Die E-3 von Olympus

Die Erwar­tungen an das neue Olympus-Topmodell waren – nicht zuletzt aufgrund der langen Wartezeit – sehr hoch. Ein ausführ­licher Praxistest soll zeigen, ob die E-3 diesen gerecht werden kann:

Lange hat’s gedauert, sehr lange, und die Geduld der Fotografen, die sich mit der viel verspre­chenden E-1 dem ersten komplett auf digitale Aufnahme hin konzi­pierten Spiegel­re­flex­system zugewandt hatten, wurde gehörig strapaziert. Die E-1 – 2003 vorge­stellt – war mit ihrem 5 Megapixel-Sensor längst nicht mehr zeitgemäß, die übrigen Olympus-SLRs, obwohl von ordent­licher Qualität, erfüllten dennoch nicht die mit der E-1 geweckten Erwar­tungen. Im November letzten Jahres aber wurde endlich die E-3 präsentiert. Angesichts der langen Wartezeit erschien es nur folge­richtig, eine Versi­ons­nummer zu überspringen.

E-3 von Olympus

Einen – durchaus begeis­terten – Ersteindruck zur E-3 haben wir ja bereits Mitte November 2007 veröf­fentlicht. Hier nun die fundierteren Eindrücke von Hans-Peter Schaub:

Äußer­lich­keiten
Nein, klein ist sie nicht, die E-3. Etwa 900 Gramm wiegt das betriebs­bereite Gehäuse und damit ungefähr so viel wie eine Nikon D300. Der Grund für das stattliche Gewicht ist unter anderem das komplett aus Aluminium gefertigte, und gegen Staub und Spritz­wasser abgedichtete Gehäuse. Insbe­sondere bei der Verwendung größerer Objektive aber ist Gewicht nicht unbedingt von Nachteil, zumal die Kamera aufgrund ihrer günstigen Form und der griffigen Gummierung auch ohne den als Zubehör erhält­lichen Batte­rie­handgriff sehr gut in der Hand liegt.

Das rückseitige Display kann geklappt und gedreht werden, lässt sich aber auch mit der unemp­find­lichen Rückwand nach außen anklappen und ist so unter besonders widrigen Bedin­gungen oder beim Transport geschützt. Sollten das Display oder auch der integrierte Blitz in Extrem­si­tua­tionen abbrechen, beein­trächtigt das laut Olympus weder die Funkti­ons­tüch­tigkeit der Kamera noch deren Spritz­was­ser­schutz. Glück­li­cherweise aber kam ich in den zwei Monaten mit der E-3 nicht in Situa­tionen, in denen sich das auspro­bieren ließ.

Robustheit und Zuver­läs­sigkeit kennzeichneten bereits die E-1. Die E-3 hat diesbe­züglich noch mehr zu bieten und so verwundert es auch wenig, dass Fotore­porter und Outdoor-Fotografen eine wichtige Zielgruppe für die neue E-3 sind. In diesem Zusam­menhang ist erwäh­nenswert, dass alle Objektive der Pro- und Top-Pro-Linie gegen Staub und Spritz­wasser versiegelt sind. Schließlich nutzt es wenig, wenn die Kamera funktioniert, während das Objektiv zum Beispiel aufgrund von Wasser­einbruch den Dienst versagt.

Rund um den Sensor
Zwar ist es fraglos beruhigend, wenn das Arbeitsgerät eine gewisse Robustheit aufweist, auf die Qualität der Bilder­gebnisse hat das aber allenfalls indirekt Einfluss. Die E-3 bringt jedoch eine Reihe von Ausstat­tungs­merkmalen mit, durch die sie sich von ansonsten ähnlich angelegten Modellen anderer Hersteller unter­scheidet.

Zum einen findet sich in der E-3, wie bei allen Olympus E-Kameras sowie bei den SLR-Modellen von Panasonic und der Leica Digilux 3 ein FourThirds-Sensor, der mit 17,3 x 13 Milli­metern nur etwa halb so groß ist, wie die Sensoren im APS-C-Format und nur etwa ein Viertel der Fläche des Klein­bild­formates umfasst. Entsprechend ergibt sich für die verwendeten Objektive ein Beschnitt­faktor von 2, die Brennweite scheint damit gegenüber entspre­chenden Klein­bild­brenn­weiten verdoppelt bezie­hungsweise der Bildwinkel halbiert. Aus einem 50-mm-Objektiv wird also hinsichtlich des Bildwinkels ein 100-mm-Tele.

