Kame­ra­her­stel­ler Sony ermög­lichte es pho­tos­cala in der ver­gan­ge­nen Woche, dessen neu­este Spie­gel­re­flex­ka­mera α700 kurz aus­zu­pro­bie­ren. Sonys alpha wird erwach­sen, so das Fazit eines jah­re­lan­gen Minolta-Nut­zers, der wohl bald sein neues Arbeits­tier beim Foto­händ­ler bestel­len wird:

Spä­tes­tens als meine Dynax 7D mit ihrem soge­nann­ten Error 58 die Segel strich, begann für mich das Warten auf das Nach­fol­ge­mo­dell. Run­time, Konica-Minol­tas Repa­ra­tur­werk­statt in Bremen, setzte die Kamera kurz­fris­tig und kos­ten­los wieder in Stand, die Suche nach einem zeit­ge­mä­ßen Ersatz blieb: Ein wenig mehr Auf­lö­sung könnte nicht scha­den und böte Spiel­raum für Aus­schnitts­ver­grö­ße­run­gen, am Spiel­feld­rand des Fuß­ball­matches wäre eine höhere Seri­en­bild­ge­schwin­dig­keit sowieso nicht schlecht, und der Auto­fo­kus dürfte zumin­dest mal so schnell und zuver­läs­sig arbei­ten wie der meiner ana­lo­gen Dynax 7. Ein digi­ta­les Zweit­ge­häuse muss ohne­hin mal her; Sonys Erst­lings­werk, die α100, ist mir aller­dings in vielen Situa­tio­nen schlicht zu klein – auch ein grö­ße­res Objek­tiv will ich an die Kamera anset­zen und nicht die Kamera am Objek­tiv her­um­tra­gen. Ähn­lich wie mir geht’s der­zeit vielen „Minol­tia­nern“, die lange auf Sonys zwei­tes Modell warten muss­ten.

Als Sony Deutsch­land zu einer Pres­se­reise ins ober­ita­lie­ni­sche Baveno einlud, zögerte ich des­halb nicht lange mit der Zusage. Für knappe drei Stun­den konnte Sony uns die neue α700 über­las­sen, rund 250 Fach­jour­na­lis­ten teil­ten sich 47 Kame­ras. Zu wenig Zeit, um ein abschlie­ßen­des Urteil zu fällen, zu wenig Kame­ras, um sich mit jedem Detail ver­traut zu machen, aber den ersten Ein­druck möch­ten ich Ihnen nicht vor­ent­hal­ten:

Schnel­ler Auto­fo­kus, ordent­li­che Ver­ar­bei­tung des aus­rei­chend großen Gehäu­ses, dezen­tere Betriebs­ge­räu­sche, eine zuver­läs­sige Belich­tungs­mes­sung und ein erst­klas­si­ger Moni­tor sind die Eigen­schaf­ten, die mir sofort ins Auge fielen. Das Warten hat sich offen­bar gelohnt, nach der α100 vom Juni letz­ten Jahres wird Sonys Alpha-System end­lich erwach­sen. Oder, aus der Sicht des Minolta-Nut­zers: Das Dynax-System ist wieder auf der Höhe der Zeit.

Gehäuse:
Gerade mal 690 Gramm wiegt das Gehäuse der α700, gemein­sam mit dem neuen Hand­griff VG-C70CM und einem Akku bringt die Kamera rund 950 Gramm auf die Waage. Und damit ist die Neue im eigent­li­chen Wort­sinn ein Leicht­ge­wicht inner­halb ihrer Klasse. Die Canon EOS 40D – nach den unver­bind­li­chen Preis­emp­feh­lun­gen der Her­stel­ler 100 Euro preis­wer­ter als die Sony – wiegt ohne Hand­griff bereits 822 Gramm, Nikons D300 – rund 430 Euro teurer – ohne Hoch­for­mat­hand­griff 903 Gramm, in etwa so viel wie eine EOS 5D.

