Belichtet man – weil es bequem erscheint – lieber ein wenig knapp und muss entspre­chend die Bilder nachträglich aufhellen, wird man sich selbst bei niedrigen ISO-Werten über erstaunlich „rauschende“ Bildein­drücke wundern.

Blitzen
Die von Olympus erstmals in der E-3 einge­setzte Möglichkeit, in Kombi­nation mit den neuen System­blitz­ge­räten kabellos zu blitzen habe ich im Rahmen dieses Tests nicht auspro­biert. Es können bis zu drei Gruppen von Blitz­ge­räten gesteuert werden und der einge­baute Blitz fungiert dann lediglich als Auslöser, ohne das Bilder­gebnis sichtbar zu beein­flussen. Für mich persönlich ist diese Funktion weniger wichtig, wer hingegen häufig auf Blitz­licht zurück­greifen muss und auch unterwegs komplexere Ausleuch­tungen zu bewerk­stel­ligen hat, die ansonsten nur mit volumi­nösen Studio­b­litz­an­lagen zu meistern sind, wird diese Funktion sicher zu schätzen wissen.
 

Foto Hans-Peter Schaub

Das neue 2,8–4/12–60 mm-Zoom liefert exzel­lente Abbil­dungs­leis­tungen. Die geringe Verzeichnung und Vigent­tierung lassen es auch für derartige Archi­tek­tur­motive geeignet erscheinen. Foto: Hans-Peter Schaub

 
Schluss­be­trachtung

Fazit meiner inten­siven Begegnung mit der E-3: Sehr solide Kamera mit extrem schnellem Autofokus, effek­tivem Bildsta­bi­li­sator und einem auf raue Bedin­gungen ausge­legten Bedien­konzept. Die Menüführung wird von manchen als zumindest gewöh­nungs­be­dürftig empfunden, ich kam aller­dings auf Anhieb gut mit der E-3 zu Recht.
 
Die perfekte Kamera?

Ganz bestimmt nicht, denn die sieht für jeden Fotografen und jedes Einsatz­gebiet anders aus. Betrachtet man aber das gesamte E-System, so zeigt sich schon, dass es sich in beson­derer Weise für Outdoor- und Repor­ta­ge­auf­gaben empfiehlt. Zum einen ist neben der E-3 die gesamte Palette der Pro- und Top-Pro-Objektive wetterfest. Aufgrund des Beschnitt­faktors von 2 bezogen auf das Klein­bild­format, stehen insbe­sondere im Telebe­reich sehr lange und licht­starke Objektive zur Verfügung. Das kompen­siert zu einem gewissen Teil auch das im Vergleich zu größeren Sensoren anderer Hersteller etwas gestei­gerte Bildrau­schen bei höheren Empfind­lich­keiten: Man muss eben in vielen Situa­tionen die ISO-Einstellung nicht so hoch drehen, da die Objektive licht­stärker sind und sich aufgrund des Beschnitt­faktors beispiels­weise bei Blende 2,8 bereits die Schärf­en­tiefe eines auf 5,6 abgeblen­deten Klein­bild­ob­jek­tives ergibt.

Der Autofokus ist in Verbindung mit der E-3 schon bei den konven­tionell ausge­stat­teten Objek­tiven schnell, die neuen Ultra­schall-Ausfüh­rungen aber sind noch deutlich schneller – auch bei sehr wenig Licht und geringen Kontrasten. Ganz besonders spannend dürfte das neue 2,8–3,5/50–200 mm SWC sein, das mir leider nur für einen Tag zur Verfügung stand und das ich nicht mit Konvertern auspro­bieren konnte. Ein knappes Kilo schwer und etwa 1.350 Euro teuer, entspricht es einem sehr licht­starken 100–400-mm-Kleinbildzoom, das wirklich problemlos freihändig einge­setzt werden kann und besonders auf Reisen im Vergleich zu entspre­chenden Optiken anderer Hersteller – zum Beispiel dem 4/200–400-mm-Nikkor – Gepäck (und Konto) deutlich weniger belastet.

Für so manchen, der gerne ältere Manual­fokus-Objektive an der E-3 verwenden möchte, liefert die mit der Firmware-Version 1.3 mögliche Verwendung des Bildsta­bi­li­sators auch mit adaptierten Objek­tiven ein weiteres Argument für die E-3 (bezie­hungs­weise die diesbe­züglich gleich leistungs­fähige E-510).

Die Kamera selbst ist zwar weder kleiner noch leichter als vergleichbare Modelle mit APS-C-Sensor, doch ambitio­nierte Outdoor-Fotografen, für die neben den genannten Eigen­schaften auch das Gewicht der gesamten Ausrüstung eine Rolle spielt, sollten sich die rund 1.650 Euro teure E-3 nebst den kompakten und gleich­zeitig recht licht­starken neuen SWD-Objek­tiven zumindest einmal genauer anschauen.

(Hans-Peter Schaub)

 
Anmerkung: Dieser Praxistest von Dr. Hans-Peter Schaub ist auch in Naturfoto, Ausgabe März 2008, erschienen; wobei die Kernaus­sagen logischer­weise identisch sind. Die hier vorlie­gende Fassung ist erweitert, in manchen Aspekten vertieft, und aktua­li­siert worden (etwa bezüglich der Firmware v1.3).

Produkt­fotos: Olympus; Beispiel­fotos: Hans-Peter Schaub