Olmpus' Four Thirds Angebot

FourThirds ist ein konsequent für die Digital­fo­to­grafie gerechnetes System mit entsprechend durch­gängig digital optimierten Objektiven. Integraler Bestandteil aller FourThirds-Kameras war von Anfang an ein effektiver, auf Ultra­schall basie­render Staub­filter. Ultra­schall spielt bei der E-3 auch noch anderswo eine bedeutsame Rolle. Zum einen basiert der Autofokus der zeitgleich mit der E-3 vorge­stellten neuen Objektive auf Ultra­schall, und zum andern bilden die beiden ins Gehäuse integrierten Ultra­schall­motoren gemeinsam mit einem Gyrosensor auch die Basis für den Bildsta­bi­lisator, der den Sensor so bewegt, dass Verwack­lungs­be­we­gungen in einem weiten Bereich kompensiert werden.

À propos Sensor: Der bietet, wie die bereits in der E-410 und E-510 zu findenden Chips, eine Auflösung von 10 Megapixeln. Außer der Auflösung und der Tatsache, dass es sich um einen von Panasonic gebauten LiveMOS-Typ handelt, hat er mit den bislang verbauten Sensoren aber wenig gemein. Da mit der E-3 eine Aufnah­me­frequenz von 5 Bildern pro Sekunde möglich ist, musste ein komplett neues, erheblich leistungs­fä­higeres Design her, das Panasonic nach Olympus-Vorgaben entwi­ckelte.

Fotogra­fieren mit der E-3
Wie sich die technischen Daten der Kamera in Bildern nieder­schlagen, wird natürlich erst klar, wenn man sie in unter­schied­lichsten Situa­tionen fordert. Nimmt man die E-3 zum Fotogra­fieren ans Auge, fällt zunächst das im Vergleich zu anderen Olympus-E-Modellen große, helle Sucherbild auf. Zu sehen sind 100 Prozent des Bildaus­schnitts bei 1,15facher Vergrö­ßerung. Schon bevor die Kamera auf dem Markt war, unkten manche Besser­wisser, dass sich die 1,15-fache Vergrö­ßerung ungünstig auf die Helligkeit auswirken müsse – die Praxis zeigt eindrucksvoll, dass davon keine Rede sein kann.

Sucherscheibe FS-3

Die Sucheranzeige ist übersichtlich und umfassend – auch der einge­stellte ISO-Wert wird – endlich – dauernd angezeigt. Die Sucherscheibe kann bei Bedarf gegen eine Gitter­matt­scheibe ausge­tauscht werden, allerdings leider nur vom Service. Es empfiehlt sich daher, die Kamera direkt mit der in vielen Fällen so hilfreichen Gitter­ein­teilung auf der Mattscheibe zu ordern.

Autofokus
Beschränkte man sich bei Olympus E-Modellen bislang auf drei AF-Messpunkte, so fällt nun auf, dass die 11 Kreuz­sensoren einen sehr großen Bereich des Bildfeldes abdecken. Hat man eines der neuen SWD-Objektive an der Kamera – derzeit gibt es ein 2,8–4/12–60 mm (entspricht 24–120 mm Kleinbild), ein 2/14–35 mm (28–70 mm KB) sowie ein 2.8–3,5/50–200 mm (100–400 mm KB) – dann bemerkt man auch sofort, wie schnell und präzise der neu konzi­pierte AF sein Ziel findet.

Ob es nun tatsächlich der – wie von Olympus prokla­mierte – schnellste AF ist, kann ich weder bestätigen noch demen­tieren. Letzt­endlich ist das auch völlig egal, denn Geschwin­digkeit allein sagt wenig über die Qualität einer Autofokus-Steuerung aus. Mir standen das 2,8–4/12–60-mm- und das mit konven­tio­nellem AF-Antrieb ausge­stattete 2,8/90–250-mm-Zoom sowie ein 1,4-fach-Konverter zur Verfügung. Es zeigte sich dabei, dass auch der konven­tionelle AF des Telezooms in Verbindung mit der E-3 erstaunlich flott und genau zur Sache geht. Entgegen meiner sonstigen Gewohnheit habe ich mit beiden Objektiven fast ausschließlich der Kamera das Fokus­sieren überlassen. Das funktioniert selbst dann, wenn Licht Mangelware ist. Im tiefsten Schatten, bei fortge­schrittener Dämmerung und sehr geringem Motiv­kontrast findet der AF – ohne Hilfslicht oder Blitzsalve – sein Ziel.
 