Zumin­dest rein äußer­lich erin­nert die Neue deut­lich stär­ker an die Konica-Minolta Dynax 7D als an die α100. Die Größe ist mehr oder weni­ger ver­gleich­bar, dabei fällt die α700 – zumin­dest für meinen Geschmack – deut­lich gefäl­li­ger aus.

In einer Vitrine gewährte Sony wäh­rend der Pres­se­kon­fe­renz Ein­bli­cke in die Kamera: Im Innen­le­ben der α700 kommt recht viel Kunst­stoff zum Ein­satz, das auf einem Chas­sis aus einer Alu­mi­ni­um­le­gie­rung sitzt. Boden-, Deckel- und Front­platte wie­derum bestehen aus einer Magne­si­um­le­gie­rung. Gescha­det hat die Abspeck­kur der Kamera nicht, so mein erster Ein­druck: auch beim beherz­ten Zupa­cken knatscht oder wackelt nichts, die Kamera ver­mit­telt eine ordent­li­che Ver­ar­bei­tungs­qua­li­tät. Dabei liegt die α700 aus­ge­zeich­net in der Hand; in meiner sogar noch besser als die Dynax 7D.

Ist das Objek­tiv vor der Kamera nicht schwe­rer als die Kamera selbst, lässt sich noch ganz gut ohne den VG-C70CM aus­kom­men. Sonst sollte der Anwen­der den Kauf des Hoch­for­mat­hand­griffs von Anfang an ein­pla­nen, denn allein als Ver­län­ge­rung des Griffstücks ist er schon eine Menge wert und erleich­tert die Hand­ha­bung unge­mein. Wir hatten Sonys der­zeit schwers­tes Objek­tiv testen können, das 2,8/300 G, den Hand­griff der α700 ver­grö­ßert der Ver­ti­kal-Griff soweit, dass sich auch mit dem 2,3 Kilo­gramm schwe­ren Objek­tiv pro­blem­los aus der Hand arbei­ten lässt.

Seine ganze Stärke spielt der Hand­griff jedoch bei Hoch­for­mat­auf­nah­men aus: Nicht nur Aus­lö­ser, vor­de­res und hin­te­res Ein­stell­rad sowie die Belich­tungs­spei­cher­taste finden sich hier an gewohn­ter Stelle wieder, Sony hat dem Griff auch neben dem klei­nen Joy­stick zur Auto­fo­kus­steue­rung noch sämt­li­che ande­ren Bedien­ele­mente spen­diert, wie sie bei Quer­for­mat­auf­nah­men für den Daumen in Reich­weite liegen. Und gleich­zei­tig – wie schon von Minolta gewohnt – den Aus­lö­ser soweit noch unten ver­legt, dass sich im Quer- wie im Hoch­for­mat die glei­che Arm­hal­tung ergibt. Kaum eine Kamera lässt sich auch im Hoch­for­mat so gut bedie­nen wie die derart aus­ge­stat­tete α700. Der Han­griff hat aller­dings auch seinen stol­zen Preis, das Gehäuse aus Magne­si­um­le­gie­rung und die Viel­zahl an Bedien­ele­men­ten machen ihn rund 350 Euro teuer. Soviel muss­ten die Minolta-Anwen­der zuletzt für den VC-9 der Dynax 9 hin­le­gen,

Dich­tun­gen an den Bedien­ele­men­ten und Klap­pen sollen Kamera und Hoch­for­mat­hand­griff gegen Staub und Feuch­tig­keit schüt­zen. Wurde auch Zeit, dass die Her­stel­ler erken­nen, dass man ihre Kame­ras nicht gleich beim ersten Nie­sel­re­gen in die Foto­ta­sche ver­ban­nen oder unter einer Regen­schutz­haube ver­ber­gen will. Testen konn­ten wir die Dich­tig­keit nicht, die Sonne brannte, als wir die Test­ka­me­ras auf einen kurzen Aus­flug in die pie­mon­te­si­schen Berge nahmen.

Ergo­no­mie:
Minolta und zuletzt Konica-Minolta haben das Bedien­kon­zept ihrer Kame­ras öfter mal über den Haufen gewor­fen. Auch Sony, in dessen Alpha-Mount-Camera-Team der eine oder andere Minolta-Ent­wick­ler gelan­det ist, setzt diese Tra­di­tion fort. Wäh­rend bei der Dynax 7D noch eine Viel­zahl an Räd­chen und Schie­bern zur Ver­fü­gung steht, setzt Sony auf jede Menge Taster. Aber auch Sony bleibt dem Anspruch treu, den direk­ten Zugriff auf nahezu alle wich­ti­gen Ein­stel­lun­gen zu bieten. Nur in sel­te­nen Fällen sind Tip­por­gien in den Menüs oder Aus­wahl­dia­lo­gen not­wen­dig. Zu einer Funk­tion, der Sony besser einen wei­te­ren Schal­ter spen­diert hätte, später mehr.

Im Wesent­li­chen ist mir das neue Bedien­kon­zept nur recht: Taste drü­cken, Ein­stel­lung über eines der beiden Räd­chen oder die Wippen vor­neh­men, im Zwei­fel kriege ich so bei­spiels­weise die Ein­stel­lung des Seri­en­bild­mo­dus schnel­ler hin als bei der Dynax 7D. Die Belich­tungs­kor­rek­tur etwa lässt sich jetzt kom­plett mit der rech­ten Hand vor­neh­men. Bei dem Drehrad der 7D musste die Linke erst das Objek­tiv los­las­sen, um das zu ent­rie­gelnde Kor­rek­tur­rad zu betä­ti­gen. (Wei­ter­hin lässt sich die Belich­tungs­kor­rek­tur natür­lich auch auf eines der beiden Ein­stell­rä­der legen.)

Wie bei den Minolta-Vor­gän­gern stehen drei soge­nannte Memory-Spei­cher­plätze zur Ver­fü­gung. Das sind quasi die Gegen­stü­cke zu den sechs Motiv­pro­gram­men und der Voll­au­to­ma­tik der Kamera. Wäh­rend hier die Kamera einen Vor­schlag für die meis­ten Ein­stel­lun­gen macht (die sich dann zum Teil noch ändern lassen), können hier drei ver­schie­dene Kamera­kon­fi­gu­ra­tio­nen (z.B. Belich­tungs­mes­sung, –Steue­rung und –Kor­rek­tur, AF-Ein­stel­lung, Seri­en­bild­mo­dus, ISO-Ein­stel­lung, Bild­qua­li­tät und Datei­for­mat, Blitz­mo­dus) abge­spei­chert und im Bedarfs­fall abge­ru­fen werden. Jede Menge soge­nann­ter Custom-Funk­tio­nen erlau­ben die Anpas­sung an die indi­vi­du­el­len Anfor­de­run­gen, leider lassen sich diese Ein­stel­lun­gen nicht auf einer Spei­cher­karte hin­ter­le­gen, um sie wieder auf die Kamera spie­len zu können, nach­dem ein Kol­lege seine eige­nen Ein­stel­lun­gen vor­ge­nom­men hat. Auch Kürzel des Foto­gra­fen oder eine belie­bige Nummer schreibt die Kamera nicht in die Datei­na­men, die das Arbei­ten im Team erleich­tern würden.

Wäh­rend andere Her­stel­ler die Anzeige der Kame­ra­ein­stel­lun­gen zum Teil noch auf zwei oder mehr Dis­plays ver­tei­len, habe ich bei der α700 wie gewohnt alles im Blick. Das große Drei-Zoll-Dis­play zeigt über­sicht­lich – und deut­lich größer als jedes Sta­tus­dis­play der Kon­kur­renz auf der Kame­rao­ber­seite – alle wich­ti­gen Daten an, für Hoch­for­mat­auf­nah­men wird die Anzeige auto­ma­ti­sch gedreht. Minolta-Nutzer werden es kennen: Nehme ich die Kamera ans Auge, geht das Dis­play aus und blen­det nicht, die Bild­wie­der­gabe lässt sich jeder­zeit durch das Antip­pen des Aus­lö­sers unter­bre­chen, um den Kame­ra­ein­stel­lun­gen Platz zu machen. Ein Dis­play auf der Ober­seite ver­misse ich spä­tes­tens seit meiner ana­lo­gen Dynax 7 nicht mehr.