Foto von Hans-Peter Schaub

Dichter Nebel ist aufgrund des fehlenden Kontrastes für den Autofokus oft proble­matisch. Der AF der E-3 findet aber auch in solchen Situa­tionen schnell und sicher sein Ziel – sowohl wie hier mit dem konven­tionell angetriebenen 2,8/90–250 mm Zoom, als auch mit den neuen Ultra­schall-Zooms. Foto: Hans-Peter Schaub

 
In kritischen Licht­si­tua­tionen kann man über das Menü die Empfind­lichkeit der AF-Sensoren sogar noch erhöhen. So gelangen mir beispielsweise selbst bei dichtem Nebel in der Morgen­däm­merung scharfe Bilder von Gänsen, die man im Sucher allenfalls erahnen konnte. Wenn es dann aber richtig finster wird, muss man dem AF doch mit etwas künst­lichem Licht auf die Sprünge helfen. Das geschieht leider nicht mit einem AF-Hilfslicht, sondern wenig dezent mit Hilfe des einge­bauten Blitz­lichts. Dieses muss zu diesem Zweck zudem manuell aufge­klappt werden und feuert dann kurze Salven, die dem AF das Zielfinden ermög­lichen.

Foto von Hans-Peter Schaub

Allerdings macht auch manuelles Scharf­stellen mit den neuen Objektiven und angesichts des guten Suchers Spaß. Anders als bei einigen anderen Olympus-Objektiven funktioniert das Scharf­stellen bei den neuen, mit Ultra­schall­antrieb ausge­statteten Zooms direkt mechanisch und nicht über einen elektro­nischen Umweg. Bei den älteren Objektiven, dem mir zur Verfügung stehenden 90–250-mm-Telezoom, erfolgt auch manuelles Scharf­stellen elektronisch, was den Vorteil hat, dass man die Drehrichtung des Fokus­ringes selbst festlegen kann. Dafür kann man aber nur bei einge­schalteter Kamera fokus­sieren und zudem kommt mir die Fokus­sierung etwas weniger direkt vor – allerdings weniger bei den mechanisch besonders hochwertigen Top-Pro-Modellen, als vor allem bei den einfa­cheren Zooms.

LiveView
Abgesehen vom Reflex­sucher bietet die E-3 mit LiveView eine alter­native Methode, den Bildaus­schnitt festzulegen. Das 2,5-Zoll-Display kann geschwenkt, geklappt und gedreht werden und gestattet so auch in eigentlich unmög­lichen Situa­tionen, das Bild präzise zu kompo­nieren. Lediglich die Tatsache, dass kein perma­nenter AF möglich ist und daher der Spiegel zum Fokus­sieren immer wieder herun­ter­klappt, kann in manchen Situa­tionen, in denen es schnell gehen muss, hinderlich sein. Alternativ kann man zwar mit der AEL-Taste vorfo­kus­sieren – bei sich bewegenden Motiven aber ist das nicht sehr praktikabel.

Richtig praktisch aber fand ich LiveView bei Makro­auf­nahmen unbewegter Motive vom Stativ. Dank der Möglichkeit das Sucherbild beträchtlich zu vergrößern, kann man so die bei großen Abbil­dungs­maß­stäben ja äußerst geringe Schärf­entiefe in unerreichter Präzision im Motiv platzieren. Hier sorgt auch das klapp- und drehbare Display gegenüber der ja ebenfalls mit LiveView ausge­statteten E-510 für erheblich mehr Komfort.

Bedienung
Recht klar erschien mir das Bedien­konzept der Kamera. In diesem Zusam­menhang möchte ich jedoch anmerken, dass ich schon mit mehreren Olympus-E-Kameras fotografiert habe und deshalb mit der Menüführung einigermaßen gut vertraut war. Andere Fotografen berichten von Schwie­rig­keiten, sich im doch einigermaßen komplexen Menü zurecht zu finden.