Neu an der Sony sind zwei Tasten unter­halb des Joy­sticks, der im Auf­nah­me­be­trieb als Auto­fo­kus­taste dient: Nummer eins ist die Taste „C“, die sich mit einer von elf Funk­tio­nen bele­gen lässt, die sonst zum Teil über die Taster auf der Ober­seite oder aber durch Menüein­träge auf­ge­ru­fen werden. Und so lässt sich die ISO-Ein­stel­lung, die Belich­tungs- oder Blitz­be­lich­tungs­kor­rek­tur, die Steue­rung des Kame­ra­b­lit­zes oder zum Bei­spiel der Seri­en­bild­mo­dus mit dem rech­ten Daumen ein­stel­len. Taste zwei hat Sony sich offen­bar bei Olym­pus abge­schaut: Nach dem Druck auf „Fn“ kann ich mit­tels Joy­stick auf dem Dis­play die meis­ten Funk­tio­nen aus­wäh­len und mit­tels Ein­stell­rad ändern. In der Praxis lassen sich fast alle wich­ti­gen Ein­stel­lun­gen vor­neh­men, ohne die Kamera vom Auge zu nehmen, nur leider nicht vom großen Auto­fo­kus­feld auf die Ein­zel­feld­wahl umschal­ten:

Auto­fo­kus:
Wer schon mal eine Dynax 7 im Ein­satz hatte, weiß, dass auch Minolta Kame­ras mit schnel­lem Auto­fo­kus bauen konnte. Der Her­stel­ler bewarb die Kamera damals als die schnellste über­haupt, und dürfte damit gar nicht so weit dane­ben gele­gen haben. Nur leider wan­derte der AF der Dynax 7 weder in die 7D oder 5D, noch in die α100, denen der kraft­volle Motor sowie der treff­si­chere zen­trale Doppel-Kreuz­sen­sor ihrer ana­lo­gen Ahnin fehlte. Sony hat jetzt end­lich nach­ge­bes­sert, der Auto­fo­kus der α700 hat wenig mit dem der 7D gemein. Wäh­rend wir in der pral­len Mit­tags­sonne mit dem 2,8/300 spon­tan keine Geschwin­dig­keits­un­ter­schiede fest­stel­len konn­ten – das Drei­hun­der­ter ist der­zeit eines von zwei Sony-Objek­ti­ven mit inte­grier­tem Ultra­schall­mo­tor zur Fokus­sie­rung, ein drit­tes soll im Früh­jahr folgen – ist der Geschwin­dig­keits­vor­teil bei allen übri­gen Objek­ti­ven beträcht­lich. Der AF der α700 packt schnell zu, der Antrieb arbei­tet gleich­zei­tig auch leiser, sein Geräusch klingt etwas satter (das glei­che gilt übri­gens für den Spie­gel­schlag: leiser und satter). Auch bei schlech­ten Licht­ver­hält­nis­sen gab es kaum Pro­bleme mit der Treff­si­cher­heit.

Wäh­rend ich von der Geschwin­dig­keit ange­nehm über­rascht bin – Sony zeigt, was auch aus Objek­ti­ven ohne eige­nen Ultra­schall­mo­tor noch raus­zu­ho­len ist und lässt die Kon­kur­renz mit USM oder AF-S in den meis­ten Fällen nicht ver­mis­sen – gefällt mir die Anord­nung der elf AF-Felder nicht ganz so. Neben dem zen­tra­len Kreuz­sen­sor sitzen links und rechts je zwei ver­ti­kale Lini­en­sen­so­ren, von denen der innere jeweils aus drei Ein­zel­sen­so­ren besteht, oben und unten hat Sony noch zwei hori­zon­tale Lini­en­sen­so­ren plat­ziert. Irgendwo habe ich das doch schon mal gese­hen? Genau, Sonys AF weist ver­blüf­fende Ähn­lich­keit zum AF-Modul Multi-CAM 1000 auf, wie es Nikon bei­spiels­weise in die D200 gepflanzt hat (s. Abbil­dung). Mir gefie­len dies­be­züg­lich die Minolta-Vor­gän­ger mit ihren dia­go­nal ver­lau­fen­den AF-Fel­dern oben links und oben rechts deut­lich besser.

Nicht von Nikon bekannt ist dage­gen der zen­trale Kreuz­sen­sor: Gleich fünf Lini­en­sen­so­ren hat Sony hier über­ein­an­der legen lassen und ver­spricht so, ins­be­son­dere mit licht­star­ken Objek­ti­ven, eine höhere Tref­fer­quote. Sony könnte Recht behal­ten, das zumin­dest mein erster Ein­druck aus dem kurzen Pra­xis­test.

Akti­viert der Anwen­der das große AF-Feld, so wählt die Kamera den pas­sen­den Ein­zel­sen­sor aus, in der Regel ent­schei­det sie sich für den, der den gerings­ten Abstand zum Motiv regis­triert. Mit­tels Joy­stick lässt sich nun die Schärfe spei­chern oder auf das zen­trale AF-Feld legen, dum­mer­weise gestal­tet sich die gezielte Aus­wahl eines ein­zel­nen AF-Feldes etwas auf­wen­dig. Ich habe mir die ent­spre­chende Funk­tion auf die „C“-Taste gelegt, vom Auge nehmen musste ich die Kamera den­noch, nach­dem der Umschal­ter der Dynax 7 und 7D fehlt. Leider lassen sich die AF-Felder auch nicht grup­pie­ren, so dass die Wahl zwi­schen allen elf oder einem ein­zel­nen AF-Sensor bleibt. Auch zwei wei­tere Kreuz­sen­so­ren hätte Sony gerne ein­bauen dürfen, die bei Sport­auf­nah­men die Schär­fe­n­ach­füh­rung auch bei Moti­ven außer­halb der Mitte erleich­tern. Hier hätte sich Sony, ähn­lich wie bei der Anord­nung der AF-Sen­so­ren, durch­aus von Nikon inspi­rie­ren lassen dürfen.

Der Eye-Start; diese Minolta-Erfin­dung aus den 1990er Jahren, ist zurück bei der α700: ein Sensor am Griff akti­viert einen wei­te­ren Sensor am Suche­ro­ku­lar und star­tet Schar­fein­stel­lung und Belich­tungs­mes­sung, sobald die Kamera ans Auge genom­men wird. Wäh­rend Konica-Minolta zuletzt ganz darauf ver­zich­tete, hatte ihn Sony bei der α100 nur halb­her­zig imple­men­tiert und den Griff­sen­sor ein­ge­spart. Ich habe den Eye-Start schät­zen gelernt, not­falls kommt man aber auch ohne aus.

Ein­schub (1. Okto­ber 2007):
Der Eye-Start der für den euro­päi­schen Markt bestimm­ten α700 muss ohne Griff­sen­sor aus­kom­men. Wie Sony-Mana­ger Mark Weir, zustän­dig für die Alpha- und Cyber-shot-Kame­ras, im Sony-Electronics-Blog erklärte, müsse wegen euro­päi­scher Bestim­mun­gen bei den Kame­ras für den euro­päi­schen Markt auf den nickel­hal­ti­gen Griff­sen­sor ver­zich­tet werden; andere Regio­nen betreffe das aber nicht.
Ein­schub Ende