Die Bedien­knöpfe sind – mit Ausnahme der Funkti­onstaste „Fn“ – so ausgelegt, dass verse­hent­liches Drücken praktisch unmöglich ist – eine Eigen­schaft, die wohl vor allem in hektischen Reportage-Situa­tionen von immensem Vorteil sein wird.

E-3 Rückansicht

Mit Hilfe des Displays, des Einstellrades und der OK-Taste kann man blitz­schnell nahezu jede Kamera­funktion ansteuern und modifi­zieren – von der ISO-Zahl über die Bildqualität bis hin zum Belich­tungs­messmodus oder dem gewünschten Farbraum. Der Weg ins Menü ist daher nur selten erfor­derlich – zum Beispiel für die Einstellung der Spiegel­vor­aus­lösung oder das Forma­tieren der Speicherkarte (CF oder xD Picture Card). Das dürfte diejenigen zumindest ein wenig versöhnlich stimmen, die mit der Menü-Führung auf Kriegsfuß stehen.

Mit Hilfe der in Daumen­reichweite angeordneten Fn-Taste lässt sich Bedienung der Kamera zudem beschleunigen. Sie kann beispielsweise in der Makro-, Landschafts- oder Archi­tek­tur­fo­to­grafie als Abblendtaste programmiert werden. Bei Action-Motiven und in Repor­ta­gesi­tua­tionen hingegen fand ich es praktisch, mit der Taste blitz­schnell zwischen Auto- und Manuell-Fokus hin- und herzu­schalten.

Bildsta­bi­lisator
Der auf Senso­rebene greifende Bildsta­bi­lisator erweitert die Einsatz­mög­lich­keiten im Available Light-Bereich beträchtlich. Wunder vermag er gleichwohl nicht zu vollbringen, denn wenn sich die Motive für die erreichbare Verschlusszeit zu schnell bewegen, bleibt am Ende doch nur ein verwischtes Etwas vor allerdings immerhin unver­wa­ckeltem Hintergrund übrig. Das aber gilt für Bildsta­bi­li­satoren allgemein und nicht nur für den der E-3.

Wie bereits bei der E-510 stehen zwei IS-Modi zur Verfügung: Modus 1 kompensiert horizontale und vertikale Verwackler, Modus 2 gleicht nur vertikale Bewegungen aus und erlaubt so besonders saubere Mitzieh­effekte. Olympus gibt einen Gewinn von bis zu fünf Zeitstufen an, das heißt, wenn man beispielsweise mit dem 12–60-mm-Objektiv bei Einstellung auf 60 mm (entspricht 120 mm bei Kleinbild) ohne Bildsta­bi­lisator mindestens 1/125 Sekunde für ein unver­wa­ckeltes Bild benötigt, soll dies mit der E-3 auch noch bei 1/4 Sekunde möglich sein. Ruhige Hände, richtige Atemtechnik und Erfahrung voraus­gesetzt, kann man das tatsächlich schaffen. Dabei sind aber unbedingt Aufnahme­serien ratsam, denn auch bei viel Routine wird so nicht jedes Bild scharf.
 

Foto von Hans-Peter Schaub

Das relativ schwere 2,8/90–250 mm-Zoom lässt sich dank Bildsta­bi­lisator sehr gut ohne Stativ nutzen, voraus­gesetzt, die Arme des Fotografen spielen mit. Foto: Hans-Peter Schaub

 
Realistisch kann man aber von etwa drei Zeitstufen Gewinn ausgehen. Anstelle der 1/125 Sekunde, erhält man dann mit hoher Trefferquote – bei mir waren es rund 50 Prozent – noch bei 1/15 Sekunde scharfe Bilder und das ist allemal ausreichend, um in vielen Fällen ohne Stativ zum gewünschten Ergebnis zu kommen. Legt man zwei Zeitstufen zugrunde (im Beispiel 1/30 Sekunde) war praktisch jedes Bild scharf. Insgesamt ist der E-3-Bildsta­bi­lisator damit nicht mehr und nicht weniger leistungsfähig wie der in der E-510, insbe­sondere seit letzterer durch ein Firmware-Update im Bereich besonders langer Verschluss­zeiten an Wirksamkeit gewonnen hat.