Dis­play und Sucherbild:
Der Moni­tor der α700 ist eine Wucht! Die Auf­lö­sung ist etwa vier­mal so hoch wie bei den Vor­gän­ger­mo­del­len, hell und bril­lant, und auch bei Son­nen­schein zu gebrau­chen. Ein­zelne Bild­punkte sind nur per Lupe aus­zu­ma­chen, das Dis­play wun­der­bar geeig­net, um die Bil­d­er­geb­nisse zu durch­fors­ten und den Aus­schuss aus­zu­sor­tie­ren. Ein ähn­li­ches Dis­play ver­baut Nikon in seinen Ober­klasse-Model­len D3 und D300. Schade, dass Sony auf die Live-Bild-Anzei­ger ver­zich­tet hat, zumal der Her­stel­ler die schon 2005 in der Cyber-shot R1 mit ähn­li­chem CMOS-Sensor imple­men­tiert hatte. Zusam­men mit der HDTV-Wie­der­gabe oder der Steue­rungs­soft­ware böten sich auch im Stu­dio­ein­satz ganz neue Mög­lich­kei­ten.

Eine Ple­xi­glas-Schutz­scheibe oder eine Dis­play­schutz­fo­lie gehö­ren dies­mal nicht zum Lie­fer­um­fang, son­dern sind sepa­rat zu erwer­ben.

Der Sucher fällt noch heller aus als bei der Dynax 7D, so mein erster Ein­druck. Und das will was heißen. Die Sucheran­zei­gen unter­halb der Matt­scheibe sind hell und groß, die Matt­schei­ben sollen sich durch den Sony-Ser­vice aus­tau­schen lassen.

Blitz­sys­tem:
Soviel vorweg: Gegen­über der Dynax 7D scheint sich nicht so viel getan zu haben. Das heißt: Zur Blitz­licht­mes­sung ist wei­ter­hin – wie bei ande­ren Her­stel­lern auch – ein Vor­blitz erfor­der­lich, der bei wenig Umge­bungs­licht für geschlos­sene Augen der por­trai­tier­ten Per­so­nen sorgen kann. Eine eigene Mess­zelle, die den Vor­blitz der Kamera ent­behr­lich machte, fehlt den Minolta- und Sony-Blitz­ge­rä­ten. Das heißt aber auch: Das draht­lose Blit­zen funk­tio­niert genauso ein­fach und zuver­läs­sig wie bei Minolta auch (ich habe es mit dem Minolta-Blitz 5600 HS (D) getes­tet), ohne dass dazu zusätz­li­che Steu­er­ge­räte not­wen­dig wären. Reicht die Syn­chron­zeit 1/250 Sekunde mal nicht, steht mit auf­ge­steck­ten wie draht­los ein­ge­setz­ten Blitz­ge­rä­ten wie gewohnt die Ultra-Kurz­zeit-Syn­chro­ni­sa­tion HSS zur Ver­fü­gung. Die Lang­zeit­syn­chro­ni­sa­tion mit­tels Belich­tungs­spei­cher­taste AEL erlaubt die har­mo­ni­sche Abstim­mung zwi­schen Blitz- und Dau­er­licht, und Stu­dio­b­litz­an­la­gen lassen sich – im Gegen­satz zur α100 – mit­tels Syn­chron­buchse anschlie­ßen. Dar­über hinaus lässt sich die Stärke des kame­rain­ter­nen Blit­zes wieder manu­ell regeln, ein Vor­teil eben­falls im Studio, wenn Blitz­an­la­gen über Foto­zel­len aus­ge­löst werden.

Was hat sich sonst noch getan?
Den inte­grier­ten Bild­sta­bi­li­sa­tor lernt man erst zu schät­zen, wenn man eine Weile mit ihm gear­bei­tet hat. Bei meiner Dynax 7D war ich zuletzt selten in die Ver­le­gen­heit gekom­men ihn aus­zu­schal­ten, sorgt er doch nicht nur für schär­fere Bilder jen­seits der Frei­hand­grenze, son­dern ins­ge­samt für eine höhere Grund­schärfe. Aus­schuss hatte ich jede Menge pro­du­ziert, aber eher, weil der Auto­fo­kus dane­ben lag, und nicht, weil die Bilder ver­wa­ckelt wären. Sony will den Anti-Shake der 7D, inzwi­schen Super-Steady-Shot getauft, noch­mals ver­bes­sert haben und ver­spricht, durch den beweg­li­chen Sensor etwa 2,5 bis 4 Blen­den­stu­fen aus­glei­chen zu können. Aus­pro­bie­ren konnte ich es noch nicht.

Die Ober- und Unter­gren­zen der ISO-Auto­ma­tik lassen sich jetzt durch den Foto­gra­fen selbst fest­le­gen, ISO-Werte end­lich auch in Drit­tel-Stufen statt nur in ganzen Werten ein­stel­len. Dar­über hinaus stehen die von Konica-Minolta als „Zone-Matching“ ein­ge­führ­ten Funk­tio­nen, die eine etwas fei­nere Ton­wert­wie­der­gabe in den Lich­tern oder Schat­ten ermög­li­chen, nicht mehr nur mit den festen ISO-Werten 80 (Lo) oder 200 (Hi) zur Ver­fü­gung, son­dern mit allen ISO-Ein­stel­lun­gen. Auch das konnte ich in der Kürze der Zeit noch nicht genauer aus­pro­bie­ren, genauso wenig wie die neuen Mög­lich­kei­ten des „Dyna­mic Range Opti­mi­zers“, der mit Hilfe der Werte des Belich­tungs­mes­sers par­ti­elle Ton­wert­kor­rek­tu­ren vor­nimmt und bei Gegen­licht­auf­nah­men mehr Zeich­nung in den Lich­tern oder Schat­ten ver­spricht.

Weder die Lithi­um­ak­kus NP-400 der letz­ten Dynax-Kame­ras noch der NP-FM55H der α100 lassen sich in der α700 ver­wen­den, statt dessen kommt mit dem NP-FM500H ein Akku mit Sonys „InfoLITHIUM“-Technologie zum Ein­satz. Und die infor­miert in Pro­zent­wer­ten über den ver­blie­be­nen Lade­zu­stand. Dafür wird es für Fremd­her­stel­ler dann wohl schwe­rer, den Akku nach­zu­bauen. Schade, mir wäre ein Ersatz­akku für ein paar Euro lieber als die Pro­zent­an­gabe auf dem Dis­play. Sony sieht das natür­lich anders.

In den Hoch­for­mat­hand­griff passen übri­gens zwei Akkus, die jetzt ein­zeln nach­ein­an­der ent­la­den werden (meine Dynax 7D saugte beide gleich­zei­tig leer, am Ende musste ich immer zwei Akkus gleich­zei­tig aus­tau­schen und laden). Leider ist zunächst der Akku aus der Kamera zu ent­fer­nen, um den Hand­griff mon­tie­ren zu können. Schade, andere Her­stel­ler (wie etwa Minolta mit der Dynax 7 oder Pentax mit der K10D) beka­men das schon besser hin: Der Griff, der die Akku­kon­takte in der Kamera errei­chen muss, fällt so unnö­tig groß aus, und den Kameraakku würde ich ganz gerne als zusätz­li­che Strom­ver­sor­gung in der Kamera belas­sen. Mignon-Akkus schluckt der Hand­griff im Gegen­satz zum VC-7D der Dynax 7D nicht mehr.

Klar, dass Sony in die α700 neben dem Com­pact-Flash-Lauf­werk auch einen Steck­platz für das haus­ei­gene Spei­cher­kar­ten­for­mat Memory-Stick-Duo ein­baut. Hätte ich die Wahl, ich hätte wohl zwei Com­pact-Flash-Spei­cher­plätze bevor­zugt, gerne hätte Sony dann auch wieder, wie bei der α100, einen Adpa­ter für den Memory-Stick-Duo bei­le­gen dürfen. Aber was soll’s? Ich werde mir wohl mal einen Memory-Stick anschaf­fen und als „Backup“ in der Kamera lassen. Da stört er nicht und ich kann ihn nicht ver­lie­ren.