Ende Januar 2008 wurde auch die Ankün­digung, alle angesetzten Objektive würden stabi­lisiert, per Firmware-Update v1.3 in die Tat umgesetzt. Vorher schaltete sich der Stabi­lisator kommen­tarlos ab, wenn über einen Adapter ältere Objektive, zum Beispiel aus der OM-Reihe, angeschlossen wurden. Es verschwand dann lediglich das kleine IS-Zeichen aus dem Sucher. Das Firmware-Update in Version 1.3 behebt dieses Problem in sehr komfor­tabler Weise – und zwar sowohl bei der E-3 als auch bei der E-510. Ist ein Objektiv über einen Adapter angeschlossen und nicht in der Lage, mit der Kamera zu kommu­ni­zieren, lassen sich nach Betätigen der IS-Taste über die Belich­tungs­kor­rek­turtaste und das Wählrad alle gängigen Brenn­weiten von 8 mm bis 1000 mm einstellen (siehe PDF-Datei Setting the Focal Length for the Image Stabilizer Function); bei nicht erfassten Brenn­weiten soll man den nächst­ge­legenen Wert wählen. Für die Verwendung von Zoomob­jektiven ist das natürlich nur bedingt praktikabel, inter­essante Festbrenn­weiten aber, die derzeit noch nicht im Olympus-Programm zu finden sind, wie zum Beispiel ein 1,4/85 mm oder ein 1,4/50 mm, können so mit voll funkti­ons­fähigem Bildsta­bi­lisator verwendet werden. Da ich das Update erst heute herun­ter­geladen habe und mir die E-3 nicht mehr zur Verfügung steht, habe ich die neue Bildsta­bi­lisator-Funktion heute nachmittag an einer E-510 ausprobiert. Die Ergebnisse vermochten zu überzeugen. Ein Unter­schied in der Leistungs­fä­higkeit im Vergleich zu Olympus-Zuiko-Digital­ob­jektiven war nicht festzu­stellen.

Rauschen
Auch wenn dem Thema meines Erachtens vielfach ein wenig zu viel Bedeutung beige­messen wird, ist natürlich auch die Frage inter­essant, wie es sich angesichts des vergleichsweise kleinen FourThirds-Sensors mit dem Bildrauschen verhält. Bei ISO 100 und 200 ist Rauschen nicht oder nur in nicht relevantem Maße festzu­stellen. Bei ISO 400 sind die Aufnahmen noch sehr glatt und lediglich, wenn man etwas knapp belichtet und das Bild anschließend aufhellen muss, tritt es, wie auch bei Kameras mit größeren Sensoren, merklich in Erscheinung. Bei ISO 800 wird Rauschen – vor allem Hellig­keits­rauschen – sichtbar, aber selbst bis ISO 1.600 sind die Bilder noch sehr ansehnlich. ISO 3.200 ist allerdings sicher nur den anders nicht zu lösenden Notfällen vorbe­halten.

Wer es nicht ohnehin tut, sollte bei höheren Empfind­lich­keiten auf den Raw-Modus zurück­greifen. Tut man dies, so lässt sich das Maß der Rausch­un­ter­drückung entsprechend dem Motiv steuern und man kann selbst entscheiden, ob man auf feine Details zugunsten einer glatteren Bildan­mutung verzichten kann oder ob man für mehr Details ein wenig Rauschen tolerieren kann.

Präzise Belichtung ist im Übrigen bei allen Digital­kameras ein probates Mittel, um Rauschen zu minimieren. Belichtet man – weil es bequem erscheint – lieber ein wenig knapp und muss entsprechend die Bilder nachträglich aufhellen, wird man sich selbst bei niedrigen ISO-Werten über erstaunlich „rauschende“ Bildein­drücke wundern.

Blitzen
Die von Olympus erstmals in der E-3 einge­setzte Möglichkeit, in Kombi­nation mit den neuen System­blitz­geräten kabellos zu blitzen habe ich im Rahmen dieses Tests nicht ausprobiert. Es können bis zu drei Gruppen von Blitz­geräten gesteuert werden und der eingebaute Blitz fungiert dann lediglich als Auslöser, ohne das Bilder­gebnis sichtbar zu beein­flussen. Für mich persönlich ist diese Funktion weniger wichtig, wer hingegen häufig auf Blitzlicht zurück­greifen muss und auch unterwegs komplexere Ausleuch­tungen zu bewerk­stelligen hat, die ansonsten nur mit voluminösen Studio­b­litz­anlagen zu meistern sind, wird diese Funktion sicher zu schätzen wissen.
 

Foto Hans-Peter Schaub

Das neue 2,8–4/12–60 mm-Zoom liefert exzellente Abbil­dungs­leis­tungen. Die geringe Verzeichnung und Vigent­tierung lassen es auch für derartige Archi­tek­tur­motive geeignet erscheinen. Foto: Hans-Peter Schaub

 
Schluss­be­trachtung

Fazit meiner intensiven Begegnung mit der E-3: Sehr solide Kamera mit extrem schnellem Autofokus, effektivem Bildsta­bi­lisator und einem auf raue Bedin­gungen ausge­legten Bedien­konzept. Die Menüführung wird von manchen als zumindest gewöh­nungs­be­dürftig empfunden, ich kam allerdings auf Anhieb gut mit der E-3 zu Recht.
 
Die perfekte Kamera?

Ganz bestimmt nicht, denn die sieht für jeden Fotografen und jedes Einsatz­gebiet anders aus. Betrachtet man aber das gesamte E-System, so zeigt sich schon, dass es sich in besonderer Weise für Outdoor- und Repor­ta­ge­aufgaben empfiehlt. Zum einen ist neben der E-3 die gesamte Palette der Pro- und Top-Pro-Objektive wetterfest. Aufgrund des Beschnitt­faktors von 2 bezogen auf das Klein­bild­format, stehen insbe­sondere im Telebereich sehr lange und licht­starke Objektive zur Verfügung. Das kompensiert zu einem gewissen Teil auch das im Vergleich zu größeren Sensoren anderer Hersteller etwas gesteigerte Bildrauschen bei höheren Empfind­lich­keiten: Man muss eben in vielen Situa­tionen die ISO-Einstellung nicht so hoch drehen, da die Objektive licht­stärker sind und sich aufgrund des Beschnitt­faktors beispielsweise bei Blende 2,8 bereits die Schärf­entiefe eines auf 5,6 abgeblendeten Klein­bild­ob­jektives ergibt.

Der Autofokus ist in Verbindung mit der E-3 schon bei den konven­tionell ausge­statteten Objektiven schnell, die neuen Ultra­schall-Ausfüh­rungen aber sind noch deutlich schneller – auch bei sehr wenig Licht und geringen Kontrasten. Ganz besonders spannend dürfte das neue 2,8–3,5/50–200 mm SWC sein, das mir leider nur für einen Tag zur Verfügung stand und das ich nicht mit Konvertern auspro­bieren konnte. Ein knappes Kilo schwer und etwa 1.350 Euro teuer, entspricht es einem sehr licht­starken 100–400-mm-Kleinbildzoom, das wirklich problemlos freihändig eingesetzt werden kann und besonders auf Reisen im Vergleich zu entspre­chenden Optiken anderer Hersteller – zum Beispiel dem 4/200–400-mm-Nikkor – Gepäck (und Konto) deutlich weniger belastet.

Für so manchen, der gerne ältere Manualfokus-Objektive an der E-3 verwenden möchte, liefert die mit der Firmware-Version 1.3 mögliche Verwendung des Bildsta­bi­li­sators auch mit adaptierten Objektiven ein weiteres Argument für die E-3 (bezie­hungsweise die diesbe­züglich gleich leistungs­fähige E-510).

Die Kamera selbst ist zwar weder kleiner noch leichter als vergleichbare Modelle mit APS-C-Sensor, doch ambitio­nierte Outdoor-Fotografen, für die neben den genannten Eigen­schaften auch das Gewicht der gesamten Ausrüstung eine Rolle spielt, sollten sich die rund 1.650 Euro teure E-3 nebst den kompakten und gleich­zeitig recht licht­starken neuen SWD-Objektiven zumindest einmal genauer anschauen.

(Hans-Peter Schaub)

 
Anmerkung: Dieser Praxistest von Dr. Hans-Peter Schaub ist auch in Naturfoto, Ausgabe März 2008, erschienen; wobei die Kernaussagen logischerweise identisch sind. Die hier vorliegende Fassung ist erweitert, in manchen Aspekten vertieft, und aktua­lisiert worden (etwa bezüglich der Firmware v1.3).

Produktfotos: Olympus; Beispielfotos: Hans-Peter Schaub