Das Wich­tigste, die Bild­qua­li­tät:
Ins­be­son­dere die Auf­nah­men bei hohen ISO-Ein­stel­lun­gen konn­ten über­zeu­gen, das Farbrau­schen wird zwar sicht­bar, fällt aber ver­hält­nis­mä­ßig nied­rig aus. Auch die Bil­d­er­geb­nisse bei nied­ri­gen ISO-Werten gaben bisher wenig Anlass zur Klage, für meinen Geschmack könnte allen­falls die Detail­zeich­nung bei feinen Struk­tu­ren wie Blatt­werk oder Gras etwas feiner sein. So zumin­dest mein erster Ein­druck (eine Nikon D2X für Ver­gleichs­auf­nah­men passte nicht mehr ins Hand­ge­päck). Bisher konnte ich ledig­lich die JPEG-Dateien in Augen­schein nehmen, nach­dem Sony uns noch keinen RAW-Kon­ver­ter für das neue RAW-Datei­for­mat zur Ver­fü­gung stel­len konnte. Die von Sony ver­teil­ten Kame­ras sind offen­bar noch keine Seri­en­mo­delle, so dass sich noch kleine Ände­run­gen in Sachen Bild­qua­li­tät erge­ben mögen. Für wei­ter­ge­hende Tests, zum Bei­spiel im Labor, konnte Sony die in Baveno befind­li­chen Kame­ras noch nicht her­aus­ge­ben. Das end­gül­tige Urteil über die Bild­qua­li­tät steht also noch aus, ist mir per­sön­lich aber auch nicht ganz so wich­tig, nach­dem diese ange­sichts der hohen Auf­lö­sung ohne­hin eher durch meine Objek­tive bestimmt wird.

Fazit:
Vielen Minolta-Anwen­dern wie mir, die eine neue Kamera für ihr Objek­tiv­sor­ti­ment suchen, hätte schon eine „me-too“-Kamera gereicht, so etwas wie eine D200 mit Minolta-Bajo­nett. Die α700 ist mehr als nur das. Sie steckt in einem robus­ten, leich­ten Gehäuse und ver­fügt über ein wei­test­ge­hend geglück­tes Bedien­kon­zept, einen großen, hellen Sucher, einen her­vor­ra­gen­den Moni­tor, einen Bild­sta­bi­li­sa­tor für alle Objek­tive, über eine hohe Auf­lö­sung und ver­hält­nis­mä­ßig gerin­ges Farbrau­schen bei hohen ISO-Zahlen, einen flot­ten AF und eine hohe Seri­en­bild­ge­schwin­dig­keit, kurze Ver­schluss- und Syn­chron­zei­ten, zuver­läs­sige Belich­tungs­mes­sung: Letzt­lich ist es die Summe ihrer Eigen­schaf­ten, die die Kamera inter­es­sant machen. Inter­es­sant nicht nur für Wech­sel­wil­lige aus dem Dynax- oder Alpha-Lager, son­dern ver­mehrt auch für Neu­ein­stei­ger ins Alpha-System. Einige Objek­tiv-Lecker­bis­sen gibt es der­zeit ohne­hin nur fürs Minolta/Sony-Bajonett.

Ich jeden­falls werde in den nächs­ten Tagen etwas weni­ger sehn­süch­tig zu den Kol­le­gen mit ihrer Nikon- oder Canon-Aus­rüs­tung hin­über­schie­len. Von Sony als Mit­tel­klasse- oder Advan­ced-Ama­teur-Modell ein­ge­ord­net, sorgt die α700 für Vor­freude in Hin­blick auf die kom­mende große Schwes­ter. Bis Sony die fertig hat, schaue ich mir aber erst­mal das neue Set-Objek­tiv 3,5–5,6/16–105 DT genauer an. Beim ersten, wenn auch viel zu kurzen Test in Baveno machte das näm­lich schon einen viel­ver­spre­chen­den Ein­druck.

(Siehe auch: Alpha 700 first impressions)

(mts)